Gesundheit
Keine weiteren Westfleisch-Werke betroffen

Bei der Überprüfung von Unterkünften von Werksarbeitern in der Fleischindustrie hat die Bezirksregierung Detmold ein Haus geräumt. Währenddessen Aufatmen bei Westfleisch in Münster: Nach Coesfeld und Oer-Erkenschwick sind keine weiteren Betriebe betroffen.

Donnerstag, 14.05.2020, 21:51 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 22:02 Uhr
„Westfleisch - Fleischcenter Coesfeld" steht auf einem Schild.
„Westfleisch - Fleischcenter Coesfeld" steht auf einem Schild. Foto: Marcel Kusch

Münster/Espelkamp (dpa/lnw) - Weiterhin keine Corona-Infizierten bei Markführer Tönnies - und für weitere Standorte von Westfleisch gibt es Entwarnungen: Auch in den Betrieben in Gelsenkirchen, Lübbecke und Bakum in Niedersachsen wurden keine Beschäftigten positiv auf das Coronavirus getestet. Das teilte das Unternehmen mit Sitz in Münster am Donnerstag mit. Am Vortag hatte die Stadt Hamm darüber informiert, dass es auch am dortigen Westfleisch-Standort keine positiven Testergebnisse gab. Damit sei keiner der rund 2300 Beschäftigen an diesen vier Standorten positiv getestet worden.

«Auch wenn wir diese Ergebnisse erwartet haben, freuen wir uns sehr darüber», sagte Westfleisch-Vorstandsmitglied Carsten Schruck laut Mitteilung. Die genauen Infektionswege in den betroffenen Werken in Coesfeld und Oer-Erkenschwick müssten noch abschließend untersucht werden, hieß es in der Stellungnahme.

Nach Angaben von Westfleisch sind am Standort in Oer-Erkenschwick knapp 40 Beschäftigte betroffen. Beim Werk in Coesfeld im Münsterland hatte der Kreis laut Angaben vom Mittwoch bislang 268 Corona-Nachweise unter den mehr als 1200 Mitarbeitern gezählt. 662 sind nach Angaben des Kreises vom Donnerstagabend nachweislich nicht mit dem Coronavirus infiziert.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte das Werk in der vergangenen Woche geschlossen. Der Kreis Coesfeld musste viele der seit Montag an landesweit geltenden Lockerungen der Corona-Auflagen etwa für Gaststätten und Geschäfte wegen der hohen Infektionszahlen um eine Woche verschieben.

Als Folge der Infektionen in Coesfeld hat die Bezirksregierung Detmold in Espelkamp bei Minden eine Sammelunterkunft für Arbeiter in der Fleischindustrie geschlossen. Die Prüfer hätten gravierende Mängel gefunden, berichtete die Bezirksregierung am Donnerstag. Die Hygienevorschriften aus dem Erlass der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie seien nicht eingehalten worden. Auch lasse der Zustand des Gebäudes einen ausreichenden Infektionsschutz nicht zu, teilte ein Sprecher mit.

Nach zahlreichen Corona-Infektionen bei Werksarbeitern von Westfleisch in Coesfeld hatte die Landesregierung in der vergangenen Woche landesweite Tests und Überprüfungen der Unterkünfte angeordnet.

Angesichts der neuen Debatte um Missstände in der Fleischindustrie will die nordrhein-westfälische SPD-Fraktion eine Bundesratsinitiative für bessere Arbeitsbedingungen der oft ausländischen Beschäftigten starten. Im nächsten Landtagsplenum werde die SPD einen entsprechenden Antrag zur Eindämmung von Werkverträgen in der Leiharbeit stellen, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty am Donnerstag in Düsseldorf. Bisher seien alle Initiativen an der Union in der großen Koalition in Berlin gescheitert.

Die Kernaufgaben in Unternehmen müssten generell von eigenen Beschäftigten erledigt und dürften nicht an Subunternehmer vergeben werden, sagte Kutschaty. In der Fleischbranche sei das aber nicht der Fall. «Zu einer solchen Normalität dürfen wir nach der Corona-Krise nicht zurückkehren», betonte der ehemalige NRW-Justizminister.

Die SPD sei bereit, NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter in Fleischbetrieben zu unterstützen. Nach den zahlreichen Corona-Fällen in einem Coesfelder Schlacht- und Zerlegebetrieb hatte Laumann angekündigt, eine «Politik der Null-Toleranz» gegen Schlachthofbetreiber zu führen.

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