Kriminalität
Polizeipräsident entsetzt über Leid missbrauchter Kinder

Münster (dpa) - Mit drastischen Worten hat Münsters Polizeipräsident Rainer Furth den von seinen Leuten aufgedeckten neuen schweren Kindesmissbrauchsfall geschildert. «Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus», sagte er am Samstag in Münster.

Samstag, 06.06.2020, 15:03 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 15:12 Uhr
Rainer Furth, Polizeipräsident Münster, spricht zur Presse.
Rainer Furth, Polizeipräsident Münster, spricht zur Presse. Foto: Guido Kirchner

Die Ermittler informierten dort in einem mehrere Bundesländer umfassenden Fall über 11 Festnahmen und 7 Haftbefehle wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Furth betonte dabei: «Das gibt nur völlig unzureichend die Dimension dessen wieder, was wirklich geschehen ist - mitten unter uns in unserer Gesellschaft.» So sollen mindestens vier Männer wechselweise einen 5- und einen 10-Jährigen Jungen in einer Gartenlaube in Münster über Stunden schwer sexuell missbraucht und die Taten teils gefilmt haben.

Furth sagte, ihm gehe es um das Leid der Opfer. Er woll sein Entsetzen darüber zum Ausdruck bringen, was geschehen und in nur drei Wochen ermittelt worden sei. Er erinnerte dabei auch an die Polizisten, «die Hunderte von Terabytes auswerten müssen von diesem abscheulichen Dreck». Dies sei nur zu leisten im Bewusstsein: «Ich helfe mit dieser Arbeit Kindern aus dem Elend heraus.»

Furth appellierte, noch aufmerksamer zu werden, um solche Verbrechen früher aufzudecken oder zu verhindern. Dabei nannte er Kitas, Schulen Kinderärzte, Nachbarschaften, Jugendämter, Bewährungshelfer und Gerichte. Viel zu oft kämen die Ermittler nur über IP-Adressen auf die Spur der Täter, viel zu selten über aufmerksame Menschen. Auch im konkreten Fall kamen die Ermittler über eine IP-Adresse auf die Spur des 27-jährigen Hauptverdächtigen aus Münster.

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