Kriminalität
Anschlag auf früheren SPD-Abgeordneten: Haft für Angreifer

In seiner eigenen Wohnung wurde der 80 Jahre alte SPD-Politiker Hans Wallow im Dezember attackiert. Das beherzte Eingreifen seiner Freundin verhinderte womöglich Schlimmeres. Jetzt wurde der Täter verurteilt.

Mittwoch, 13.05.2020, 16:27 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 16:42 Uhr
Hans Wallow, ehemaliger SPD-Bundestagabgeordneter, sitzt als Nebenkläger im Landgericht.
Hans Wallow, ehemaliger SPD-Bundestagabgeordneter, sitzt als Nebenkläger im Landgericht. Foto: Oliver Berg

Bonn (dpa/lnw) - Wegen eines Anschlags auf den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Wallow (80) ist ein Informatiker zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Bonn befand den 44-Jährigen am Mittwoch der versuchten gefährlichen Körperverletzung, der zweifachen Körperverletzung, der Bedrohung sowie des Verstoßes gegen das Waffengesetz für schuldig. Zusätzlich muss der Angeklagte der 38-jährigen Freundin von Wallow 2000 Euro Schmerzensgeld bezahlen, weil er sie zweimal in den Arm gebissen hatte.

Der Anschlag ereignete sich am 18. Dezember 2019 in Wallows Bonner Wohnung. Mit einem Gasrevolver zielte der Angreifer, der sich unter einem Vorwand Zutritt verschafft hatte, dabei nach den Feststellungen des Gerichts auf Wallow und drückte zwei Mal ab. Nur durch Zufall löste sich kein Schuss. Das Motiv für die Tat soll Wut auf Politiker gewesen sein. «Endlich erwische ich mal einen von euch Scheiß-Politikern», soll der Angreifer gesagt haben.

Durch den mutigen Einsatz von Wallows Lebensgefährtin, die dem Mann von hinten in den Rücken gesprungen war, kam er zu Fall - und konnte bis zum Eintreffen der Polizei mit vereinten Kräften festgehalten werden.

Dem Antrag von Wallow als Nebenkläger, dass es sich um ein versuchtes Tötungsdelikt gehandelt habe, folgten die Bonner Richter nicht. Der 80-Jährige hatte als Zeuge versichert, dass er das Attentat «als einen Mordversuch empfunden» habe. Wallow befindet sich seit dem Angriff in einer Traumatherapie.

Einem Tötungsvorsatz widerspreche jedoch, dass der Angeklagte Wallow ursprünglich habe erpressen wollen, urteilten die Richter. Dabei ließen sich die Gedankengänge des Mannes nicht «unbedingt als logisch erschließen».

Ein Gutachter hatte dem 44-Jährigen - einem hochintelligenten Einzelgänger - eine schizoide Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Mit der Trennung und Scheidung seiner Eltern in seinem 14. Lebensjahr und Wegzug von Bonn nach München sei er nicht zurecht gekommen. Dennoch, so der Sachverständige, sei er für die Tat voll schuldfähig.

Mit dem Urteil gingen die Bonner Richter über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Die Anklägerin hatte in ihrem Plädoyer ein Jahr und zehn Monate Haft gefordert. Aufgrund der schlechten Sozialprognose des Angeklagten, der für die Tat keine Reue gezeigt und sich auch nicht entschuldigt hatte, sollte diese Strafe aber auch nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Verteidigung hatte eine einjährige Bewährungsstrafe gefordert.

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