Notfälle
Bombenentschärfung: Büros mit 10 000 Beschäftigten geräumt

Eine Bombenentschärfung der besonderen Art: Nur 15 Anwohner mussten am Dienstag in Köln ihre Wohnungen verlassen - aber dafür 10 000 Beschäftigte ihr Büro räumen. Bei der Bahn kam es zu Verspätungen und Ausfällen.

Dienstag, 21.01.2020, 15:07 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 15:22 Uhr
Ein Flatterband mit der Aufschrift «Polizeiabsperrung».
Ein Flatterband mit der Aufschrift «Polizeiabsperrung». Foto: Patrick Seeger

Köln (dpa/lnw) - Wegen einer Weltkriegsbombe sind in Köln große Bürokomplexe evakuiert, Züge gestoppt und Fernsehsendungen von der Straße aus moderiert worden. Rund 10 000 Beschäftigte haben am Dienstag wegen der Entschärfung des Blindgängers ihre Arbeitsplätze verlassen müssen oder sind gleich im Homeoffice geblieben. Auch der Zugverkehr kam durcheinander, weil unter anderem die Hohenzollernbrücke - ein Nadelöhr im Bahnverkehr - gesperrt wurde. Schiffe mussten stoppen und Flugzeuge zum Airport Köln/Bonn Umwege in Kauf nehmen. Die Bombe lag am rechten Rheinufer in einer Gegend mit vielen Firmenzentralen - eine davon war das Sendezentrum von RTL . Am Mittag wurde die Bombe von Sprengstoffexperten binnen 25 Minuten entschärft.

Das sei «nicht einfach» gewesen, sagte Stefan Höreth vom Kampfmittelbeseitigungsräumdienst in einem RTL-Interview. «Die Bombe fällt aus mehreren 1000 Metern runter, und wenn da das Gewinde des Zünders ein wenig gestaucht ist, dann haben wir schon Probleme, den zu entfernen.» Die Bombe habe senkrecht im Boden gestanden. Alte Uferbefestigungen und Basaltsteine hätten die Ausgrabung erschwert. Bei Bauarbeiten war die Bombe am Montagabend am Kennedy-Ufer durch Zufall gefunden worden.

Köln sei an Bombenentschärfungen gewöhnt, sagte eine Sprecherin des Ordnungsamtes. «Die Besonderheit ist für uns diesmal, dass größtenteils Firmen betroffen sind und weniger Anwohner.»

Im Sperrkreis von 500 Metern lagen Wirtschaftsunternehmen, die Oper Köln und der Landschaftsverband Rheinland. Es waren aber nur 15 Anwohner betroffen. Der RTL-Nachrichtensender ntv sendete als Folge der Evakuierung einfach Open Air vom Rheinufer. Auch bei RTL selbst wurde der Sende- und Produktionsbetrieb trotz des Exodus der Mitarbeiter aufrechterhalten. Katja Burkard (54) musste für die Moderation ihres Mittagsjournals «Punkt 12» kurzerhand nach Berlin umziehen. «Alles ganz anders als in Köln», berichtete sie in einem kurzen Video auf Twitter.

Auch der Bahnverkehr wurde beeinträchtigt. Am für den Fern- und Nahverkehr wichtigen Bahnhof Köln Messe/Deutz hielten seit 9.00 Uhr keine Züge mehr. Für die Dauer der Entschärfung musste auch die nahe Hohenzollernbrücke - ein Nadelöhr im Bahnverkehr - gesperrt werden. Insgesamt seien 23 Züge ganz oder teilweise ausgefallen, sagte ein Bahnsprecher. 35 seien umgeleitet worden, und gut 100 Züge hätten eine durchschnittliche Verspätung von 20 Minuten gehabt. Über die Hohenzollernbrücke rollen täglich mehr als 1200 Züge.

Am Sonntag droht in Köln schon die nächste Bombenentschärfung. Dann könnte die Autobahn 3 gesperrt werden und die Evakuierung einer Klinik mit über 450 Betten könnte notwendig werden. Fachleute müssen allerdings zunächst noch feststellen, ob es sich bei dem metallischen Gegenstand in der Erde überhaupt um eine Bombe handelt.

Blindgänger des Zweiten Weltkriegs werden die Kampfmittelräumdienste in NRW noch jahrzehntelang beschäftigen. Etwa die Hälfte der Luftangriffe gegen Nazi-Deutschland konzentrierte sich auf das heutige Nordrhein-Westfalen. Der Grund dafür war die damals überragende industrielle Bedeutung des Ruhrgebiets, aber auch einfach die geografische Nähe westdeutscher Städte zu England. Viele der Bomben zündeten nicht und schlummern deshalb bis heute im Boden. Experten für Kampfmittelräumung gehen davon aus, dass sie bislang nur etwa ein Fünftel bis ein Sechstel dieser Blindgänger entfernt haben.

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