Untersuchungshaft
Arzt soll Patientinnen in Klinik vergewaltigt haben

Bielefeld -

Das Amtsgericht Bielefeld hat am Dienstag Haftbefehl gegen einen Krankenhausarzt erlassen. Der Mediziner soll an seinem Arbeitsplatz in der Klinik mehrere Patientinnen vergewaltigt und diese Taten gefilmt haben.

Mittwoch, 23.09.2020, 11:20 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 11:24 Uhr
Handschellen liegen auf einem Tisch.
Eventuell stehen die mutmaßlichen Taten im Zusammenhang mit Untersuchungen in einem MRT wie diesem. Foto: dpa (Symbolbild)

Der Neurologe ist  am Evangelischen Klinikum Bethel beschäftigt. Angeblich geriet er bereits im Frühjahr in Verdacht, allerdings zunächst nicht in Bezug auf Sexualstraftaten. Damals soll es um den Vorwurf gegangen sein, er habe Frauen, die im Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT) untersucht werden sollten, Medikamente gegeben, die in keinem Zusammenhang mit der Untersuchung gestanden haben sollen.
Die Kripo Bielefeld ermittelte  deshalb zuerst nur wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen den Mediziner. Die Vorwürfe schienen sich allerdings lange nicht erhärten zu lassen.

Belastende Videos auf Datenträgern entdeckt

Nach Informationen des Westfalen-Blatts Zeitung soll der Polizei dann Anfang dieser Woche der Durchbruch gelungen sein. Auf Datenträgern, die bei einer Hausdurchsuchung des Bielefelders sichergestellt worden waren, entdeckten die Ermittler belastendes Material – Bilder, die die Auswerter nicht erwartet hatten: Angeblich zeigen sie, wie der Mediziner Patientinnen missbraucht, er selbst soll die Videos gemacht haben.
Die genaue Zahl der mutmaßlichen Opfer ist noch nicht bekannt, weil unklar ist, ob alle Taten gefilmt wurden. Die bisher ausgewerteten Videos sollen allerdings mehr als zehn Frauen zeigen, angeblich sind sie inzwischen identifiziert. Nach unbestätigten Angaben soll der Arzt die Patientinnen betäubt haben, bevor er sie vergewaltigt haben soll.

Festnahme in der Wohnung

Nachdem die Kripo die Missbrauchs-Bilder kannte, wurde der Arzt umgehend in seiner Wohnung festgenommen, und die Staatsanwaltschaft erwirkte den Haftbefehl. Ob sich der Arzt bei der Polizei oder dem Haftrichter zu den Vorwürfen geäußert hat, wurde nicht bekannt.
Ärzte, die Patientinnen betäuben, um sie zu missbrauchen – solche Fälle gibt es immer wieder. 2016 verurteilte das Landgericht Bamberg einen Chefarzt zu fast acht Jahren Haft und fünf Jahren Berufsverbot. Er hatte laut Gericht zwölf Frauen mit Midazolam sediert und vergewaltigt.

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