Gesundheit
Erntehelfer bei Spargelbetrieb protestieren gegen Missstände

Vier bis fünf Erntehelfer auf einem Zimmer und «katastrophale» Hygiene - auch im Spargelanbau gibt es nach einem Medienbericht massive Defizite. Bundes- und Landesregierung fordern dringend Aufklärung und eine konsequente Reaktion.

Freitag, 15.05.2020, 16:25 Uhr aktualisiert: 15.05.2020, 16:32 Uhr
auf einem Feld ernten Helfer den Spargel.
auf einem Feld ernten Helfer den Spargel. Foto: Martin Schutt

Bornheim (dpa/lnw) - Rund 150 Erntehelfer eines Spargelbetriebs im Rhein-Sieg-Kreis haben am Freitag nach einem Medienbericht vorübergehend die Arbeit niedergelegt, um gegen schlechte Bezahlung und aus ihrer Sicht unhaltbare Wohn- und Hygieneverhältnisse zu protestieren. Der Betriebsleiter habe am Morgen die Polizei angerufen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten die Protestaktion beobachtet und beruhigt. Es sei nicht zu Straftaten gekommen. Der Betriebsleiter und die Betreiber des Hofes waren auf Nachfrage nicht zu erreichen.

«Die strengen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen sind Voraussetzung dafür, dass ausländische Saisonarbeitskräfte auch in der Pandemie hier arbeiten dürfen. Die Betriebe müssen diese Auflagen einhalten», unterstrichen die NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser und ihre Bundes-Ministerkollegin Julia Klöckner (beide CDU) in einer gemeinsamen Reaktion auf den Fall. «Wir erwarten von den zuständigen Behörden, die Vorfälle aufzuklären und wo nötig, schnell und konsequent durchzugreifen. Diejenigen, die Bestimmungen zum Schutz aller Beteiligten bewusst ignorieren, um sich einen Vorteil zu verschaffen, dürfen damit keinen Erfolg haben.»

In dem Betrieb sind laut der Internetausgabe des «Bonner Generalanzeigers» 250 bis 300 Erntehelfer in beengten Verhältnissen untergebracht - teils zu viert oder zu fünft auf einem Zimmer. Die Sanitäranlagen seien «katastrophal», die Arbeiter hätten teils nur einen Bruchteil des versprochenen Lohns bekommen, berichtet das Blatt. Ein Foto von dem Hof zeigt mehrere Wohncontainer mit zahlreichen Wohnungen dicht beieinander. Laut dem Bericht war es unklar, ob ausreichend Gesichtsmasken für die Arbeiter vorhanden seien.

Ein Sprecher der Bezirksregierung Köln erklärte, drei Mitarbeiter des Arbeitsschutzes hätten sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Weitere Erkenntnisse aus dieser Überprüfung lagen am Nachmittag aber noch nicht vor. Prekäre Wohnverhältnisse in personalintensiven Betrieben stehen seit dem Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik in Coesfeld besonders im öffentlichen Fokus.

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