Stahl
Thyssenkrupp verhandelt mit Investoren über Aufzugssparte

Thyssenkrupp hat das Bewerberfeld für seine profitable Aufzugssparte eingedampft. Jetzt soll nur noch mit zwei Gruppen von Finanzinvestoren verhandelt werden.

Montag, 17.02.2020, 17:09 Uhr aktualisiert: 17.02.2020, 17:22 Uhr
Die Konzernzentrale von ThyssenKrupp.
Die Konzernzentrale von ThyssenKrupp. Foto: Marcel Kusch

Essen (dpa) - Bei dem in Finanznöten steckenden Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp rückt der Verkauf der milliardenschweren Aufzugssparte näher. Die Essener wollen vorrangig mit zwei Gruppen von Finanzinvestoren über einen Mehrheits- oder Komplettverkauf verhandeln. Gesprochen werde mit einem Konsortium aus Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan sowie einem weiteren aus Advent und Cinven, teilte Thyssenkrupp am Montag mit. Angestrebt werde eine kurzfristige Einigung. Konzernchefin Martina Merz hatte zuletzt erklärt, eine Entscheidung solle bis Ende Februar fallen.

Wettbewerber Kone ist damit aus dem Rennen. Die Finnen kündigten am Montag an, sich aus dem Bieterrennen zurückzuziehen. Sie hatten annähernd 17 Milliarden Euro geboten. Thyssenkrupp befürchtete aber offensichtlich Kartellprobleme. Finanzvorstand Johannes Dietsch hatte erst vergangene Woche bei der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal eingeräumt, dass es bei einem strategischen Investor länger dauern werde, bis Thyssenkrupp den Kaufpreis erhalten werde.

Den zunächst ins Auge gefassten Börsengang hat Thyssenkrupp nicht abgesagt. Falls keine Einigung mit einem Bieter erreicht werden könne, stelle ein Börsengang unverändert eine Option dar. Dieser wäre dann ab dem Frühsommer möglich, teilten die Essener mit. Betroffen von einem Verkauf der Aufzugssparte wäre fast jeder dritte der weltweit rund 160 000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp.

Die IG Metall will mit den Interessenten schnell über Sicherheiten für die Beschäftigten sprechen. Die Arbeitnehmervertreter hätten eine sehr gute Vereinbarung mit der Thyssenkrupp AG und dem Elevator Management ausgehandelt, sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, der «Rheinsichen Post» (Dienstag). Diese Regelungen müssten nun zügig in einer tarifvertraglichen Vereinbarung mit dem Käufer festgeschrieben werden. Dabei gehe es insbesondere um Zusagen in Sachen Standorte, Beschäftigte, Investitionen, Forschung und Entwicklung sowie Ausbildung. «Wir wollen eine Einigung noch vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung Ende Februar.»

Der angeschlagene Ruhrgebietskonzern braucht dringend Geld zum Schuldenabbau und zur Finanzierung des geplanten Konzernumbaus. Bei den Verhandlungen mit den Investoren strebe man «eine Wertmaximierung» an, heißt es in der Mitteilung von Thyssenkrupp. Die Angebote lägen «auf einem hohen Bewertungsniveau».

Die Aufzugssparte ist derzeit der einzige nennenswerte Gewinnbringer bei Thyssenkrupp. Schlecht läuft es dagegen beim Stahl, der künftig eine wieder wichtigere Rolle im Konzern spielen soll. In den ersten drei Monaten des am 1. Oktober begonnenen Geschäftsjahres hat Thyssenkrupp einen Nettoverlust von 372 Millionen Euro eingefahren. Damit fiel das Minus höher aus als im gesamten Vorjahr. Dadurch ist die Verschuldung des Konzerns kräftig gestiegen.

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