LKA-Chefs mit dunkler Seite
Vier Direktoren des Landeskriminalamtes waren NS-Täter

Düsseldorf/Münster -

Stefan Willms folgt aufmerksam der Pressekonferenz. Lebten die vier Männer noch, über die Martin Hölzl im kühlen Presseraum des Düsseldorfer Landeskriminalamt (LKA) redet, dann müsste sich nach dem Historiker Hölzl wohl auch Willms die Fälle genau anschauen.

Dienstag, 17.12.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 17.12.2019, 10:14 Uhr
Erschüttert von den Ergebnissen des Gutachtens über die ersten LKA-Chefs: Innenminister Herbert Reul (v.l.), Christoph Spieker vom münsterischen Geschichtsort Villa ten Hompel und Historiker Martin Hölzl.
Erschüttert von den Ergebnissen des Gutachtens über die ersten LKA-Chefs: Innenminister Herbert Reul (v.l.), Christoph Spieker vom münsterischen Geschichtsort Villa ten Hompel und Historiker Martin Hölzl. Foto: dpa

Der erste Kriminalhauptkommissar leitet die „Ermittlungsgruppe nationalsozialistische Gewaltverbrechen“, er ist zuständig für Nazi-Täter. Die vier, über die Hölzl spricht, sind die ersten vier Chefs der Behörde, in der Willms arbeitet, des LKA , – und sie sind NS-Täter. So sagt es der Historiker nach intensiver Recherche. Hölzl hat Akten aus deutschen, niederländischen, polnischen und dänischen Archiven durchgearbeitet. „Aus heutiger Sicht hätten sie niemals mehr als Polizisten arbeiten dürfen“, fasst NRW-Innenminister Herbert Reul das Ergebnis des Gutachtens knapp zusammen, das der Historiker des münsterischen Geschichtsortes Villa ten Hompel im Auftrag des LKA erstellt hat.

Die vier LKA-Chefs

  • Das Beispiel Friedrich Karst: Er war 1946 der erste Chef des LKA. „Zweifelsfrei dokumentiert“ ist laut Hölzl die Beteiligung des Polizisten Karst an einer Erschießungsaktion kurz vor Kriegsende in der Schlucht am Wenzelnberg bei Langenfeld, 71 Gefangene aus Haftanstalten wurden ermordet. Im Ermittlungsverfahren räumte Karst 1948 ein, Gefangene zur Sammelstelle in unmittelbarer Nähe des Erschießungsortes geführt zu haben. Anschließend war er am Zuschaufeln der Grube beteiligt. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.
  • Der Fall Friedrich D’heil: Er löste Karst 1948 als LKA-Chef ab, der offiziell wegen mangelnder Qualifikation geschasste Karst blieb sein Stellvertreter. D’heil war 1940 Leiter der Kriminalpolizei in Lodz im besetzten Polen gewesen. In dieser Funktion gab er eine „Sonderanweisung für den Verkehr mit dem Ghetto“ weiter, die Schutz- und Kriminalpolizisten zum sofortigen Schusswaffengebrauch gegen Juden aufforderte, die dem Hunger und dem Tod im Ghetto „Litzmannstadt“ zu entkommen suchten.
  • Der Fall Oskar Wenzky, LKA-Chef von 1959 bis 1964: Er war 1940 stellvertretender Chef der deutschen Kriminalpolizei in den besetzten Niederlanden. „Wensky war mit Sicherheit an der Verfolgung der Sinti und Roma in den Niederlanden beteiligt“, sagt der Historiker deshalb. Denn diese war eine Aufgabe der Kriminalpolizei. So habe Wensky die Verlegung der „Wohnwagenbewohner“ zu Sammelpunkten im Landesinneren angeordnet. Das habe die Deportation ein Jahr später erleichtert.
  • Der Fall Günter Grasner: Der vierte LKA-Direktor (1964 bis 1969) war 1942 als Einheitsführer bei der Geheimen Feldpolizei (GFP) in der Sowjetunion eingesetzt. „Gestapo der Wehrmacht“ nennen Historiker die GFP. Grasners Einheit sei „erwiesenermaßen bei der Erschießung von Zivilisten“ beteiligt gewesen. „Die Verantwortung ist klar gegeben, selbst wenn ich nicht nachweisen kann, dass Grasner selber geschossen hat“, sagt Hölzl. „Er trug Verantwortung als höchster Offizier.“

"Echte NS-Vergangenheit"

„Wir würden heute bei einer deutlich geringeren Verdachtslage in die Ermittlungen eintreten“, sagt Frank Hoever, der aktuell das LKA leitet, über seine Vorgänger. Er sei „sehr erschüttert“, dass 23 Jahre lang, bis 1969, Männer an der Spitze des LKA gestanden hätten, die „eine echte NS-Vergangenheit“ hatten.

„Das Ergebnis ist umso erschreckender, als die Genannten in ihrem Amt teilweise eine Seilschaft aus der NS-Zeit pflegten“, sagt Reul. So hat D’heil laut Hölzl mindestens zwei NS-Tätern den Weg zurück in den Polizeidienst geebnet – darunter Grasner. Der andere, Walter Helfsgott, wurde später wegen Mordes verurteilt. Er war Teilkommandoführer eines Einsatzkommandos in der Sowjetunion gewesen.

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