Umwelt
Bahn baut Lärmschutzwände an Güterstrecke im Ruhrgebiet

Seit Jahren kämpfen Anwohner vor Gericht um Lärmschutz an einer Bahnstrecke im Ruhrgebiet. Nun passiert was - allerdings haben die Baumaßnahmen laut Bahn nichts mit der Klage zu tun.

Dienstag, 04.02.2020, 07:07 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 07:22 Uhr

Hamm/Herten (dpa/lnw) - Nach einem jahrelangen juristischen Streit um Bahnlärm an einer Güterstrecke durch das nördliche Ruhrgebiet zeichnet sich für die Anwohner eine akustische Entlastung ab. Im Januar habe der Bau von Schallschutzwänden im Bereich Herten-Westerholt begonnen, bestätigte ein Bahnsprecher der Deutschen Presse-Agentur .

Die ersten Arbeiten sollen im Ende April abgeschlossen sein. Lärmschutz auf weiteren Abschnitten der Strecke von Oberhausen-Osterfeld nach Hamm werde ab Mai gebaut, so der Sprecher. Die Maßnahmen seien aber unabhängig vom laufenden Klageverfahren am Oberlandesgericht (OLG). Das Gericht hatte bei der Jahrespressekonferenz auf die Baumaßnahme hingewiesen und betont, dass nicht klar sei, welche Folgen das für das Verfahren habe.

Beim Start des Berufungsverfahrens am 2. Februar 2016 hatte die Tochtergesellschaft DB Netz noch kategorisch ausgeschlossen, dass im Bereich der Kläger, die in Herten nur wenige Meter entfernt von der seit 1905 betriebenen Strecke wohnen, aktiver Schallschutz möglich sei. Aus Kostengründen sei das nicht machbar, hieß es damals im Gerichtssaal. Der Bund befürchtete bei den Kosten einen Dominoeffekt.

Das Oberlandesgericht hatte sich daraufhin bei einem Ortstermin vor Ort ein Bild gemacht. Ein Gutachter sollte dann die Lärmbelastung für die Anwohner näher beleuchten. Die hatten beklagt, dass der Lärm auch in den Nachtstunden und an den Wochenenden über Jahre weiter angestiegen sei. Die Bahn hatte das bestritten.

Die Bauarbeiten begründet die Bahn jetzt mit einem seit 2019 gültigen neuen freiwilligen Gesamtkonzept Lärmsanierung des Bundes, bei dem sich der Bedarf für zu sanierende Strecken bundesweit von etwa 2800 auf 6500 Kilometer erhöht habe.

Der jahrelange Streit dreht sich um die Frage, wie die Bahn - genau genommen die Tochtergesellschaft DB Netz - mit der Gesundheitsgefährdung durch Lärm von Anwohnern umgeht. In der ersten Instanz hatten die Kläger vom Landgericht Bochum nur passiven Schallschutz zugesprochen bekommen. Demnach muss die Bahn Kosten für Schallschutzfenster und Dämmung übernehmen. Aktive Maßnahmen wie Schallschutz-Wände sah jedoch auch das erstinstanzliche Gericht als unwirtschaftlich an. Die Bahn war dennoch gegen das Urteil in Berufung gegangen, die Kläger schlossen sich an.

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