Sommer
Heißester Tag des Jahres in NRW am Freitag

Essen -

Nordrhein-Westfalen gerät ins Schwitzen. So heiß, wie es Freitag werden soll, war es in diesem Jahr noch nicht. Am Samstag sorgen Gewitter für Abkühlung. Starkregen ist nicht ausgeschlossen.

Donnerstag, 30.07.2020, 15:20 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 15:51 Uhr
Die Sonne strahlt durch die roten Blätter eines Rot-Ahorns.
Die Sonne strahlt durch die roten Blätter eines Rot-Ahorns. Foto: Peter Endig

Heiß, heißer, Hitzewarnung: Den bislang heißesten Tag des Jahres in Nordrhein-Westfalen mit bis zu 36 Grad im Raum Aachen erwarten Wetterexperten an diesem Freitag. «Es gibt sehr viel Sonne und kaum ein Wölkchen», sagte Meteorologe Markus Winkler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Donnerstag in Essen. Für die Region westlich der Rheinschiene im Dreieck Aachen-Düren-Mönchengladbach gab der DWD eine amtliche Warnung vor Hitze heraus.

Entsprechend hoch ist die Waldbrandgefahr. Für das südwestliche, waldreiche Drittel des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gilt am Freitag die zweithöchste Warnstufe.

Samstag bis zu 34 Grad

Der bislang heißeste Tag des Jahres in NRW war der 26. Juni. Damals wurden im niederrheinischen Tönisvorst 33,2 Grad gemessen. Die dortige Wetterstation hält gemeinsam mit Duisburg-Baerl auch den am 25. Juli 2019 gemessenen Allzeit-Rekord für Nordrhein-Westfalen von 41,2 Grad.

Heißer Tag, warme Nacht: Für die Ballungsregionen Ruhrgebiet, Düsseldorf, Köln und Aachen rechnet Winkler mit einer «tropischen Nacht»: Das bedeutet, dass die Temperatur in der Nacht auf Samstag nicht unter 20 Grad absinkt.

Hitze-Mythen auf dem Prüfstand: Von Mittagshitze und Zugluft

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  • Hochsommer, Deutschland schwitzt bei Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke. Weil es so heiß ist, gilt es im Alltag vieles zu beachten: Mehr zu trinken zum Beispiel wird empfohlen, und die Blumen besser morgens als nachmittags zu gießen. Manche Weisheit entpuppt sich allerdings als Mythos. Ein Faktencheck.

    Foto: Patrick Seeger
  • Stimmt es eigentlich, dass . . .

    . . . es mittags am heißesten ist?

    Fragt man beim Deutschen Wetterdienst nach der „Mittagshitze“, ist die Antwort klar: „Das ist kein meteorologischer Begriff“, sagt Sprecher Andreas Friedrich. Hitze sei streng genommen alles über 30 Grad, entsprechend könne es mittags auch mal Hitze geben. Die eine „Mittagshitze“ gebe es aber nicht. Die Messstationen registrierten den heißesten Zeitpunkt des Tages in der Regel zwischen 16 und 17 Uhr. Dann hat die Sonne den Boden maximal erwärmt, mit sinkendem Sonnenstand fallen anschließend die Temperaturen wieder. Man könnte also eher von einer „Feierabendhitze“ sprechen.

    Foto: Bodo Marks
  • . . . man abends nicht joggen gehen sollte?

    Jein. Hintergrund für diese gelegentlich ausgesprochene Empfehlung sind hohe Ozonwerte in der Luft. Das farblose, giftige Gas kann die Atemwege reizen, erläutert das Umweltbundesamt. Da die Werte im Sommer meist am Nachmittag am höchsten sind, rät die Behörde zum Beispiel Asthmatikern, zu dieser Tageszeit körperliche Aktivitäten im Freien zu vermeiden. Bei gesunden Menschen hält es Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln so: Wer kann, geht besser schon früh morgens joggen. Und wer das nicht kann, joggt besser am Abend als gar nicht. Nur herumzusitzen sei gefährlicher, sagt er.

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  • . . . Zugluft schädlich ist?

