Kosten für Abwasser und Müll
Gebühren-Schere geht weiter auf

Düsseldorf /Münsterland -

Wer in Reken oder in Kaarst wohnt hat Glück - jedenfalls, was die günstigen Kosten für die Müll- und Abwasserentsorgung angeht. Anderorts kann es schon mal 1000 Euro teurer werden.

Dienstag, 04.08.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 20:26 Uhr
Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung schiebt zwei braune Tonnen mit Biomüll zum Müllwagen.
Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung schiebt zwei braune Tonnen mit Biomüll zum Müllwagen. Foto: Patrick Seeger

Bei den Gebühren für Abfall und Abwasser müssen die Bürger in NRW je nach Wohnort tief in die Tasche greifen. Die Unterschiede zwischen den Kommunen sind dabei erheblich, wie die am Dienstag vorgestellte Übersicht des Bundes der Steuerzahler aufzeigt.

Gegenüber dem landesweiten Durchschnitt für einen Vier-Personen-Haushalt von jährlich 726 Euro fürs Abwasser reicht die Spannbreite von 1246,60 Euro im oberbergischen Waldbröl an der Spitze bis 246,50 Euro in Reken am Ende der Skala. Im Münsterland kassieren Tecklenburg mit 799,30 und Hopsten mit 777,30 Euro Spitzensätze. Ähnlich günstig wie in Reken ist das Abwasser in Raesfeld mit 342,50 Euro. Münster liegt mit 514,90 Euro in der Mitte.

Allerdings bleibt die Stadt bei den Abfallgebühren absoluter Spitzenreiter für den Musterhaushalt mit je 120 Litern Rest- und Biomülltonne und zweiwöchiger Abfuhr: 640,80 Euro im Jahr würden fällig. Der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes, Rik Steinheuer , räumte ein, dass die Münsteraner mit Müllvermeidung mehr als die Hälfte – 336 Euro – ein­sparen könnten. Die landesweite Durchschnittsgebühr liegt bei 270 Euro. In Emsdetten werden nur 175 Euro fällig, Gronau liegt mit 296 Euro über dem Mittel. Ibbenbüren verlangt bei vierwöchiger Leerung 130,20 Euro.

Die Spannbreite ist gewaltig. Genau 1000,10 Euro liegen in Nordrhein-Westfalen zwischen den günstigsten Abwassergebühren in Reken mit 246,50 Euro jährlich und Waldbröl mit 1246,60 Euro. Der vom Bund der Steuerzahler für NRW errechnete Mittelwert für einen Vier-Personen-Haushalt sind 726 Euro: Viele der 396 Kom­munen verlangen deutlich mehr, ebenso viele aber weniger hohe Gebühren.

Die Diskrepanz lasse sich nicht allein mit landschaft­lichen Unterschieden zwischen bergiger Region und Flachland erklären, betonte Rik Steinheuer, Landesvorsitzender des Bundes der Steuerzahler, am Dienstag in Düsseldorf. Indem viele Kommunen nicht die günstigeren Anschaffungskosten beim Verlegen von Ab­wasserleitungen einsetzten, sondern den höheren Wieder­beschaffungswert, werde die Gebührenschraube angezogen statt ge­lockert. Denn über die Abschreibung werde der gesetzlich vorge­sehene, aber realitätsferne Durchschnittszins aus 50 Jahren für die Investition eingesetzt – derzeit 6,06 Prozent.

Steinheuer kritisierte: „Im Endeffekt bezahlen die Gebührenzahler das Kanalnetz gleich zweimal.“ Der Steuerzahlerbund empfiehlt, Widerspruch gegen die Bescheide einzulegen. Von der Landesregierung forderte er, wie in Brandenburg die günstigeren Anschaffungskosten gesetzlich als Basis festzuschreiben.

Fast 500 Euro Unterschied liegen zwischen dem günstigsten Wohnort Kaarst (146,20) und Spitzenreiter Münster (640,80). Zwar könnten Bürger Kosten über Müllvermeidung senken, oft werde aber eine für die Verbraucher ungünstige Mindestmenge beim Restmüll als Grund­lage fest­gelegt, die zu überdimensionierten Tonnen führe. Auch gegen diese Mindestmenge lohne sich Einspruch.

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