Fußball
Radkappe, Torjägerkanone, Fans froh: Guter Tag für Bielefeld

Mit großem Charakter feierten die Profis von Arminia Bielefeld einen Sieg, der zwei Millionen Euro hätte kosten können. Und zeigten erneut, dass sie die Schale als Meister der 2. Liga zurecht erhielten. Und der Kapitän wurde auch noch Torschützenkönig.

Sonntag, 28.06.2020, 19:37 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 11:58 Uhr
Bielefeld-Fans feiern vor dem Stadion die Meisterschaft und den Aufstieg.
Bielefeld-Fans feiern vor dem Stadion die Meisterschaft und den Aufstieg. Foto: Friso Gentsch

Bielefeld (dpa/lnw) - Kapitän Fabian Klos bekam die «Radkappe» für den Zweitliga-Meister und wird bald als erster Zweitliga-Spieler eine Torjäger-Kanone erhalten, vor dem Stadion feierten mehrere Hundert Fans begeistert die Mannschaft: Der letzte Spieltag der souveränen Aufstiegs-Saison war für Arminia Bielefeld noch einmal ein perfekter. Gekrönt von einer herausragenden Charakter-Leistung beim 3:0 (2:0) gegen den 1. FC Heidenheim, der trotz der Niederlage in der Relegation gegen Werder Bremen spielt.

«Die Mannschaft hat mich begeistert und überragenden Charakter bewiesen. Ich bin absolut stolz», sagte Trainer Uwe Neuhaus : «Jetzt werden wir in die Pause und in den Urlaub gehen, und dann werden wir uns mit einer überragenden Atmosphäre zur Vorbereitung auf die Bundesliga treffen.»

Die Konstellation vor dem Spiel war brisant. Denn ein Aufstieg des Hamburger SV statt des Gegners Heidenheim hätte die Arminia rund zwei Millionen Euro Fernsehgeld kosten können. Doch die Arminia ließ von der ersten Sekunde keinen Zweifel daran, dass sie ungeachtet dessen auch im letzten Spiel alles gibt. Neuhaus bot die beste Elf auf und die spielte Heidenheim zwischenzeitlich fast an die Wand. FCH-Coach Frank Schmidt gab nachher zu, dass sein Team mehr Tore hätte kassieren können als die von Fabian Klos (14.), Andreas Voglsammer (17.) und des nach Lens wechselnden Jonathan Clauss (53.).

Dass die zwei Millionen Euro Arminia nun trotz des eigenen Sieges winken, weil der HSV 1:5 gegen Sandhausen verlor, war nur eine von vielen Belohnungen an diesem Tag. 68 Punkte bedeuten für den Rekord-Aufsteiger in die Bundesliga einen Vereinsrekord, die Arminia blieb die gesamte Rückrunde über ungeschlagen. Und vor allem: Klos sicherte sich mit seinem 21. Saisontor den Titel des Torschützenkönigs, der erstmals in der Zweitliga-Geschichte mit einer Torjäger-Kanone des Fachmagazins «Kicker» geehrt wird.

So hat Arminia Bielefeld den Aufstieg gefeiert

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  • So sollte es nicht aussehen: Spieler von Arminia Bielefeld feierten am Sonntagnachmittag in der Innenstadt den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga.

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  • Im leeren Stadion hatten sie zuvor die Meisterschale der 2. Bundesliga entgegengenommen.

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  • Zum achten Mal gelang der Arminia der Aufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus.

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  • Obwohl der Verein die Fans gebeten hatte, nicht zum Stadion zu kommen "und selbstverständlich auch alle anderen öffentlichen Orte und Plätze zu meiden", kam an der SchücoArena eine große Menge zusammen.

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  • Die Mannschaft feierte vom Stadion aus mit den Fans hinter dem Zaun.

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  • Und auch als die Spieler um Kapitän Fabian Klos am Sonntagabend auf dem Weg zu ihrer Party-Location in der Innenstadt stoppten, kamen im Nu Tausende Fans zusammen. Eine Aufstiegsfeier mit Mannschaft und Fans in der Bielefelder City hatte das Stadtoberhaupt eigentlich untersagt. „Das kann ich nicht verantworten und das will ich nicht verantworten“, hatte Oberbürgermeister Pit Clausen im Vorfeld erklärt.