    Wenn Luft über verschwitzte Haut streift, entsteht Verdunstungskälte. Die Körperoberfläche wird also gekühlt. Das ist bei Hitze erst mal angenehm. Allerdings kann sich dadurch die darunterliegende Muskulatur verspannen, erklärt Hans Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Bremen. Mögliche Folgen sind ein steifer Nacken oder auch Kopfschmerzen. Alternativ kühlen feuchte Lappen oder Fußbäder, empfiehlt Sabine Gehrke-Beck, Allgemeinmedizinerin an der Berliner Charité.

    Foto: Erwin Wodicka
  • . . . man beim Blumengießen kein Wasser auf die Blätter gießen soll?

    Es heißt zwar, dass Wassertropfen auf den Pflanzen in der Sonne wie Brenngläser wirken – die Blätter verbrennen also eher, wenn man das Gießwasser über sie gießt. Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin sagt jedoch: „Ich halte den Tipp für übertrieben. Den meisten Pflanzen macht das nichts aus.“ Nur jene mit wolligen und filzigen Blättern wie der Wollziest litten darunter – „sie sind dafür konzipiert, in Trockenheit zu leben.“

    Foto: colourbox
  • . . . Smartphones unter der Hitze leiden?

    Kann sein. Manches Smartphone mag Sonnenstrahlung und Hitze gut überstehen, bei anderen kommt es zu Beeinträchtigungen – zum Beispiel am Akku, der laut dem TÜV Süd schon ab einer Temperatur von 35 Grad Schaden nehmen kann. Das äußert sich in geringerer Leistung, kürzerer Lebensdauer, Kurzschlüssen oder – schlimmstenfalls – durch einen Akkubrand. Auch die Pixel im Display können durch Hitze und direkte Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Die Folgen sind dann zum Beispiel Darstellungsstörungen oder blinde Flecken. Moderne Smartphones schalten sich bei zu großer Hitze auch von selbst ab oder zeigen einen Hinweis an – spätestens dann gehört das Gerät in den Schatten.

    Foto: colourbox

Auch Samstag wird es heiß bei bis zu 34 Grad. Allerdings ziehen von Westen her Wolken auf und es wird schwüler. «Vom Empfinden her wird es ähnlich wie Freitag», sagte Winkler. Schon am Vormittag könne es erste Gewitter geben, die hier und da auch unwetterartig mit Starkregen und Hagel ausfallen können. In der Nacht zum Sonntag kühlt es dann weiter ab. Sonntag werden nur noch bis zu 28 Grad erwartet. Schauer sind möglich. Die Waldbrandgefahr nimmt bis Sonntag deutlich ab.

Deutlich weniger Regen

Die Verbraucherzentrale NRW riet angesichts der zu erwartenden Hitze, Wohnungen und Häuser früh am Morgen lange zu lüften. «Die Abkühlung darf nicht zu kurz ausfallen, denn Wände, Möbel und andere Gegenstände speichern Wärme», hieß es in einer Mitteilung.

Die Stadt Düsseldorf warnte Tierbesitzer, ihre Lieblinge an heißen Tagen im Auto zu lassen - auch nicht für wenige Minuten. «Extreme Temperaturen führen beim Hund sehr schnell zu einem Hitzschlag. Es drohen Erbrechen, Atemnot und Kreislaufversagen. Man darf diese Gefahr einfach nicht unterschätzen», hieß es.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Donnerstag seine Juli-Bilanz. Die Durchschnittstemperatur in NRW lag bei 17,1 Grad und damit nur geringfügig über dem langjährigen Mittel (1961-1990) von 17,0 Grad. Die Sonne schien 190 Stunden lang (Mittelwert: 187 Stunden). Mit 55 Litern fiel allerdings deutlich weniger Regen als in der Referenzperiode (82 Liter).

Auch deutschlandweit regnete es deutlich weniger als früher üblich. Entsprechend niedrig ist etwa der Rheinpegel. Weiterhin könnten aber alle Schiffe auf Deutschlands verkehrsreichster Wasserstraße fahren, hieß es beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein in Köln. 

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