Prozesse
Duisburger bestreitet Zwangsprostitution einer Schülerin

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein Duisburger hat bestritten, eine 19-jährige Schülerin zur Prostitution gezwungen zu haben. Der 37-Jährige muss sich seit Freitag vor dem Landgericht Düsseldorf wegen Zwangsprostitution verantworten. Er soll die Schülerin im Herbst 2017 mit massivem Druck zur Prostitution gezwungen haben. Das mutmaßliche Opfer hatte sich laut Anklage zunächst in Bochum und dann in einem Düsseldorfer Großbordell prostituiert.

Freitag, 04.09.2020, 15:47 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 16:02 Uhr
Eine Statue der Justitia steht neben Aktenbergen.
Eine Statue der Justitia steht neben Aktenbergen. Foto: Volker Hartmann

«Ich habe von ihrem Geld gelebt», räumte der Angeklagte beim Prozessauftakt ein, bestritt aber, die 19-Jährige zur Prostitution und zum Schulabbruch gezwungen zu haben. «Wir hatten damals eine Beziehung und und eine gemeinsame Wohnung genommen», erzählte er. Abgesprochen sei gewesen, dass er die Kosten für die Renovierung übernehme und sie die Miete.

Die Schülerin habe sich freiwillig prostituiert. «Das hat sie vorher schon gemacht. Ich habe sie nicht gezwungen und ich war nie gewalttätig», behauptete der Angeklagte.

Das hatte die Schülerin bei ihrer Strafanzeige im März 2019 anders geschildert. Innerhalb von fast zwei Jahren soll die junge Frau knapp 80 000 Euro eingenommen und das Geld nahezu komplett an den 37-jährigen Duisburger abgegeben haben.

Als sich die heute 22-Jährige im Februar 2019 von ihrem Peiniger trennen wollte, soll der Angeklagte von ihr eine Abstandszahlung von 40 000 Euro gefordert haben. Außerdem soll er der jungen Frau angedroht haben, intime Fotos und Videos von ihr publik zu machen und ihren Eltern von ihrem «Job» zu erzählen.

«Das mit den 40 000 Euro stimmt nicht», bestritt der 37-Jährige. Aber, «dass ich ihr da gedroht und die Eltern mit reingezogen habe, tut mir leid». Aus Angst soll sich die junge Frau zunächst weiter prostituiert haben. Einige Wochen später aber ging sie im März 2019 zur Polizei.

Dass er sie kurz zuvor am Telefon erneut massiv unter Druck gesetzt und für jeden Freitag die Zahlung von 1000 Euro gefordert haben soll, bestritt der Angeklagte ebenfalls. Doch die Schülerin hatte das Telefonat damals heimlich aufgezeichnet und den Ermittlern den Mitschnitt gegeben.

Inzwischen sei er mit einer anderen Frau zusammen, sagte der Angeklagte: «Wir sind nach islamischen Recht verheiratet und sie ist im siebten Monat schwanger.»

Auch die inzwischen 22-Jährige soll im Prozess aussagen. Für den Prozess sind bis Oktober noch fünf weitere Verhandlungstage angesetzt. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe.

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