Fußball
Bayers Tah über Abbruch: «Gesundheit wichtiger als Titel»

Bayer Leverkusen scheint derzeit nicht zu stoppen. In allen drei Wettbewerben feiert die Werkself Sieg um Sieg. Doch auf dem Weg zum ersehnten Titel könnte der Abbruch der Europa-League-Spiele in die Quere kommen.

Freitag, 13.03.2020, 12:41 Uhr aktualisiert: 13.03.2020, 12:52 Uhr
Leverkusens Charles Aránguiz (2.v.r) feiert nach dem zweiten Treffer seiner Mannschaft.
Leverkusens Charles Aránguiz (2.v.r) feiert nach dem zweiten Treffer seiner Mannschaft. Foto: Scott Heppell

Glasgow (dpa) - Der Titel winkt, der Komplett-Abbruch droht: Auf dem Weg zum erlösenden ersten Titel seit 27 Jahren könnte Bayer Leverkusen ein vorzeitiges Ende der Europa League in die Quere kommen. Am Freitag setzte die UEFA den Spielbetrieb in den Europapokalen schon mal vorerst aus.

Doch für Jonathan Tah sind die Prioritäten klar. «Wenn Menschen dadurch geholfen wird, stehen wir voll dahinter», sagte der Nationalspieler nach dem 3:1 (1:0)-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel bei den Glasgow Rangers: «Dann geht es nicht um Titel, sondern um die Gesundheit. Das ist wichtiger. Und das sehen wir glaube ich alle so.»

Torhüter Lukas Hradecky auf jeden Fall. Der freute sich nach dem zwölften Sieg aus den letzten 14 Pflichtspielen, der Bayer endgültig zu einem Titelkandidaten machte, «dass unser Lauf weitergeht». Doch auch ihm ist klar: Wenn die Corona-Pandemie einen Abbruch der Europacup-Wettbewerbe erfordert, geht das vor. «Wenn es so ist, dann ist es eben so», sagte der Finne: «Ich spiele lieber gesund als ungesund. Es ist eine schlimme Situation in der Welt.»

Trainer Peter Bosz hatte am Donnerstagabend schon die Vermutung geäußert, dass die nächsten Spiele ausgesetzt oder verschoben werden. «Ich glaube aber nicht, dass sie den Wettbewerb abbrechen werden», sagte der 56-Jährige.

Grundsätzlich hofft der Niederländer natürlich, «dass es weitergeht. Aber ich entscheide das nicht. Es ist einfach verrückt. Überall auf der Welt werden Spiele abgesagt oder finden ohne Fans statt.» Das, so bekräftigte Bosz noch einmal, verstehe er nicht. «Wir spielen nicht für uns selbst. Wir spielen für die Fans», sagte er: «Ich weiß, dass das nicht jeder hören will, aber das ist meine Meinung.»

Doch auch das müsse man eben akzeptieren, erklärte Tah. «Als Spieler willst Du natürlich, dass die Fans dabei sind», sagte er: «Aber wenn das im Moment die Lösung ist, dann ist es eben so.»

Im wohl vorerst letzten Spiel vor Zuschauern und auch der zumindest auf Zeit letzten Partie im Wettbewerb bekamen die Bayer-Profis Gänsehaut und noch einmal vor Augen geführt, wie sehr die Fans fehlen werden. «Die Stimmung war fantastisch. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen eifersüchtig», sagte Hradecky über die Fans im legendären Ibrox Stadium. «Das nehmen wir jetzt als letztes Spiel mit», sagte Hradecky: «Und am Montag kommt der große Kontrast.»

Im Liga-Spiel bei Werder Bremen wird Bayer erstmals ein Geisterspiel absolvieren. Im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Glasgow am kommenden Donnerstag dann erstmals daheim. Wenn es überhaupt stattfindet. Schon die Konzentration auf das Spiel in Schottland war nicht leicht gefallen. Denn am Mittag hatte es Gerüchte gegeben, dass schon diese Partie kurzfristig noch ausfallen könnte.

«In unserem Kopf geht es immer weiter», sagte Tah: «Man kann ja nicht davon ausgehen, dass es abgebrochen wird, man muss weiter fokussiert bleiben. Das Beste ist sowieso, sich nicht so viel damit zu beschäftigen.» Auf die Frage, ob er denn aktuell noch aufs Handy schaue, meinte der 24-Jährige lachend: «Wenn man Musik hört, geht’s. Wenn man in Medien-Apps schaut, ist alles voll davon.»

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