Gesundheit
Corona-Tests in NRW-Schlachtbranche laufen: SPD hakt nach

Es ist eine Mammutaufgabe: Alle Beschäftigten in der NRW-Schlachthöfen werden auf das Corona-Virus getestet. Branche und Bauern hoffen, dass Coesfeld ein Einzelfall bleibt.

Montag, 11.05.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 15:12 Uhr
Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz.
Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Federico Gambarini

Coesfeld (dpa/lnw) - Nach dem Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb im Coesfeld sind in Nordrhein-Westfalen landesweit angeordnete Virus-Tests in der Fleischbranche angelaufen. Bei Deutschlands größtem Fleischverarbeiter Tönnies arbeitet seit Montagmittag ein Testzentrum auf dem Betriebsgelände in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh), wie ein Unternehmenssprecher sagte. Auch in anderen fleischverarbeitenden Betrieben wird getestet, nachdem in einer Fleischfabrik des Tönnies-Wettbewerbers Westfleisch in Coesfeld das Corona-Virus zahlreiche Mitarbeiter infiziert hatte. Nach Angaben von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ( CDU ) müssen landesweit bis zu 20 000 Mitarbeiter der Branche auf das Virus untersucht werden.

Die Kommunen müssen sich auch einen Überblick über die Unterkünfte der Arbeiter aus den Schlachthöfen verschaffen. Allein der Coesfelder Nachbarkreis Steinfurt geht davon aus, dass es bei ihm mehr als 100 solche Wohnungen gibt, wie eine Sprecherin sagte. In diesen Unterkünften unterschiedlicher Größe lebten aber nicht nur Beschäftigte aus Schlachthöfen, sondern auch aus anderen Betrieben. Insgesamt müssten im Kreis nach jetzigem Stand 2500 bis 3000 Menschen getestet werden.

Die SPD will von Laumann wissen, seit wann die Behörden von den Infektionen unter den Arbeitern in dem Coesfelder Schlachthof gewusst und was sie zur Eindämmung unternommen haben. Sie hat das Thema deshalb auf die Tagesordnung der Sitzung des Arbeits- und Gesundheitsausschusses im Landtag an diesem Mittwoch setzen lassen. «Seit Mitte März sollen die Behörden über erste Infektionsfälle informiert gewesen sein», sagte der arbeitsmarkt- und gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Josef Neumann, am Montag laut einer Mitteilung. Laumann müsse sich fragen lassen, welche Verantwortung er für diese Zustände habe.

Im Kreis Coesfeld trat - anders als im Rest von NRW - am Montag ein Teil der vorgesehenen Lockerungen nicht in Kraft. So mussten Gaststätten oder Fitnessstudios weiter geschlossen bleiben. Bei Schulen und Kindergärten gelten jedoch dieselben schrittweisen Lockerungen wie im Rest des Landes.

Am Sonntag hatten Tests auch in einem Westfleisch-Betrieb in Hamm begonnen. Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) rechnet laut einer Videobotschaft von Sonntag nicht mit Ergebnissen vor Mittwoch. Sollten die Tests auch dort eine höhere Zahl an Infektionen ans Licht bringen, erwartet er auch für seine Stadt eine Rücknahme der bisherigen Lockerungen.

NRW-Schweinemäster befürchten durch die Schließung des Schlachthofes in Coesfeld Absatzprobleme und einen Preisverfall beim Schweinefleisch. Er erwarte von «allen Marktbeteiligten, die Preise nicht weiter zu drücken», sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes Hubertus Beringmeier am Montag in einer Videobotschaft. Die Schlachtbranche müsse die fehlende Kapazität aus Coesfeld ausgleichen. Der Coesfelder Schlachthof wird von rund 1000 Schweinemästern aus der Region beliefert.

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