Gesundheit
Rummelplatz ohne Rummel: Schausteller in Existenzangst

Normalerweise drehen sich auf vielen Jahrmärkten jetzt die Karussells, und Mandelduft liegt in der Luft. Doch dieses Mal bleiben die Kirmesplätze leer. Viele Schausteller schauen voller Sorge in die Zukunft.

Donnerstag, 09.04.2020, 06:39 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 18:47 Uhr
Gesundheit: Rummelplatz ohne Rummel: Schausteller in Existenzangst
Der in Münster geplante Frühjarssend wurde wenige Tage zuvor abgesagt. Die Aufbauarbeiten hatten schon begonnen. Foto: Oliver Werner

Köln (dpa/lnw) - Keine Achterbahn, kein Karussell, keine Zuckerwatte: Für die Schausteller in Nordrhein-Westfalen ist dieses Frühjahr ein Totalausfall - Ausgang ungewiss. Normalerweise beginnt um Ostern die Saison, doch wegen der Corona-Krise sind zurzeit sämtliche Volksfeste verboten. «Die Lage ist für viele Betriebe existenzbedrohend», sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände in NRW, Albert Ritter , der Deutschen Presse-Agentur. Auch für Pfingsten und sogar bis in den Sommer hinein seien bereits Veranstaltungen abgesagt.

«Es ist dramatisch», erklärte auch der Vorsitzende der Gemeinschaft Kölner Schausteller, Willi Krameyer . Zwar hätten viele Unternehmen Corona-Soforthilfen beantragt, aber häufig werde das Geld wohl nicht reichen. «Das Problem ist, dass wir direkt aus der Winterpause kommen», so Krameyer. Die Saison ende für die Betriebe spätestens mit den Weihnachtsmärkten, in der folgenden Winterpause würden die angesparten Reserven genutzt - für Instandhaltungen, Neuanschaffungen und Urlaube. «Alle warten dann, dass es im Frühling wieder los geht.» Doch das tut es diesmal nicht.

An diesem Samstag sollte eigentlich das zweiwöchige Kölner Frühlingsvolksfest starten. Doch das findet genauso wenig statt wie die Aachener Osterkirmes. Die Palmkirmes in Recklinghausen fiel ebenso aus wie der Frühjahrs-Send in Münster - was mit dem Sommer-Send im Juli wird, hängt nach Angaben der Stadt von den weiteren Corona-Maßgaben der Politik ab.

Noch ist darüber nicht entschieden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Dienstag gesagt, dass eine Rückkehr in den Alltag nach Ostern nur schrittweise erfolgen könne: «Das, was sicherlich als letztes wieder möglich ist, das ist im Zweifel die Party und das Volksfest.»

Bei den Schaustellern verstärkt dies die Sorge um die Zukunft. «Das Schlimmste ist, dass man keine Perspektive hat», sagte der Vorsitzende des Aachener Schaustellerverbands, Peter Loosen. Sein Kölner Kollege Krameyer befürchtet, dass Spahns Worte auch die Angst unter den Veranstaltern schüren könnten, so dass Volksfeste für den Sommer oder Herbst schon weit im Voraus vorsorglich abgesagt würden. «Das wäre wirklich fatal», sagte Krameyer. Denn vielleicht seien die Corona-Schutzmaßnahmen bis dahin ja verändert worden, so dass eine Absage im Nachhinein unnötig gewesen wäre.

 

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