Prozesse
Kind stirbt durch Stiche: Mordprozess gegen Halbschwester

Sie soll ihren schlafenden kleinen Halbbruder getötet haben. Rund ein halbes Jahr später muss sich die zum Tatzeitpunkt 15-Jährige Halbschwester des Jungen vor Gericht verantworten. Offen ist das Motiv. Laut Jugendstrafrecht drohen ihr maximal zehn Jahre Gefängnis.

Montag, 20.04.2020, 12:42 Uhr aktualisiert: 20.04.2020, 12:52 Uhr
Eine Polizistin steht im Garten eines Mehrfamilienhauses.
Eine Polizistin steht im Garten eines Mehrfamilienhauses. Foto: Guido Kirchner

Detmold (dpa/lnw) - Knapp ein halbes Jahr nach der tödlichen Messerattacke auf einen dreijährigen Jungen in Detmold hat der Mordprozess gegen seine jugendliche Halbschwester begonnen. Die damals 15-Jährige soll im November 2019 laut Anklage ihren Halbbruder mit zahlreichen Messerstichen im Schlaf in der elterlichen Wohnung getötet haben, wie aus der am Montag am Landgericht Detmold verlesenen Anklageschrift hervorgeht. Wegen ihres Alters findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Offen ist bislang das Motiv für die Tat. Das Mädchen hatte sich nach seiner Festnahme als Täterin bezeichnet, aber auf Erinnerungslücken verwiesen. Unter den etwa 20 Zeugen, die das Gericht hören will, ist ein psychiatrischer Gutachter. Er muss sich zum Entwicklungsstand der Jugendlichen und zur Schuldfähigkeit äußern. Das Jugendstrafrecht sieht eine Höchststrafe von zehn Jahren vor, sollte die 15-Jährige wegen Mordes verurteilt werden. Das Gericht hat bis Ende April drei Prozesstage angesetzt.

Vor dem Prozessauftakt äußerte sich der Verteidiger der 15-Jährigen. Seine Mandantin sei nach wie vor eher in sich gekehrt. «Sie hat sich gut an den Ablauf im Gefängnis gewöhnt, geht dort jetzt zur Schule und zeigt gute Leistungen», sagte Anwalt Helmut Wöhler der Deutschen Presse-Agentur. Mit dem psychiatrischen Gutachter habe sie kooperiert. «Sie will ja selber wissen, was genau passiert ist», sagte Wöhler kurz vor der Verhandlung. Das Gutachten - der Inhalt wird im Prozess vorgestellt - habe seine Mandantin auch gelesen und so weit es ging auch verstanden.

Der Fall hatte im November bundesweit Entsetzen ausgelöst. Angehörige hatten am Abend die Leiche des Jungen gefunden und die Polizei alarmiert. Die Eltern waren zum Tatzeitpunkt nicht in der Wohnung. Die Jugendliche war am Folgetag im etwa neun Kilometer entfernten Lemgo festgenommen worden. Ein Zeuge hatte sie bei ihrer Flucht beobachtet und die Polizei gerufen. Als ein Beamter die 15-Jährige festnahm, leistete sie keinen Widerstand und war nach Angaben der Detmolder Staatsanwaltschaft in «ruhiger Verfassung». Sie soll die Nacht zuvor im Freien verbracht und den Weg in die Nachbarstadt zu Fuß auf unbefestigten Wegen zurückgelegt haben.

Laut Obduktionsergebnis soll die 15-Jährige ihren Halbbruder mit 28 Messerstichen getötet haben. Zum Motiv äußerten die Ermittler nach der Tat nur die Vermutung, dass sie wohl eine tiefe Abneigung gegen den 3-Jährigen entwickelt habe.

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