Zoo Krefeld
Polizist erschoss verletzten Gorilla nach Affenhaus-Brand

Der Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos bekommt durch einen Bericht des Innenministeriums eine weitere Dimension: Ein Polizist musste einen schwer verletzten Gorilla mit Schüssen aus der Maschinenpistole erlösen. Zoo und Polizei sagen: Es gab in dem Fall keine andere Wahl.

Mittwoch, 15.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 14:24 Uhr
Nach dem Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos steht ein Stofftieräffchen neben Trauerkerzen.
Nach dem Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos steht ein Stofftieräffchen neben Trauerkerzen. Foto: Roland Weihrauch

Krefeld (dpa/lnw) - Nach dem Brand im Krefelder Zoo in der Nacht zu Neujahr kam es zu bisher unbekannten, dramatischen Szenen: Ein schwer verletzter Gorilla musste am Morgen von einem Polizeibeamten durch mehrere Schüsse aus einer Maschinenpistole getötet werden, da ein Narkotikum nicht schnell genug gewirkt hatte, wie aus einem Bericht des Innenministeriums an den nordrhein-westfälischen Landtag sowie einer am Mittwoch verbreiteten Stellungnahme des Zoos hervorgeht.

„Bei einem männlichen Gorilla entfaltete das Narkotikum aufgrund der Schwere der Brandverletzungen mit großflächigen Hautschäden nicht seine volle Wirkung, so dass die schnellste Erlösung des Tieres durch Kugelschuss mit Unterstützung der Polizei Ultima Ratio war“, erklärte der Zoo. Um welches Tier es sich handelte, sagte der Zoo nicht. Im Zuge des Brandes war nach früheren Angaben als einziger männlicher Gorilla der 48-jährige Silberrücken „Massa“ ums Leben gekommen. Wie der Zoo weiter mitteilte, hatte eine Tierärztin mit einem „hoch konzentrierten Narkotikum“ zwei weitere schwer verletzte Tiere eingeschläfert, die keine Überlebenschance gehabt hätten.

„Zur Tötung verpflichtet“

Die Polizei sieht auch im Nachhinein den Schusswaffengebrauch als alternativlos an. „Unsere Kollegen waren zur Tötung des Tieres durch Kugelschuss nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet“, erklärte die Polizei in der gemeinsamen Mitteilung mit dem Zoo. Die Beamten hätten sich sonst strafbar machen können.

Unsere Kollegen waren zur Tötung des Tieres durch Kugelschuss nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet.

Polizei Krefeld

Die Polizei bezieht sich auf Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes. Dort heißt es unter anderem: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer (...) einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“

Verheerender Brand im Krefelder Zoo

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  • In der Silvesternacht hat es im Krefelder Zoo einen verheerenden Brand gegeben.

    Foto: Marcel Kusch
  • Das Affenhaus geriet in Flammen. Mehr als 30 Tiere verendeten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Beim Eintreffen der Feuerwehrkräfte in der Silvesternacht stand das Affenhaus bereits in Flammen.

    Foto: Alexander Forstreuter
  • Ein Feuerwehrsprecher sagte, man sei überrascht gewesen, wie schnell das Dach des Affenhauses gebrannt habe.

    Foto: David Young
  • Eine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage habe es nicht gegeben, dies sei zum Zeitpunkt des Baus 1975 aber auch nicht vorgeschrieben gewesen.

    Foto: Marcel Kusch
  • Mehrere Menschenaffen wurden bei dem Brand getötet, so etwa der Senior-Silberrücken Gorilla «Massa».

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Auch der Orang-Utan «Suria» und seine Mutter «Lea» (hier ein Archivbild von 2016) starben.

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine sogenannte chinesische Himmelslaterne den Brand des Affenhauses verursacht hat.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Gerd Hoppmann, Leiter der Ermittlungskommission der Polizei Krefeld, präsentiert eine Himmelslaterne. 