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  • "You'll never walk alone" hieß unterdessen das nicht gerade corona-konforme Motto bei den Feierlichkeiten am Stadion.

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  • Von einem offenen Treppenhaus aus präsentiert Erfolgstrainer Uwe Neuhaus den Fans die Meisterschale.

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  • Die Menge vor dem Stadionzaun jubelt der Mannschaft zu. Noch am Samstag hatte der Verein gewarnt: "Auch wenn es mittlerweile im öffentlichen und privaten Leben erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen gibt, zeigt uns die derzeitige Lage in unserer direkten Nachbarschaft im Kreis Gütersloh deutlich, dass die Gefahr durch COVID-19 noch lange nicht gebannt ist."

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  • "Wir merken jetzt wieder, wie schnell eine neue Entwicklung entstehen kann, von der wir unmittelbar betroffen sein können", hieß es weiter auf der Vereins-Webseite, auf der angekündigt wurde, dass der Erfolg zu einem anderen Zeitpunkt gebührend gefeiert werden sollte.

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  • Die Fans am Stadion hielt diese Warnung nicht auf.

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  • Arminia-Spieler feierten ihren Erfolg mit den Fans. Später ging es für Mannschaft, Mitarbeiter und Sponsoren in drei Lokalitäten in Bielefeld weiter.

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  • Abstand Fehlanzeige: Dicht gedrängt feierten die Fans vor dem Stadion.

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  • Ein Bild mit Symbolwert: Zweitliga-Torschützenkönig Fabian Klos zwischen Desinfektions- und Bierflaschen.

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  • Ähnliche Bilder wie in Bielefeld gab es am Sonntag auch in Stuttgart. Die Fans feierten am Stadion...

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  • ...gemeinsam mit der Mannschaft den Aufstieg in die erste Liga.

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  • Und auch in England kam die Frage auf, wie man einen Fußball-Erfolg während einer Pandemie feiern kann. In der Nacht von Freitag zu Samstag strömten Liverpool-Fans auf die Straßen, um die Meisterschaft ihres Clubs zu feiern. 

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  • Erfolgstrainer Jürgen Klopp mahnte: „Feiert gerne zu Hause mit Bier, aber bleibt zu Hause.“ Die Fans hielten sich nicht daran.

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  • Club, Bürgermeister und Polizei verurteilten in einer gemeinsamen Stellungnahme am Samstag das Verhalten und warnten vor möglichen Folgen. „Unsere Stadt befindet sich immer noch in einer öffentlichen Gesundheitskrise, und dieses Verhalten ist komplett inakzeptabel“, hieß es unter Bezug auf die Feiern.

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  • Wesentlich ruhiger war es da auf den Straßen in München zugegangen als der FC Bayern den Meistertitel erreichte - aber bei den Münchenern war es auch der achte in Folge und nicht der erste seit 30 Jahren. 

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Kurz nach dem Spiel begann ein bis in die Arena hörbares Hupkonzert, dann warteten zahlreiche Fans vor dem Stadion-Tor auf die Mannschaft. Die stieg auf eine Treppe im Inneren des Stadions, zeigte stolz die Meisterschale und sang, angeführt von Torhüter Stefan Ortega, «Aufsteiger DSC».

Die «Radkappe» hatte Ansgar Schwenken, Präsidiumsmitglied der Deutschen Fußball Liga (DFL), um 17.32 Uhr übergeben. In einer 2. Liga wurden die Ostwestfalen zum vierten Mal Meister. Die seit 2009 vergebene Meisterschale erhielten sie aber zum ersten Mal. Die Schale besteht aus poliertem 925er Sterling-Silber, hat einen Durchmesser von 50 Zentimetern und wiegt 8,5 Kilogramm. In der Mitte ist ein 1,2 Kilogramm schwerer Bergkristall eingefasst, von dem ein siebenstrahliger Stern ausgeht. Der Versicherungswert beträgt 30 000 Euro.

 

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