Theater
Architektur mit Hüftschwung: Schauspielhaus wird 50

In den vergangenen vier Jahren waren im Düsseldorfer Schauspielhaus meist Bauarbeiter zu sehen und keine Schauspieler. Seit dieser Saison wird das Gebäude wieder bespielt und das 50-jährige Jubiläum mit einem Festakt gefeiert.

Mittwoch, 15.01.2020, 16:02 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 16:12 Uhr
Das Schauspielhaus in Düsseldorf wird saniert.
Das Schauspielhaus in Düsseldorf wird saniert. Foto: Martin Gerten

Düsseldorf (dpa/lnw) - Noch kratzen die Bagger direkt vor der Tür in der Erde, und Handwerker hämmern und bohren in einem fort. Am 16. Januar feiert das Schauspielhaus, am Gustaf-Gründgens-Platz mitten in Düsseldorf gelegen, sein 50-jähriges Bestehen. In den vergangenen vier Jahren ist das von dem Architekten Bernhard Pfau entworfene markante Gebäude von Grund auf saniert worden. Rund 60 Millionen Euro haben die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Bau gekostet und den Generalintendanten Wilfried Schulz und sein Team einige Nerven. Ganz fertig ist die Sanierung nicht.

Aber im neuen alten Haus kann das Theater Angebote machen, die zuvor nicht möglich waren. Unter anderem soll es auch tagsüber ein offenes Haus sein, nicht nur an Abenden für die Besucher des Theaters. Davon zeugt ein langer schwarzer Tisch mit Bänken an beiden Seiten im Foyer. «Wir wollen einen Übergang unserer Arbeit», sagt Intendant Schulz, es solle lockerer und transparenter werden. Im Erdgeschoss bietet das Haus, das zwischen trubeligen Geschäftsstraßen und dem Hofgarten liegt, mit seinem gläsernen Erdgeschoss auch buchstäblich mehr Einblick.

Die markante weiße Fassade wird auch mal als architektonischer Hüftschwung bezeichnet, andere fühlen sich an einen üppig gewellten Vorhang erinnert. Im Inneren wurde das in warmen Farben gehaltene Foyer denkmalgerecht erneuert: Gelbe, schalldämmende Samtgardinen, ein orangefarbener Teppich und gold-beige Wandbehänge lassen an die 1970er Jahre erinnern. Die Betonwände wurden saniert, das «Dunkeldunkeldunkelgrau», so Schulz, wich einem hellen Ton. Die Zugänge sind nun behindertengerecht. Eines der teuersten Elemente war der Einbau eines gläsernen Fahrstuhls.

Am 16. Januar wird die Einweihung vor 50 Jahren gefeiert. An den Festakt schließt sich die Premiere einer Inszenierung des Brecht-Dramas «Leben des Galilei» an mit dem Schauspieler Burghart Klaußner («Brecht»). Auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wird erwartet. Als einziges Theater in Nordrhein-Westfalen wird das Schauspielhaus auch vom Land gefördert. Die andere Hälfte trägt die Stadt Düsseldorf. In der vorigen Saison betrug der Etat fast 27 Millionen Euro.

In den vergangenen vier Jahren ohne festes Haus hat das Theater notgedrungen auch an ungewöhnlichen Orten gespielt. Aber Aufführungen im Zirkuszelt, in Bürohäusern, Kirchen oder in einem Provisorium am Hauptbahnhof brachten den Theaterleuten viel Publikum und Sympathie. Bürger spendeten für den Umbau. Die regelmäßigen Baustellenführungen durch das Theaterhaus von Claudia Schmitz, der Kaufmännischen Geschäftsführerin, waren oft ausverkauft.

Seit dieser Saison arbeiten Ensemble, Verwaltung und Werkstätten wieder im Stammhaus. Fertig ist es aber noch nicht. Unter anderem muss der Fußboden in einem Teil des Erdgeschosses erneuert werden, und an der markanten Fassade fehlen noch Bleche.

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