Infektionsherd Hochzeit?
Hamm meldet „zweite Corona-Welle“

Drastische Einschränkungen sind in Hamm befürchtet worden. Die Corona-Werte sind die höchsten in NRW. Doch die Stadt will die totale Notbremse verhindern. Wie auch in Gelsenkirchen setzt man bei privaten Veranstaltungen an.

Montag, 21.09.2020, 18:07 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 07:11 Uhr
Thomas Hunsteger-Petermann spricht.
Thomas Hunsteger-Petermann spricht. Foto: Fabian Strauch

Hamms Oberbürgermeister ist stocksauer: „Jetzt ist die zweite Welle in voller Härte über uns hinweggerollt“, schimpft Thomas Hunsteger-Petermann . „Ich habe überhaupt kein Verständnis für ein so unverantwortliches Verhalten.“ Der Grund für seinen Ärger: In Hamm ist die Sieben-Tages-Inzidenz auf 70,9 und damit deutlich über den Grenzwert von 50 gestiegen.

Hunsteger-Petermann sagte am Montag vor Journalisten, dass sich das auf eine Hochzeit vor drei Wochen in Hamm, Dortmund und Werl zurückführen lasse. Bisher seien 236 Hochzeitsgäste bekannt, Hunsteger-Petermann geht aber davon aus, das es zwischen 500 und 600 waren. Erlaubt sind bei privaten Feiern 150 Personen.

Einschnitte in Hamm und Gelsenkirchen

In Hamm waren Montag 136 akut Infizierte bekannt, davon haben sich 86 während der Hochzeit angesteckt. Die Hilfsbereitschaft der Feiernden sei durchaus überschaubar gewesen: „Wir haben Zweifel, ob die Listen stimmen oder ob sie nachträglich ausgefüllt worden sind“, sagt der OB. Es seien aber nur Verwandte betroffen.

In Dortmund, wo das Hauptfest der Hochzeitsfeier stattgefunden haben soll, habe die Stadt bereits Bußgelder für den Veranstalter angekündigt. Der OB betonte, dass Veranstalter – in der Regel die Betreiber von Gaststätten – in solchen Fällen mit Bußgeldern ab (und nicht bis) 2000 Euro rechnen müssen.

Auch Gelsenkirchen reagiert auf seine steigenden Zahlen. Dort dürfen an privaten Feiern in gewerblichen Räumen künftig nur noch höchstens 50 Personen teilnehmen. Gelsenkirchen meldete am Montagmorgen einen Wert von 44,1.

Schulen bleiben geöffnet

Sobald die Zahl der Neuinfektionen in einer Kommune auf mehr als 35 je 100.000 Einwohner steigt, springt die „Corona-Ampel“ auf Gelb. Dann müssen die örtlichen Gesundheitsbehörden mit dem Landeszentrum Gesundheit konkrete Gegenmaßnahmen abstimmen. „Die können sehr individuell sein und hängen von den Ursachen sowie der Lage vor Ort ab“, erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf. Das Ministerium werde zwar informiert, trete selbst aber erst ab einem Wert über 50 in Aktion.

In Hamm müssen ab diesem Dienstag alle Veranstaltungen mit mehr als 25 Personen bei der Stadt angezeigt werden. Ebenfalls an diesem Dienstag werde geprüft, ob die Regeln weiter verschärft würden. Ausfallen werde der geplante verkaufsoffene Sonntag in der kommenden Woche sowie das „Genussfest“. Zuschauerzahlen bei Sportveranstaltungen würden auf 150 begrenzt.

Schulen, Kindergärten und Gastronomie sollen dagegen nicht geschlossen werden. Auch das Kulturleben solle weiter stattfinden.

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