Tiere
Wölfe bei Schermbeck: «Werden sehen, ob es ein Paar ist»

Die in NRW gesichteten Wölfe waren bisher immer Einzelgänger. Vor Ostern wurden aber zwei Tiere dabei gefilmt, wie sie einen Hirsch bedrängten. Sind die Wölfe ein Paar, werden sie Nachwuchs haben? Beim Thema Wolf setzt der Nabu auf Dialog - und Hilfe für Weidetierhalter.

Donnerstag, 30.04.2020, 14:30 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 14:42 Uhr
Ein Wolf sitzt in einem Gehege.
Ein Wolf sitzt in einem Gehege. Foto: Oliver Berg

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nach der Sichtung zweier Wölfe bei Schermbeck fehlen weitere Beweise, ob es sich bei den Tieren um ein Paar handelt. «Wir werden in den nächsten Wochen sehen, ob es zu einer Verpaarung gekommen ist», sagte die Wolfsexpertin des Naturschutzbundes Nabu , Katharina Stenglein , der Deutschen Presse-Agentur.

Wahrscheinlich handele es sich bei dem zweiten, zuvor dort nicht nachgewiesenen Tier um einen Rüden, erklärte Stenglein. Da von dem Tier noch kein genetisches Material vorliege, sei das aber nur eine Annahme. Auch seien Identität und Herkunft des zweiten Tieres noch unbekannt. «Da Wölfe in ihrem Revier außer dem eigenen Rudel keine fremden Artgenossen dulden, ist aber die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um ein männliches Tier handelt, das vom weiblichen Wolf geduldet wird», sagte die Biologin.

In Hünxe, im Wolfsgebiet bei Schermbeck, hatte ein Anwohner vor Ostern gefilmt, wie zwei Wölfe einen Rothirsch verfolgten. Das Landesumweltamt bestätigte, dass die zwei Tiere Wölfe gewesen seien.

Selbst wenn es sich um ein Paar handele, sei Nachwuchs in diesem Jahr unwahrscheinlich, sagte Stenglein. «Von der Beweislage her ist der Rüde zu spät gekommen», sagte sie. Paarungszeit der Wölfe ist im Januar und Februar, die Welpen kommen von Ende April bis Anfang Mai in einer Wurfhöhle zur Welt.

Die Region Schermbeck am nördlichen Rand des Ruhrgebiets ist seit Oktober 2018 als Wolfsgebiet ausgewiesen. Die dort lebende Wölfin hat häufig Schafe und Ziegen von Weiden gerissen. Das Landesumweltamt beobachtet die Lage vor Ort seit einigen Monaten genauer, unter anderem mit mehr Wildkameras und der Suche nach Belegen. Bislang gebe es keinen DNA-Nachweis eines zweiten Wolfs, erklärte das Amt.

In NRW gibt es zwei weitere Wolfsgebiete in der Eifel bei Aachen und der Senne bei Bielefeld. Nachweise für die Anwesenheit der jeweiligen Wölfe fehlen aber seit Monaten. Auch in einem Ende 2019 ausgewiesenen Verdachtsgebiet im Oberbergischen Land gab es zuletzt keine Hinweise. Am 1. Mai beginnt das neue Wolfsmonitoringjahr, in dem der Bestand der Tiere bundesweit erfasst wird.

«Der Wolf kehrt Schritt für Schritt auch nach Nordrhein-Westfalen zurück», erklärte der Nabu am Donnerstag. Wie sich die Wolfspopulation in den nächsten Jahren entwickeln werde, sei schwer vorherzusehen. Es werde wohl weitere Nachweise und Wolfsterritorien in NRW geben. Der Naturschutzbund bemüht sich nach eigenen Angaben um einen Dialog mit verschiedenen Seiten, etwa Nutztierhaltern, Politikern und Jägern. Wichtig sei die Unterstützung der Halter von Schafen und anderen Weidetieren.

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