Sanierung
Flughafen Paderborn-Lippstadt stellt Insolvenzantrag

Büren -

Wirklich überraschend kam die Nachricht am Dienstag nicht. Dafür brodelt es am Bürener Flughafen Paderborn-Lippstadt, dem kleinsten der drei westfälischen Airports, schon zu lange. Am Mittag schuf Geschäftsführer Marc Czesanne Fakten, indem er beim Amtsgericht Paderborn den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Ei­gen­regie stellte. 

Dienstag, 22.09.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 17:19 Uhr
Sanierung: Flughafen Paderborn-Lippstadt stellt Insolvenzantrag
2019 zählte der Airport Paderborn-Lippstadt noch fast 700.000 Fluggäste. Foto: dpa (Archiv)

Der Flughafen, den in guten Jahren bis zu einer Million Fluggäste pro Jahr nutzten, ist infolge der Corona-Krise ins Trudeln geraten. „Tatsächlich liegen die aktuellen Passagierzahlen um 85 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraumes“, erklärte Czesanne . Und es werde noch geraume Zeit dauern, bis sie „wieder an­nähernd Vorkrisen-Niveau erreichen“. Die Verluste beliefen sich zuletzt auf rund 700 000 Euro pro Monat.

Job-Kahlschlag und harte Schrumpfkur

Mithilfe eines kernigen ­Sanierungskonzeptes hoffen Airport und Gesellschafter, den Flughafen wieder auf wirtschaftlich sicherere Füße zu stellen. Dazu gehören ein drastischer Stellenabbau, der noch nicht im Detail beziffert ist, sowie die Reduzierung der Fluggastzahlen auf jährlich 300 000. Der Airport soll jedoch den Status eines Verkehrsflughafens mit Flugsicherung behalten und weiterhin 24 Stunden am Tag in Betrieb sein. „Angesichts der geringeren Flugbewegungen ist es jedoch kaufmännisch nicht vertretbar, die Kapazitäten für die Flugabfertigung im bisherigen Umfang vorzuhalten“, erklärte Czesanne weiter.

Schon vor der Pandemie hatten die Erlöse des Flug­hafens nicht ausgereicht, um die Betriebs- und Investiti­onskosten zu decken. Das war insofern ein großes Problem, weil das euro­päische Beihilferecht den Gesellschaftern untersagt, den so entstehenden Liquiditätsverlust auszugleichen. Der Flughafen blutete somit finanziell aus.

Konsens zwischen allen Beteiligten ist darum, dass die Flughafengesellschaft in Zukunft nur bestehen kann, wenn die Kostenstrukturen an die zu erwartenden Erlöse angepasst werden. Bereits am Montag hatte sich der Kreis Paderborn als Hauptgesellschafter für das Insolvenzverfahren ausgesprochen.

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