Vergleich mit Umwelthilfe
Kein Dieselfahrverbot in Dortmund

Münster/Dortmund -

Dortmund kommt vorerst wie andere Städte in NRW um ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge herum. Nötig werden aber zahlreiche Maßnahmen, um die Stickstoffdioxid-Werte zu verringern. Davon betroffen ist auch eine zentrale Verkehrsader.

Mittwoch, 22.01.2020, 18:30 Uhr
Fahrverbote sind in Dortmund vom Tisch. In einem Vergleich einigten sich Stadt und Land mit der Deutschen Umwelthilfe.
Fahrverbote sind in Dortmund vom Tisch. In einem Vergleich einigten sich Stadt und Land mit der Deutschen Umwelthilfe. Foto: imago images/Dirk Sattler

Tempo 30 und Fahrverbot für Lkw: Mit strikten Verkehrsbeschränkungen wollen die Stadt Dortmund und das Land erreichen, dass die anhaltend hohen Stickstoffkonzentrationen in der Innenstadtluft sinken. Allerdings werden Diesel-Fahrverbote vorerst vermieden, nachdem sich die Deutsche Umwelthilfe mit der Stadt Dortmund und dem Land auf einen zweistufigen Maßnahmenplan geeinigt haben.

Mit dem am Mittwoch vom Oberverwaltungsgericht in Münster veröffentlichten Vergleich ist die Klage der Umwelthilfe vom Tisch, die wegen der anhaltend über dem Grenzwert liegenden Stickstoffkonzentration im Bereich Brackeler Straße Verbote für ältere Dieselfahrzeuge durchsetzen wollte.

In der Dortmunder Innenstadt müssen sich Kraftfahrer damit auf teils empfindliche Einschränkungen einstellen. So wird bis März auf der B1/A40 ein ganztägiges Durchfahrtverbot für Lkw über 7,5 Tonnen eingeführt. Ein Fünftel der täglich hier fahrenden Lastwagen soll so auf die Autobahnen 1, 2 und 45 verdrängt werden. Auf der Brackeler Straße gilt ab Borsigplatz künftig Tempo 30, zudem soll in Richtung des Platzes eine Umweltspur für Busse, E-Autos und Fahrräder eingerichtet werden. Allen anderen Fahrzeugen steht stadtauswärts nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. Bereits im Februar will die Stadt die neuen Regelungen einrichten und so den Verkehr um 20 Prozent – etwa 4800 Fahrzeuge am Tag – reduzieren. Auch die Ruhrallee soll zwischen Wall und B1 zur Tempo-30-Zone werden. Zusammen mit einer angepassten Ampelsteuerung sollen so täglich etwa 6900 Fahrzeuge (21 Prozent) verdrängt werden. Mehr Nahverkehrsangebote und Elektroautos sowie modernisierte städtische Fahrzeugflotten gehören ebenfalls zum Paket.

Es sei vereinbart, die Effekte für Ausweichstrecken zu überwachen, kündigte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) an. Sie gehe davon aus, dass die Stadt ihr Verkehrskonzept so anpasse, dass es zu einer westdeutschen Großstadt passe. Diesel-Fahrverbote schloss sie aus: „Ich gehe davon aus, dass wir die Grenzwerte einhalten und dann auch keine weiterführenden Maßnahmen mehr benötigen.“

Auch die Deutsche Umwelthilfe reagierte zufrieden. Neben kurzfristigen Maßnahmen sei die Verkehrswende in Dortmund „hin zu weniger Pkw und mehr Bus, Bahn und Fahrrad beschleunigt“ worden, betonte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch in einer Erklärung.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (CDU) versprach, die Stadt werde die Maßnahmen konsequent umsetzen. „Wenn die Werte sich nicht positiv entwickeln, werden wir im Laufe des Jahres nachsteuern.“ Nach den vorläufigen Jahresmittelwerten ist die Stickstoffkonzentration an der Brackeler Straße 2019 von dauerhaften Werten über 50 auf nun 45 Mikrogramm gesunken. Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

Heinen-Esser zeigte sich zuversichtlich. „Wir sind auf einem guten Weg.“ An diesem Donnerstag soll eine Einigung für Bonn verkündet werden. Im Februar wird unter Vermittlung des Oberverwaltungsgerichts über weitere sieben Städte – darunter Bielefeld, Bochum und Paderborn – verhandelt.

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