Analyse
Schulministerin Gebauer mit Schlingerkurs zum Schulalltag

Düsseldorf -

In den Schulen von NRW läuft derzeit wenig rund. An den weiterführenden Schulen liegt der Fokus auf den Prüflingen. Für die Grundschule sucht Schulministerin Yvonne Gebauer nach dem Masterplan. Von Lehrern, Eltern und Opposition hagelt es Kritik.

Montag, 18.05.2020, 20:30 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 18:09 Uhr
Schulministerin Yvonne Gebauer unterwegs im Landtag: Schrittweise will sie normalen Unterricht ermöglichen.
Schulministerin Yvonne Gebauer unterwegs im Landtag: Schrittweise will sie normalen Unterricht ermöglichen. Foto: Federico Gambarini

Auf ihrer To-do-Liste steht seit Monaten ein Thema: Masterplan Grundschule. Zu hören gab es davon wenig, zu sehen nichts. Dabei dürfte es vorerst bleiben: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer ( FDP ) hat alle Hände voll damit zu tun, den Schulbetrieb nach dem harten Corona-Lockdown wieder ins Rollen zu bringen. Doch in den Schulen in NRW läuft derzeit wenig rund. Grundschüler gehen einmal pro Woche zur Schule. An den weiterführenden Schulen liegt der Fokus auf den Prüflingen dieses und des nächsten Schuljahres. Von Lehrern, Eltern und Opposition hagelt es Kritik.

„Beste Bildung“ – dieses FDP-Wahlversprechen muss Gebauer vorerst einmotten. Die Rückkehr zum G9-Abi­tur war ihre erste Erfolgs­geschichte. Die zweite war der Nachweis, dass man schulscharf den Unterrichtsausfall messen kann. Schon durchwachsen dagegen die Korrekturen bei der Inklusion: Der Erhalt der Förderschulen ist zwar weitgehend gelungen, der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf an ausgesuchten Regelschulen muss sich aber erst ein­ruckeln, leidet zudem an knappen Finanzen. Und die 60 Talentschulen sind gut für die FDP-Bilanz. Abgehängt bleiben aber die vielen Schulen, die digital noch immer völlig unterversorgt sind. Eine Bilanz, die der Ministerin jetzt auf die Füße fällt.

Neustart aller Schüler voreilig verkündet

Dass das Amt als Schulministerinkein reines Gewinnerthema ist und sein kann, gehört gewissermaßen zur Stellenbeschreibung. Dabei ist die 53-jährige Kölnerin auch mit dem Anspruch angetreten, Schulpolitik aus der Sicht der Eltern zu betreiben. Doch der Blick in soziale Netzwerke offenbart wie Gespräche vor den Schultoren, dass die Ministerin mit einem Zickzack-Kurs und unklaren Botschaften gerade Eltern beim Neustart irritiert zurücklässt.

Der begann bei Rückkehr der Abiturienten und Prüflinge, die Gebauer zunächst ohne Differenzierung als freiwillig bezeichnete. Mühsam wurde diese Aussage korrigiert. Den Neustart aller Schüler verkündete sie zu voreilig und wurde vom Ministerpräsidenten öffentlich ausgebremst. Nur die Viertklässler durften vor allen anderen starten. Unruhe löste Gebauer unter Lehrkräften aus, weil sie entgegen früherer Aussagen die Fachlehrer aus Risikogruppen in die mündlichen Prüfungen abordnete. Und zuletzt, weil sie neu bewerten will, welche Gesundheitsrisiken ein Ausschlusskriterium für fast 30 Prozent der Lehrkräfte sind.

Neidvoller Blick nach Bayern

Nachdem das Robert Koch-Institut selbst die Einschätzung der Risiken revidiert hat, ist das folgerichtig. Dennoch wirkt es nach den vielen Korrekturen vorher wie ein erneuter Kurswechsel, als könnte die Ministerin bei der Fahrt auf Sicht nicht weit blicken. Vor den ratlosen Eltern liegt indes eine lange Zeit, in der sie ein Betreuungsproblem bewältigen müssen, weil der Unterricht in NRW nur tageweise und ohne Schichtsystem ablaufen darf. Neidvoll wendet sich der Blick nach Bayern, wo die Schulklassen sich in zwei Gruppen wochenweise im Unterricht abwechseln.

„Möglichst schnell“ wolle sie wieder den Regelbetrieb an den Schulen aufnehmen, betont Gebauer stets. Dazu braucht sie Personal, ebenso ein Konzept samt Lehrplan, das mehr als nur ein paar ­Tage Unterricht ermöglicht. In Corona-Zeiten ist beste Bildung relativ.

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