Schulen
NRW prüft Einsatz von Lehrern: Keine Ausnahmen mehr

Im Turbogang möchte die Landesregierung die Schulen in NRW wieder öffnen. Dazu braucht sie möglichst alle Lehrkräfte. Grundsätzliche Befreiungen vom Präsenzunterricht soll es für keine Gruppe mehr geben.

Freitag, 15.05.2020, 16:55 Uhr aktualisiert: 15.05.2020, 17:02 Uhr
Eine Lehrerindteht in einem leeren Klassenzimmer.
Eine Lehrerindteht in einem leeren Klassenzimmer. Foto: Sebastian Gollnow

Düsseldorf (dpa/lnw) - An den nordrhein-westfälischen Schulen sollen vorerkrankte und ältere Lehrkräfte künftig trotz Corona-Pandemie nicht länger grundsätzlich vom Präsenzunterricht ausgenommen werden. Neue Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sähen keine grundsätzlichen Einsatzbeschränkungen für bestimmte Altersgruppen oder Vorerkrankungen vor, erläuterte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf.

Deshalb solle so schnell wie möglich und auf jeden Fall noch vor den Sommerferien im Konsens mit Betroffenen und ihren Interessenvertretern neu definiert werden, wer für Präsenzunterricht einsetzbar sei. Im Zweifel könne jeder, der sich wegen der Pandemie dazu nicht in der Lage sehe, eine arbeitsmedizinische Begutachtung wählen.

«Ziel der Landesregierung bleibt, dass wir so schnell wie möglich in den Regelbetrieb zurückkehren», bekräftigte Gebauer. Dafür sei die Ausschöpfung aller möglichen personellen Ressourcen Voraussetzung.

Wegen der bisherigen Einsatzbeschränkungen für Pädagogen ab 60 Jahren beziehungsweise mit Vorerkrankungen seien derzeit knapp 30 Prozent der insgesamt rund 200 000 Lehrkräfte nicht im Präsenzunterricht, berichtete die Ministerin. Das Schulministerium hatte kürzlich korrigiert, dass auch sie jedoch verpflichtet seien, an mündlichen Prüfungen teilzunehmen. Danach hatte es Kritik von SPD, Grünen und Lehrergewerkschaften gehagelt. Gerichtliche Verfahren dagegen seien dem Ministerium bislang aber nicht bekannt geworden, sagte Staatssekretär Mathias Richter .

«Wir haben mittlerweile alle Schulen am Netz», bilanzierte Gebauer. Die schrittweisen Öffnungen an den unterschiedlichen Schulformen seien «gut und unaufgeregt vollzogen worden». Die Zahl der Schulen, die wegen akuter Corona-Infektionen wieder ganz oder teilweise geschlossen werden mussten, habe sich durchgängig im einstelligen Bereich bewegt. Zum letzten Stichtag am 11. Mai habe es landesweit nur eine Schließung und eine Teilschließung gegeben. Nirgendwo seien Prüfungen in Mitleidenschaft gezogen worden, sagte Gebauer.

Die Einhaltung der Hygiene-Standards habe sich an den Schulen positiv entwickelt. Über 90 Prozent der Bildungseinrichtungen seien damit inzwischen zufrieden - Ende April seien es erst 76 Prozent gewesen.

Die Zahl der Schüler, die Notbetreuung in Anspruch nehmen, sei in den vergangenen Wochen von ein Prozent auf inzwischen über fünf Prozent der Schüler der Klassen 1 bis 6 gestiegen. An den Grundschulen sei der Anteil der Notbetreuung mit 6,5 Prozent derzeit am höchsten.

Bis Ende 2022 sollen alle Schulen in NRW an ein leistungsstarkes Internet angeschlossen sein. Das Etappenziel bis Ende 2020 sehe vor, zunächst wenigstens 60 Prozent der Schulen an ein schnelles Netz anzuschließen. Im Jahr vor dem Regierungswechsel in NRW habe diese Quote 2016 erst bei 13 Prozent gelegen.

In den vergangenen Wochen war massiv beklagt worden, dass digitaler Unterricht vielerorts kaum möglich sei. Gebauer kündigte an, in Kürze ein Videokonferenzsystem für alle Schulen vorzustellen und die Lehrer verstärkt für digitale Unterrichtsformen zu schulen.

Aus dem 500 Millionen Euro umfassenden Soforthilfepaket des Bundes, das digitale Endgeräte für benachteiligte Kinder bezuschussen soll, seien rund 105 Millionen für NRW zu erwarten, sagte Gebauer. Damit sollen digitale Endgeräte für benachteiligten Kinder bezuschusst werden. Die Geräte sollten jedoch nicht an einzelne Schüler verteilt, sondern als «digitale Klassensätze» nach sozialen Verteilungskriterien an die Schulen gebracht werden, erläuterte Richter.

Derzeit würden auch die Lehrpläne für das kommende Schuljahr überarbeitet, berichtete Gebauer. Dabei sei zu prüfen, wie viel Lehrzeitstoff in den vergangenen Wochen coronabedingt nicht vermittelt werden konnte. Auch, wenn alles daran gesetzt werde, so schnell wie möglich wieder in den Regelbetrieb überzugehen, habe das Ministerium «einen Plan B» für den Fall steigender Infektionszahlen.

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