Neue Ansätze zu Online-Bewertungen
Gaststätten klagen über Fake-Bewertungen

Sich Internet-Bewertungen vor einem Restaurantbesuch durchzulesen, gehört für viele Menschen zum Alltag. Für Gastronomen und Hoteliers ist die Bewertungskultur im Internet allerdings nicht immer ein Segen. Das kommt aus einer Umfrage des DEHOGA Nordrhein-Westfalen (Hotel- und Gaststättenverband) hervor.

Mittwoch, 29.01.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 18:12 Uhr
Neue Ansätze zu Online-Bewertungen: Gaststätten klagen über Fake-Bewertungen
Foto: colourbox.de

„Online-Bewertungen können Fluch und Segen zugleich sein. Sie geben unseren Gästen die Möglichkeit, ihre Einschätzung abzugeben, was eine wichtige Information für den Betrieb sein kann. Allerdings kommt es auch zu ungerechtfertigten Bewertungen bis hin zu Beleidigungen oder Drohungen“, sagt Bernd Niemeier , Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen. Von den rund 550 Befragten Gastronomen und Hoteliers aus Nordrhein-Westfalen geben knapp 78 Prozent an, bereits ungerechtfertigt im Internet bewertet worden zu sein, knapp ein Drittel der Befragten sogar "schon oft".

Ungerechtfertigt sind Online-Bewertungen zum Einen, wenn so genannte „Fake-Gäste“ Bewertungen abgeben, also vermeintliche Gäste, die den Betrieb gar nicht besucht haben. Darüber klagen mehr als zwei Drittel der Befragten. Zum Anderen wird Gastronomen wird mit schlechten Bewertungen gedroht, falls diese keine Vergünstigungen gewähren. Rund die Hälfte gibt an, bereits auf diese Art und Weise bedroht worden zu sein. Die Kritik an der Bewertungskultur im Internet bedeute nicht, dass man konstruktive Kritik nicht grundsätzlich begrüße. „Überall, wo Menschen arbeiten, kann es zu Fehlern kommen. Deshalb ist konstruktive Kritik eine wertvolle Hilfe und kann Anstoß sein, sich und seinen Betrieb zu verbessern“, meint Niemeier. Die Rahmenbedingungen sollten sich jedoch so ändern, dass es schwieriger wird, ungerechtfertigt bewerten zu können.

Gastronomen und Hoterliers fordern neue Regeln

Knapp 74 Prozent der teilnehmenden Gastronomen und Hoteliers wünschen sich, dass Gäste erst dann bewerten dürfen, wenn sie tatsächlich Gast waren. An der praktischen Umsetzung der Forderung arbeite der DEHOGA noch. "Manche Betriebe berichten über Bewertungen, in denen vermeintliche Erfahrungen geschildert werden, die am Ruhetag gemacht wurden. Oder es wird sich auf Speisen bezogen, die gar nicht angeboten werden", erklärt Thorsten Hellwig , Sprecher des Verbandes. Natürlich seien diese offensichtlichen Fake-Bewertungen nur die Spitze des Eisbergs. "Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Aber es wäre zumindest ein Anfang, mit diesen Bewertungen zu beginnen", meint Hellwig.

Ein weiterer Ansatz ist die Verbindung zwischen Besuchen und Bewertungsanfragen. "Buchungsportale für Übernachtungen verlinken Buchungen beispielsweise bereits mit Bewertungsanfragen. So lässt sich gewährleisten, dass die Bewertungen auf tatsächlichen Erfahrungen beruhen. Diesen Ansatz könnte man ausbauen", sagt Hellwig. Darüber hinaus würden annährend 60 Prozent der Befragten begrüßen, ältere oder Bewertungen, die vor einem Betreiberwechsel erfolgten, löschen zu können.

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