Der „Blaue Brief“ fällt aus
Lehrerverbände dringen auf einheitliche Linie beim Abitur 2020

Düsseldorf -

Die Unsicherheit ist groß. Vor allem die anstehenden Abiturienten warten gespannt darauf, ob sie ihre Klausuren schreiben können. Noch ist es nicht klar.

Mittwoch, 25.03.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 16:09 Uhr
Ein Schild «Ruhezone Abitur» hängt während der Abiturprüfung in einer Gesamtschule.
Ein Schild «Ruhezone Abitur» hängt während der Abiturprüfung in einer Gesamtschule. Foto: Julian Stratenschulte

Die Corona-Pandemie bringt für Schüler und Lehrer eine Menge durcheinander. Dazu gehören nicht nur das Abitur und die Prüfungen am Ende der zehnten Klasse. Ausfallen wird die übliche Mahnung bei gefährdeter Versetzung: Die Schulen verzichten auf den „Blauen Brief“, der normalerweise im April als Mahnung an die Eltern verschickt wird. Mit dem Unterrichtsausfall sei es unmöglich, die Fallkonferenzen durchzuführen.

Ohnehin sei wegen des Unterrichtsausfalls die Zeit zu kurz, um eine Verschlechterung seit dem Halbjahrszeugnis festzustellen. Das bedeute, „dass bei einer Versetzungsentscheidungen die nicht abgemahnten Minderleistungen nicht berücksichtigt werden“, hieß es aus dem Schulministerium. Diese Regelung gelte aber für höchstens ein Fach.

Abi-Prüfungen sollen stattfinden

Unklar bleibt die Lage vorerst für die angehenden Abiturienten: Schleswig-Holstein erwägt die Absage der Prüfungen - Hessen lässt bereits Klausuren schreiben lässt. Die Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen sollen trotz der derzeitigen Schulschließungen stattfinden. Das erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch in Düsseldorf nach einer Telefonkonferenz mit ihren Amtskollegen der Kultusministerkonferenz. „Nordrhein-Westfalen hat sich dafür ausgesprochen, dass die Abiturprüfungen nach Möglichkeit stattfinden sollen, sofern die weiteren Entwicklungen es zulassen“, teilte das Ministerium mit. Diese Position teilten alle 16 Bundesländer.

Im Vorfeld meinte Sabine Mistler, Landesvorsitzende des Philologen-Verbandes, zur unklaren Entscheidungslage: „Ich hätte mir einen größeren Zusammenhalt der Länder gewünscht.“ Scharf kritisierte sie den Kurs der Kieler Landesregierung: „Das Abitur jetzt auszusetzen, halte ich für verfrüht, das kann nur die Ultima Ratio sein.“

Milder bewertete es ihre Kollegin von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern. Es sei ein denkbarer Weg, wenn alle Länder das Abitur gegenseitig anerkennen. Eine Verschiebung lehnte sie ab: „Dafür gibt es keine Luft, die Sommerferien beginnen in NRW Ende Juni.“ Kulanter zeigte sich Mistler: „Wenn es zu einer Verschiebung der Prüfungen käme, dann sollte die unterrichtsfreie Zeit im Sinne aller nicht davon be-troffen sein.“ Formal dauert das Schuljahr bis 31. Juli.

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