Musik
Großkonzert: Entscheidung spätestens vier Tage vorher

Der Streit um ein Großkonzert in Düsseldorf in Corona-Zeiten ist beigelegt. Stadt und Land haben einen Kompromiss gefunden. Die endgültige Entscheidung fällt aber auf den letzten Drücker. Wäre das Konzert diese Woche angesetzt, würde es wohl nicht stattfinden.

Donnerstag, 13.08.2020, 17:11 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 17:22 Uhr
Marek Lieberberg, Konzertveranstalter, spricht auf einer Kundgebung der Veranstaltungsbranche.
Marek Lieberberg, Konzertveranstalter, spricht auf einer Kundgebung der Veranstaltungsbranche. Foto: Andreas Arnold

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ob das umstrittene Großkonzert in Düsseldorf stattfinden darf, entscheidet sich spätestens am 31. August - vier Tage vor dem eigentlichen Termin. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Stadt Düsseldorf und die Landesregierung, wie am Donnerstag aus einer gemeinsamen Mitteilung mit dem Veranstalter hervorging. Entscheidend soll dann das aktuelle Corona-Infektionsgeschehen sein.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gegenüber der Deutschen Presse-Agentur wurde keine Festlegung auf einen Schwellenwert an Infektionen getroffen, ab dem das Konzert nicht stattfinden darf. Bleibt die Situation, wie sie jetzt ist, sähe es wohl eher schlecht für das Event aus. So sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ( CDU ) laut Mitteilung vom Donnerstag: «Nordrhein-Westfalen liegt heute bei einer Inzidenz von 13,7. Im Vergleich mit anderen Landeshauptstädten liegt die Landeshauptstadt Düsseldorf mit einer Inzidenz von 18,7 auf dem zweiten Platz bei den Infektionen. Solange sich Inzidenz und Infektionsgeschehen auf hohem Niveau bewegen, wird eine Musikveranstaltung in dieser Größenordnung nicht stattfinden können.» Die wichtige Kennziffer umfasst die Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen je 100 000 Einwohner.

Die «konstruktiven Gespräche der letzten Tage» und die «Anerkennung des gewissenhaften Konzepts für den Bereich der Arena» hätten aber dazu geführt, dass noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden sei. Experten des Ministeriums hatten zuvor das von Konzertveranstalter Marek Lieberberg und der städtischen Veranstaltungstochter D.Live entwickelte Hygienekonzept fachlich geprüft. Es sei trotz einiger Fragen «fachlich durchdacht».

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erklärte, er sei «froh, dass das Ministerium die gewissenhafte Arbeit des Düsseldorfer Gesundheitsamtes anerkennt, so wie es die Landeshauptstadt mit den Bedenken des Ministers getan hat.»

Konzertveranstalter Lieberberg sagte: «Das ist eine konstruktive, richtungsweisende Übereinkunft, die der Kultur eine Chance gibt und dabei die konkrete Infektionsentwicklung berücksichtigt. Damit können Künstler, Fans und Veranstalter leben.» Der Vorverkauf läuft laut Lieberbergs Firma weiter. Im Fall einer Absage werde den Besuchern das Eintrittsentgelt einschließlich der Vorverkaufsgebühr zurückerstattet.

Angesetzt ist das Großkonzert mit bis zu 13 000 Zuschauern am 4. September im Fußballstadion Merkur Spiel-Arena. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte offiziell erst vergangenen Freitag von den bereits von der Stadt abgesegneten Plänen erfahren, als der Veranstalter das Konzert per Pressemitteilung öffentlich machte. Gesundheitsminister Laumann hatte umgehend rechtliche Zweifel angemeldet.

Zudem war die Regierung ernsthaft verstimmt. «Dass ein lokales Gesundheitsamt in dieser Lage eine Veranstaltung dieser Größenordnung im Alleingang genehmigt, hat mich als Gesundheitsminister nachhaltig irritiert», hatte Laumann erklärt. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) verwies darauf, dass das Hygienekonzept der Coronaschutz-Verordnung des Landes entspreche. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte Geisel indirekt Profilierungsversuche vorgeworfen. Wenige Tage nach dem geplanten Konzert sind am 13. September in NRW Kommunalwahlen - auch in Düsseldorf steht dann die Oberbürgermeister-Wahl an.

Veranstalter Lieberberg («Rock am Ring») hatte das Konzert «Give Live A Chance» getauft. «Wir machen die Tür auf für die Renaissance der Live-Musik, der wir mit diesem Konzert endlich die verdiente Chance zum Neustart geben», hatte er vergangene Woche erklärt. Sarah Connor und Rea Garvey hatten bei Facebook auf die desolate wirtschaftliche Lage der Beschäftigten in der Konzertbranche hingewiesen.

Bei dem Konzert sollen den Planungen zufolge neben Bryan Adams und Sarah Connor auch Rea Garvey, The BossHoss sowie Joris auftreten. Comedian Michael Mittermeier führt durch das Programm. Vieles soll «unplugged» gespielt werden, Umbaupausen gebe es keine.

Im Stadion selbst soll es Sitzplätze in den Rängen und im Innenraum geben. Gruppen dürfen bis zu vier zusammenhängende Plätze buchen - zu den nächsten gilt Mindestabstand. Die Imbissstände sind geschlossen, damit sich dort keine Schlangen bilden. Getränke oder Snacks werden von «Läufern» an den Plätzen serviert. Das städtische Gesundheitsamt hatte das Konzept als zuständige Behörde genehmigt. Die Fußball-Arena wird von der städtischen Veranstaltungstochter D.Live betrieben.

Am Donnerstag wurde unterdessen bekannt, dass für das Konzert auch die Commerzbank-Arena in Frankfurt angefragt worden war. Arena-Geschäftsführer Patrik Meyer sagte «Bild.de»: «Es stimmt, dass das Konzert in Frankfurt stattfinden sollte. Wir als Stadion-GmbH hätten es auch gerne gemacht. Das Gesundheitsamt fand das Hygienekonzept gut, aber das Gesundheitsdezernat der Stadt hat das Konzert abgesagt. Das Dezernat verwies auf das allgemeine Veranstaltungsverbot.»

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