Landtag
Lügde-Missbrauch: Vater und AWO-Mitarbeiter in U-Ausschuss

Andreas V. war der Haupttäter beim jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde. Drei Zeugen, die ihm begegnet sind, berichten vor dem Untersuchungsausschuss im NRW-Landtag von ihren Beobachtungen. Wurden frühzeitige Hinweise ernst genug genommen?

Freitag, 31.01.2020, 05:23 Uhr aktualisiert: 31.01.2020, 05:32 Uhr
Ein Hinweisschild zum Campingplatz Eichwald. Hinten sieht man die Rote Hütte des mutmaßlichen Täters.
Ein Hinweisschild zum Campingplatz Eichwald. Hinten sieht man die Rote Hütte des mutmaßlichen Täters. Foto: Guido Kirchner

Düsseldorf (dpa) - Der Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags zum Thema Kindesmissbrauch beginnt am Freitag (10.30 Uhr) mit Zeugenvernehmungen. Das Gremium durchleuchtet seit September 2019, inwieweit Fehleinschätzungen oder Versäumnisse von Regierungsstellen oder Behörden den massenhaften und jahrelangen sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz im lippischen Lügde begünstigt haben. Das Landgericht Detmold hatte im vergangenen Herbst langjährige Freiheitsstrafen und Sicherungsverwahrung gegen die Haupttäter verhängt.

Zwei der geladenen Zeugen sind für die Familienhilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Höxter tätig, wie der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Andreas Kossiski , mitteilte. Die AWO soll demnach auf dem Campingplatz mindestens acht Hausbesuche bei dem Täter gemacht haben, bevor dessen Pflegetochter im November 2018 in Obhut genommen wurde.

Bei dem dritten Zeugen handele es sich um einen Vater zweier kleiner Mädchen, dem der zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Camper Andreas V. zufällig bei einem lokalen Grillfest begegnet sei. Dem Vater sei das Verhalten von Andreas V. gegenüber seinen Töchtern und anderen kleinen Mädchen sonderbar vorgekommen, berichtete Kossiski. Der Vater soll seine Beobachtungen dem Jugendamt und dem Kinderschutzbund des niedersächsischen Landkreises Hameln-Pyrmont sowie der Polizei in Blomberg gemeldet haben.

Ob der Fall Lügde strafrechtliche Folgen für Polizisten und Mitarbeiter von Jugendämtern in NRW und Niedersachsen haben wird, ist noch offen. Vor zwei Wochen hatten eine Kinderschützerin und ein Sozialpsychologe als Sachverständige im Ausschuss das Leid der Opfer sexualisierten Kindesmissbrauchs erläutert.

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