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Lawinenunglück: Schock und Trauer über Tod zweier Thüringer

Beim Skivergnügen in Südtirol hat eine Lawine drei Deutsche jäh aus dem Leben gerissen - eine Frau und ihre Tochter kommen aus Thüringen. Vor allem in ihrem Wohnort Hauteroda sitzt der Schock darüber tief.

Sonntag, 29.12.2019, 15:01 Uhr aktualisiert: 29.12.2019, 15:12 Uhr
Rettungskräfte arbeiten bei einer Suchaktion nach einer Lawine auf einer Skipiste.
Rettungskräfte arbeiten bei einer Suchaktion nach einer Lawine auf einer Skipiste. Foto: Uncredited

Bozen/Hauteroda (dpa/th) - Der Tod zweier Thüringer bei einem Lawinenunglück in Südtirol hat Bestürzung und Trauer ausgelöst. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich am Sonntag schockiert über die traurige Nachricht. «Hier wurde großes Leid über eine Familie gebracht, die einfach ihren wohlverdienten Winterurlaub machen wollte», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Bürgermeister von Hauteroda im Kyffhäuserkreis, Norbert Eichholz, sprach von einem Schock für die Menschen im Ort: «Das Mitgefühl ist sehr groß.»

Die Lawine hatte sich am Samstag auf etwa 3000 Metern Höhe gelöst und war auf die Piste in das tiefer gelegene Skigebiet Schnalstal am Teufelseck gerast. Einen Kilometer lang und 200 Meter breit soll das Schneebrett laut italienischen Medien gewesen sein. Unter den Schneemassen kamen eine Frau und zwei siebenjährige Mädchen aus Deutschland ums Leben. Die 35-Jährige und ihre Tochter stammen aus Hauteroda, erklärte die italienische Polizei. Die Mutter starb sofort, ihre Tochter wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus in Trient gebracht. Dort erlag sie dann aber ihren Verletzungen. Der Vater war vor Ort, wurde aber nicht von der Lawine verschüttet.

Das andere bei dem Unglück getötete Kind kommt aus Eschweiler in Nordrhein-Westfalen. Es starb sofort an der Unglücksstelle. Dessen Vater und elf Jahre alter Bruder seien mit Verletzungen ins Krankenhaus nach Meran gekommen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Familie sei in Hauteroda als hilfsbereit bekannt, berichtete Eichholz: «Wenn Hilfe gebraucht wurde, waren sie da.» Sie hätten in dem rund 500 Einwohner zählenden Ort ein Haus ausgebaut. «Wir werden schauen, wie wir der Familie in dieser Situation helfen können», sagte der Bürgermeister. Die Frau war Soldatin bei der Bundeswehr. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. «Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Angehörigen und den Freunden aller Opfer dieses furchtbaren Unglücks», so Kramp-Karrenbauer auf Twitter.

Auch Ramelow versicherte, dass die Landesregierung den Angehörigen Hilfe anbieten werde. Der Fall zeige einmal mehr, dass «Naturkapriolen nicht zu unterschätzen» seien.

Am Samstag herrschte Lawinenstufe 3 von 5. Das bedeutet «erhebliche Gefahr». Im Lawinenbericht der Region heißt es: «Vor allem in den Hauptniederschlagsgebieten und in hohen Lagen und im Hochgebirge sind mit dem stürmischen Nordwind einzelne mittlere spontane Lawinen möglich.» Doch der Skigebietbetreiber hatte die Lage anders beurteilt. «Unsere Mitarbeiter haben am frühen Morgen die Lage geprüft und es gab keine Gefahr. Wenn sie Zweifel gehabt hätten, hätten sie die Talabfahrt bestimmt niemals geöffnet», sagte Thomas Konstantin Stecher von der Gletscherbahn im Schnalstal laut Nachrichtenagentur Ansa. Es sei nicht auszuschließen, dass Skifahrer abseits der Piste die Lawine ausgelöst hätten.

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