Gesundheit
SPD wirft Landesregierung «chaotische» Lockerung vor

Möbelhäuser offen, aber Kitas und Schulen nur im eingeschränkten Betrieb - die Opposition findet, dass die Landesregierung falsche Prioritäten bei den Corona-Lockerungen setzt. Die SPD hat eigene Öffnungspläne entwickelt.

Donnerstag, 14.05.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 16:52 Uhr
Thomas Kutschaty, Fraktionsvorsitzender der SPD in Nordrhein-Westfalen.
Thomas Kutschaty, Fraktionsvorsitzender der SPD in Nordrhein-Westfalen. Foto: Christophe Gateau

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Opposition im NRW-Landtag hat der schwarz-gelben Landesregierung in der Corona-Krise eine chaotische Lockerungspolitik auf Kosten von Eltern und Kindern vorgeworfen. Die Landesregierung setze bei den Öffnungen falsche Prioritäten und agiere unkoordiniert, kritisierte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty am Donnerstag in Düsseldorf. «Erst der Termin, dann das Konzept - das ist die völlig falsche Reihenfolge», sagte Kutschaty.

Es fehle vor allem ein klarer Plan für Schulen und Kitas, wie bis zu den Sommerferien und auch danach wirklich alle Kinder wieder regelmäßig beschult oder betreut werden könnten. Die Nennung von Terminen sei der Landesregierung bei den Schul- und Kitaöffnungen «wichtiger gewesen als eine geordnete Rückkehr ins Alltagsleben». Das verunsichere die Menschen.

Das vorrangigste Bedürfnis der Bürger in NRW sei zudem nicht, festzustellen, «ob die Grenze nach Luxemburg wieder offen ist oder nicht», sagte Kutschaty. «Die Probleme der Eltern im Schul- und Kitabereich sind auch allemal wichtiger, als sich Gedanken zu machen, wie der Bundesligastart wieder organisiert werden kann.»

Viele Schüler würden nach dem Stufenplan der Landesregierung bis zu den Sommerferien allenfalls noch drei Tage für wenige Stunden in die Schule gehen, sagte Kutschaty. «Da kann man keinen normalen Unterricht gestalten.» Auch nach den Sommerferien gebe es wenig Hoffnung, dass es eine Rückkehr zum klassischen Normalbetrieb geben werde.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kündigte unterdessen an, dass die schulscharfe Erhebung des Unterrichtsausfalls wegen der Corona-Ausnahmesituation bis zu den Sommerferien ausgesetzt werde. «Gegenwärtig sind die Schulen von einem regulären Unterrichtsbetrieb noch weit entfernt», erklärte Gebauer am Donnerstag. Bis zu den Sommerferien sollen die Schulen stattdessen wöchentlich Angaben zur Zahl der Schüler im Präsenzunterricht machen, zur Notbetreuung, zur Zahl der dienstfähigen Lehrkräfte und Einhaltung der Hygienevorschriften.

Die SPD legte einen eigenen Drei-Phasen-Plan für die Rückkehr der Schüler vor. Dieser enthält Vorschläge für den Unterricht bis zu den Sommerferien, für Ferienbetreuungen und den Start ins neue Schuljahr. Damit die Schüler vor den Ferien noch möglichst viel Präsenzunterricht unter Corona-Regeln bekommen können, schlägt die SPD Schichtbetrieb sowie auch außerschulische Lernorte etwa in Umweltstationen, Waldschulen oder Museen vor.

Für den Digitalunterricht zuhause müsse zudem jedes Kind ein digitales Endgerät von der Schule bekommen. Es gebe Schulen, an denen die Kinder sechs Wochen gar nichts von ihren Lehrern gehört hätten, an anderen Schulen wiederum versuchten die Lehrer, Unterricht per Video zu ermöglichen. «Hier fehlt es an Koordination», so Kutschaty.

Da viele Eltern wegen der Notbetreuung ihrer Kinder ihren Urlaub schon jetzt nehmen müssten, fordert die SPD für die Ferien ausreichend Freizeit- und Betreuungsangebote - auch in Schulen. Als Betreuer kämen etwa Referendare in Frage oder Lehrer auf freiwilliger Basis, aber auch Pädagogen und Sozialarbeiter aus außerschulischen Bereichen. Im neuen Schuljahr müssten dann die Lehrpläne entschlackt werden, denn nach dann rund fünf Monaten ohne klassischen Unterricht und wahrscheinlich weiterhin geltenden Einschränkungen werde viel Lernstoff verloren sein.

Bei den Eltern von Kita-Kindern lägen die Nerven blank, sagte Kutschaty. Es seien Betreuungsmodelle für mehr Kinder als derzeit möglich, die auch die Sommerferien abdecken müssten. Bis zum Wiederbeginn des Regelbetriebs solle auf Elternbeiträge verzichtet werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7409140?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F
Nachrichten-Ticker