    Foto: Fabian Strauch
  • „Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos“, sagte Direktor Wolfgang Dreßen.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Brand im Krefelder Zoo ist nach Einschätzung der Polizei „weitgehend aufgeklärt“.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter meldeten sich und gaben an, Himmelslaternen im Internet bestellt und fünf in der Silvesternacht steigen gelassen zu haben.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine dieser Himmelsleuchten den Brand des Affenhauses verursacht habe. Dies werde aber derzeit noch genau geprüft, um andere Ursachen auszuschließen. Die anderen vier Leuchten habe man sichergestellt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Frauen dachten nach eigenen Angaben, dass es an Silvester erlaubt sei, sie steigen zu lassen. Tatsächlich sind sie aber in ganz Deutschland verboten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Gegen die drei Frauen wird nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Darauf steht ein Haft- oder Geldstrafe.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos wurden Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder abgelegt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Am Mittwochvormittag wurde nach dem Brand eine Pressekonferenz abgehalten. Am Neujahrstag und auch am Donnerstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: „Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock“, erklärte der Zoo und warb um Verständnis.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Den Fragen der Journalisten stellten sich (v.l.): Kai Günther (Feuerwehr), Gerd Hoppmann (Kriminalhauptkommissar Polizei Krefeld), Frank Meyer (Oberbürgermeister von Krefeld) und Zoosprecherin Petra Schwinn.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Zoo wird voraussichtlich am Freitag wieder öffnen. Der Brandort wird mit Absperrungen versehen, um einen „Katastrophentourismus“ so weit wie möglich zu verhindern.

    Foto: David Young
  • Die durch den Brand im Krefelder Zoo umgekommenen Menschenaffen können nicht beerdigt werden. 

    Foto: David Young
  • Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei eine Beerdigung nicht erlaubt, sagte Zoosprecherin Petra Schwinn am Donnerstag. Zoointern werde es eine Trauerfeier geben.

    Foto: David Young

Warum der Zoo nicht darüber informiert hat

Mit dem 34-jährigen Schützen seien in den folgenden Tagen aus Fürsorge mehrere „intensive Gespräche“ geführt worden, heißt es in der Vorlage des Innenministers für den Landtag. „Der Bericht des Innenministeriums lässt nur erahnen, wie belastend der Einsatz für die Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sowie die Mitarbeiter des Zoos gewesen sein muss“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Verena Schäffer.

Tatsächlich sei die „emotionale Belastung bei allen Einsatzkräften sowie beim Personal des Zoos immens“ gewesen, heißt es in dem Minister-Bericht. „Während und nach dem Einsatz wurde den Einsatzkräften und den Mitarbeitern eine psychologische Unterstützung angeboten.“

Der Zoo begründete mit der Rücksichtnahme auf die Mitarbeiter und die Einsatzkräfte, warum der Zoo-Direktor die Schüsse bei der Pressekonferenz am Neujahrstag nicht erwähnt hatte: „Zum emotionalen Schutz der beteiligten Personen (Tierärztin, Tierpfleger, Polizei) wurde gemeinschaftlich mit den beteiligten Behörden entschieden, diese Informationen nicht zu kommunizieren.“

„Unbekanntes, entflammbares Material“ auf den Dach des Affenhauses

Das Innenministerium führt in dem Bericht auch den aktuellen Ermittlungsstand aus. Demnach hatten bereits um 2.20 Uhr - keine zwei Stunden nach der Alarmierung der Feuerwehr - erste Zeugen Hinweise auf Himmelslaternen gegeben. Am nächsten Tag meldeten sich drei Frauen, die nach Mitternacht fünf der Leuchten hatten steigen lassen. Zwei seien in einem Baum hängen geblieben, drei weiter geflogen. Laut Innenministerium landete eine auf dem Dach des Affenhauses - wo sie laut Bericht „mit unbekanntem, entflammbarem Material in Kontakt gekommen ist. Im weiteren Verlauf kam es zur Flammenbildung und danach zum Vollbrand des Gebäudes.“

Grüne fordert Sprinklerpflicht für Zoos

Die Grünen-Politikerin Schäffer sagte der dpa: „Die Landesregierung muss dieses schreckliche Ereignis zum Anlass nehmen, für stärkere Brandschutzbestimmungen in den Zoos zu sorgen. Dazu gehören zum Beispiel die Verpflichtung zur Installation von Brandmelde- und Sprinkleranlagen im gesamten Gebäudebestand.“

Bei dem Brand im Affenhaus waren mehr als 30 Tiere ums Leben gekommen. Zwei Schimpansen überlebten verletzt. Sie sind laut einer Mitteilung des Zoos von Anfang Januar auf dem Weg der Besserung.

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