Schulen
Grundschulverband: Handschrift und Tippen lehren

Tastatur oder Stift und Papier? Schreibschrift oder Druckbuchstaben? Die AfD-Fraktion im Landtag fordert, dass Diktate und Noten für Schönschrift in Schulen wieder die Regel werden. Experten sehen das differenzierter.

Mittwoch, 19.08.2020, 08:23 Uhr aktualisiert: 19.08.2020, 08:32 Uhr
In einer Schule schreibt ein Mädchen im Unterricht das Wort «Schule» in ihr Heft.
In einer Schule schreibt ein Mädchen im Unterricht das Wort «Schule» in ihr Heft. Foto: Patrick Pleul

Düsseldorf (dpa/lnw) - Kinder sollen nach Ansicht von Experten sowohl das Schreiben mit der Hand als auch das Tippen auf der Computertastatur lernen. Das gehöre zu einem zeitgemäßen Unterricht dazu, schreibt der Grundschulverband NRW in einer Stellungnahme für den Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags an diesem Mittwoch. Auch andere Experten machen sich für ein ausgewogenes Nebeneinander von Handschrift und Schreiben auf digitalen Geräten stark.

Die Landtagsfraktion der AfD hatte die Anhörung beantragt. Sie fordert, dass die Hand- und insbesondere die Schreibschrift mit fortschreitender Digitalisierung wieder eine zentralere Bedeutung bekommen soll.

Unter Verweis auf erste Studien gibt ein Experte des Mercator Instituts für Sprachförderung in einer Stellungnahme an, dass Kinder in einer frühen Lernphase handgeschriebene Buchstaben besser verarbeiten könnten. In der späteren Entwicklung sei die Handschrift dem digitalen Schreiben aber nicht überlegen.

Der Grundschulverband warb für sein Konzept der schnörkellosen «Grundschrift», die Kinder am Besten lernen könnten. «Eine handgeschriebene Druckschrift eignet sich aufgrund ihres Lebensweltbezugs und der einfacheren und klareren Buchstabenformen besser zum Schreibenlernen.» Die verschnörkelte Schreibschrift sei ursprünglich für das Schreiben mit Tinte und Feder entwickelt worden. Auch wegen des höheren Schreibtempos und der größeren Schreibmengen sei die Schreibschrift nicht mehr zeitgemäß.

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) wendet sich gegen den AfD-Vorschlag für «Schönschreibunterricht» und Rückkehr zur Schreibschrift ab der 1. Klasse. Kinder sollten auch beim Schreiben die Buchstaben verwenden, die ihnen im Alltag beim Lesen begegnen. Um Defizite beim Schreiben aufzufangen, brauche es mehr Lehrer statt anderer Methoden.

Die Digitalisierung dürfe die Handschrift nicht vollkommen verdrängen - Stift und Papier sollten die bevorzugten Schreibmittel bleiben, so der VBE in seiner Stellungnahme für den Landtag. Das übergeordnete Ziel sei letztlich die Förderung der Feinmotorik, die zusätzlich beim Basteln, Malen und Musizieren ausgebildet werden kann.

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