Biografie über Armin Laschet
Auf Umwegen zur Macht?

Düsseldorf -

Nahbar, Brückenbauer, Grünen-Versteher, aber auch schludrig und chaotisch - die erste Biografie über Armin Laschet zeichnet ein ambivalentes Bild des Bewerbers um den CDU-Bundesvorsitz. Am Ende müssen die Leser entscheiden: Kann Laschet auch Kanzler?

Freitag, 18.09.2020, 19:26 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 20:21 Uhr
Armin Laschet ist auf dem Cover des Buches «Der Machtmenschliche» zu sehen.
Armin Laschet ist auf dem Cover des Buches «Der Machtmenschliche» zu sehen. Foto: Klartext Verlag

hr als vier Jahrzehnte ist es her, dass der damals 15-jährige Armin Laschet allen Anwerbeversuchen eines Aachener CDU-Vertreters widersteht. Diskutieren ja, eintreten nein. 1976 war das. 44 Jahre danach schickt ausgerechnet er sich an, neuer Bundesvorsitzender der CDU zu werden. Halb zog es ihn, halb sank er hin: An die Partei näherte er sich an, ist dann erst mit 18 eingetreten, weil die Nachfragen lästig wurden. Damit begann eine bewegte politische Laufbahn, die eine an diesem Freitag erschienene Biografie des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten nachzeichnet.

„Der Machtmenschliche“ heißt das 360 Seiten starke Werk, in dem die beiden Düsseldorfer Korrespondenten Tobias Blasius ( Funke Mediengruppe ) und Moritz Küpper (Deutschlandfunk) detailreich den persönlichen, inhaltlichen und politischen Weg Armin Laschets nachzeichnen und analysieren.
Die Veröffentlichung wenige Monate vor dem entscheidenden CDU-Parteitag eröffnet nicht nur den über Laschets Eigenarten rätselnden Berliner Politikbeobachtern einen tiefen Einblick, welche Entscheidungen, Erlebnisse, Personen und Netzwerke das Denken und Handeln des heute 59-Jährigen geprägt haben.

Seine schon in Jugendjahren ausgelebte Lust am Diskurs, die Neugier auf andere Positionen, seine katholische Prägung formen nicht nur Laschets Überzeugungen, sie führen den umtriebigen Rheinländer an viele unterschiedliche berufliche Stationen. Vom Jura-Studium über die journalistische Laufbahn beim Privatradio und der Aachener Bistumszeitung bis zu seinen politischen Stationen als Redenschreiber für Rita Süssmuth, als Ratsvertreter, Parteipolitiker, Bundestags- und Europaabgeordneter und den Umwegen des „ewigen Zweiten“ in die Düsseldorfer Staatskanzlei fächert die Biografie ein unruhiges Politikerleben auf.

Sie lässt den Leser die angeregten Keller-Runden der Pizza-Connection von jungen Grünen- und CDU-Abgeordneten im 1995er Bonn erleben. Eine Gruppe nach Laschets Geschmack, wo er neue Einsichten gewinnen kann.

Längst nicht nur Schmeichelhaftes und Glanzvolles transportiert das Buch. Laschets wenig ausgeprägte Freude am handwerklichen Detail wird genauso thematisiert wie die ihm immer wieder nachgesagte „Schludrigkeit“. Dass der Aachener aufbrausend und impulsiv sein kann, dass ihm andererseits die Hartleibigkeit fehlt, um Konflikte harsch auszutragen, gehört auch zum Bild. Das lassen die Autoren aus Gesprächen mit mehr als 60 Wegbegleitern entstehen, in denen unterhaltsame Anekdoten auftauchen, die am Ende aber einen Menschen beschreiben, der sich nicht verbiegt.

Die familiäre Geschichte nimmt einen wesentlichen Teil in der Biografie ein. Sie tischt die überraschende Nachricht auf, dass die Laschets nach langer Ahnenforschung überzeugt sind, von Karl dem Großen abzustammen. Eine goldene Statue des Frankenkönigs findet sich im Büro des Ministerpräsidenten. Der Weg ins Kanzleramt ist aus Sicht der Autoren zwar damit nicht vorgezeichnet. Aber sie beschreiben einen Politiker, dem das zuzutrauen ist – auf seine Weise.

Tobias Blasius und Moritz Küpper: Der Machtmenschliche, 360 Seiten, Klartext-Verlag, 25 Euro

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