Fußball
Derby fast ohne Zuschauer, wieder «ohne krassen Charakter»

Vor dem rheinischen Derby stehen die noch sieglosen Kölner und Gladbacher unter Druck. Dennoch ist die Bedeutung des Spiels aktuell gesunken. Dazu tragen insbesondere zwei Faktoren dabei.

Freitag, 02.10.2020, 21:21 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 21:32 Uhr
Das Rheinderby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach findet zum zweiten Mal in diesem Jahr ohne Zuschauer statt.
Das Rheinderby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach findet zum zweiten Mal in diesem Jahr ohne Zuschauer statt. Foto: Federico Gambarini

Köln (dpa) - Mitten im Champions-League-Rausch droht akute Krisengefahr. Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose scheint trotz des sportlich wichtigen rheinischen Derbys beim 1. FC Köln Mühe zu haben, die volle Konzentration auf das Prestigeduell am Samstag (15.30 Uhr/Sky) zu legen. «Wir freuen uns darauf und trotzdem ist es jetzt wichtig, dass wir uns auf die anstehenden Aufgaben fokussieren, also am Wochenende auf Köln», mahnte Rose in Bezug auf die Champions-League-Gegner Real Madrid und Inter Mailand, die seiner Borussia am Donnerstagabend zugelost worden waren.

Fast schien es dem ehrgeizigen Coach in den vergangenen Tagen am Niederrhein zu sehr um die Champions League zu gehen. Ganz untypisch für die Region ist das Derby im Bewusstsein vieler geschrumpft. Das liegt auch daran, dass das Duell schon zum zweiten Mal in diesem Jahr fast ohne Zuschauer stattfindet. Wegen der zu hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen in Köln waren auch beim zweiten FC-Heimspiel in dieser Saison keine Zuschauer zugelassen, ehe das Gesundheitsamt Köln am Freitagabend eine Teilöffnung mit 300 Zuschauern erlaubte.

Auch in Köln musste Sportchef Horst Heldt daher die Wertigkeit der Partie hervorheben. «Auch wenn wir ohne Zuschauer spielen sollten: Ein Derby ist ein Derby», sagte Heldt schon vor der ersten Behörden-Entscheidung am Freitag, keine Zuschauer zuzulassen. Schon im März beim ersten Bundesligaderby überhaupt ohne Zuschauer im Borussia-Park hatte es eine laut Gladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer «surreale» Atmosphäre gegeben.

«Rund um das Derby gibt es normalerweise so viele Emotionen, auch schon in den Tagen zuvor, die sich dann auch auf den Platz übertragen. Dieses Spiel lebt ganz besonders von der Atmosphäre, die Fans sind dabei das Salz in der Suppe», sagte der Weltmeister von 2014 dem «Kölner Stadt-Anzeiger»: «Diese Stimmung fehlt natürlich, die Partie hat dieses Mal nicht diesen krassen Derby-Charakter».

In normalen Zeiten hätte allein die sportliche Situation das Derby-Feuer noch verschärft. Beide Teams sind in dieser Saison noch sieglos, die Kölner sind es saisonübergreifend gar seit zwölf Ligaspielen. Unter Druck steht vor allem aber die Borussia. Auch in dieser Saison will Rose mit seinem Team mindestens wieder Platz vier und damit die Champions-League-Qualifikation erreichen - dafür sollten die Gladbacher nun anfangen, zu siegen. Nur ein Punkt aus den Partien in Dortmund (0:3) und gegen Union Berlin (1:1) ist zu wenig für die Ansprüche des Vorjahresvierten.

Noch bleibt Borussen-Trainer Rose ruhig. «Sind wir zufrieden mit der Punktausbeute? Nein. Können wir besser Fußball spielen? Ja. Haben wir richtig schlecht gespielt? Nein», sagte Rose ruhig einordnend vor dem Derby mit ungewöhnlichen Rahmenbedingungen. Ähnlich sah es Sportchef Max Eberl, befand aber auch: «In Köln zählt nur das Ergebnis.»

Die sportlichen Ansprüche beim FC sind deutlich geringer, dennoch nerven die lange Sieglos-Serie und der Null-Punkte-Start in die Saison. «Die Mannschaft hat ein Stück weit Wut in den Knochen», berichtete Coach Markus Gisdol, den - wie auch seinen Gladbacher Kollegen - Verletzungssorgen plagen.

Bei den Kölnern könnte Kapitän Jonas Hector kurzfristig wegen Nackenproblemen ausfallen, bei der Borussia ist Angreifer Breel Embolo nach seiner Sprunggelenks-Verletzung noch nicht wieder fit genug für einen Platz in der Startelf. In Ismail Jakobs, Jorge Meré und Anthony Modeste (Köln), sowie Valentino Lazaro, Denis Zakaria und Laszlo Benes (Gladbach) fehlen zudem weitere wichtige Spieler.

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