Chemie
Coronavirus und Wettbewerb: Covestro bleibt unter Druck

Covestro muss einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen. Zwar zeigen sich die Leverkusener bei der Prognose zuversichtlich - doch ein Virus sorgt für Unsicherheit.

Mittwoch, 19.02.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 19.02.2020, 10:13 Uhr
Das Logo der Covestro AG ist auf einer Jacke zu sehen.
Das Logo der Covestro AG ist auf einer Jacke zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa) - Mehr Wettbewerb, träge Autokonjunktur und Coronavirus: Der Kunststoffkonzern Covestro rechnet im laufenden Jahr mit einem weiteren Gewinnrückgang. «Auch 2020 wird für uns herausfordernd bleiben», sagte Konzernchef Markus Steilemann am Mittwoch bei der Bilanzvorlage einer Mitteilung zufolge in Düsseldorf. Jetzt soll noch mehr gespart werden.

Während die Geschäfte mit der Elektro-, der Bau- und der Möbelindustrie 2019 gut liefen, bekamen die Leverkusener die Flaute der Autobranche, die rund ein Fünftel des Konzernumsatzes ausmacht, voll zu spüren. Noch deutlicher wirkten sich allerdings deutlich gestiegene Produktionskapazitäten der Konkurrenz aus - ganz anders als in den Vorjahren, als die Preise etwa für die Schaumstoffvorprodukte MDI und TDI wegen eines begrenzten Angebots recht hoch waren. 2019 standen die Preise deutlich unter Druck.

Das bekam die Polyurethan-Sparte voll zu spüren: Ihr operatives Ergebnis brach um mehr als 60 Prozent ein. Im Geschäft mit harten Kunststoffen der Sparte Polycarbonate sah es nicht viel besser aus.

Insgesamt fiel der Konzernumsatz 2019 um rund 15 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) knickte um die Hälfte auf 1,6 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich verdiente Covestro mit 552 Millionen Euro fast 70 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Dividende soll mit 2,40 Euro je Aktie dennoch stabil bleiben.

Bei den Prognosen setzt das Management auf eine leichte Erholung der Autoindustrie. Allerdings verdeutlicht die Größe der Gewinnspanne auch die Unsicherheiten. So sind beim Ebitda-Ausblick bereits Belastungen von rund 60 Millionen Euro durch die Coronavirus-Epidemie in China enthalten. Covestro betont dabei aber, dass im Ausblick nur die bis Mitte Februar absehbaren Folgen berücksichtigt seien. Alles weitere lasse sich aktuell nicht vorhersehen.

Vor diesem Hintergrund soll nun noch mehr gespart werden. Zusätzlich zu dem im Oktober 2018 gestarteten Programm sollen im laufenden Jahr die Kosten um rund 200 Millionen Euro gedrückt werden. «Im aktuellen Marktumfeld werden wir nur dann erfolgreich sein, wenn wir (...) Projekte priorisieren und Investitionen hinterfragen, um uns die notwendige finanzielle Flexibilität zu bewahren», sagte Finanzchef Thomas Toepfer. Erst im Januar hatte Covestro eine Pause bei einem 1,5 Milliarden Euro teuren Bau einer Großanlage zur Produktion des Schaumstoff-Vorproduktes MDI am US-Standort Baytown angekündigt.

Um die Ziele zu erreichen, fallen unter anderem Stellen in der Verwaltung weg. Zudem wird neben anderen Maßnahmen eine zentrale Marketingorganisation aufgebaut.

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