Kriminalität
Kinderschutzbund-Präsident: Erzieherberuf aufwerten

Dormagen/Viersen (dpa/lnw) - Angesichts der Mordermittlungen in einer Kita in Viersen hat der Präsident des Kinderschutzbundes eine Gesetzesänderung angeregt. «Man sollte eine Weitergabe der Personalakte ermöglichen, wenn eine Erzieherin die Kita wechselt - wie bei den Beamten», sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Arbeitszeugnisse seien ungeeignet für Hinweise, auf die ein künftiger Arbeitgeber achten sollte. Außerdem müsse der Erzieherberuf dringend attraktiver werden, was auch heiße: besser bezahlt. «Die Erzieherinnen arbeiteten über Gebühr hart und sind in Städten wie Düsseldorf und Köln dennoch Hartz-IV-Aufstocker. Mehr Wertschätzung ist längst überfällig», sagte Hilgers.

Freitag, 29.05.2020, 14:55 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 15:02 Uhr
Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds.
Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds. Foto: Markus Scholz

«In jedem freien Arbeitsmarkt hätte ein derartiger Mangel an Arbeitskräften längst zu höheren Löhnen geführt.» Es sei kein Wunder, dass auch schlechte Bewerberinnen eingestellt würden, wenn sich auf viele Stellenausschreibungen überhaupt niemand bewerbe.

Ein kritischer Punkt sei auch, dass die nun unter Mordverdacht stehende Erzieherin in der Vergangenheit trotz eines schlechten Zeugnisses für ihr Berufspraktikum staatlich anerkannte Erzieherin werden konnte. «Die Praxis sollte eine größere Rolle spielen als die Theorie», sagte Hilgers .

Es handele sich bei dem Fall in Viersen allerdings um einen außergewöhnlichen Vorgang. Er könne sich in 40 Jahren Arbeit in diesem Bereich an keinen Fall erinnern, bei dem eine Erzieherin unter Verdacht stand, ein ihr anvertrautes Kind ermordet zu haben.

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