Energie
Firmen starten Wasserstoff-Projekt und hoffen auf Fördergeld

Wasserstoff wird bei der Klimawende eine Schlüsselrolle zugewiesen. Er soll in der Industrie Kohle, Öl und Gas ersetzen. In der NRW-Wirtschaft tut sich auf diesem Gebiet viel.

Montag, 12.10.2020, 14:57 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 15:12 Uhr
Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender von RWE (vorne), steht vor einem Spitzengespräch zum Thema Wasserstoff neben Martina Merz, Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp, im Kreis von weiteren Unternehmern.
Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender von RWE (vorne), steht vor einem Spitzengespräch zum Thema Wasserstoff neben Martina Merz, Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp, im Kreis von weiteren Unternehmern. Foto: Marcel Kusch

Düsseldorf (dpa/lnw) - Mit dem Einsatz von Wasserstoff will die nordrhein-westfälische Industrie auf Klimakurs kommen. Firmen wie Rheinmetall, RWE und Thyssenkrupp stellten am Montag Ministerpräsident Armin Laschet ( CDU ) und Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) 13 Projekte vor, in die sie insgesamt vier Milliarden Euro investieren. Die Vorhaben sind Schritte hin zu einer CO2-neutralen Industrie, die für 2050 angepeilt wird.

Thyssenkrupp will klimaschonend Stahl fabrizieren, RWE arbeitet an effizienter Wasserstofferzeugung und Eon an der Umrüstung von Gasnetzen für den Transport. Der Stahlverarbeiter C.D. Wälzholz will mit Wasserstoff seinen CO2-Ausstoß in der Produktion senken. Rheinmetall wiederum beschäftigt sich unter anderem mit der Datensicherheit der Infrastruktur.

Nach dem Gespräch mit den Managern betonte Laschet die Dringlichkeit einer Umstellung auf klimaschonende Abläufe, damit die hiesige Industrie im globalen Wettbewerb bestehen könne. Es gehe auch um Arbeitsplätze: «Wir werden den hohen Beschäftigungsstand im Industrieland Nordrhein-Westfalen nur erhalten, wenn wir uns hier transformieren und die notwendigen Technologien nutzen», sagte der CDU-Politiker.

Zum Beispiel sei die Waserstoff-Anwendung für Autozulieferer wichtig, schließlich erwarteten ihre Kunden - die Autobauer - künftig klimaschonend hergestellte Bauteile. «Die Wettbewerber in der Welt schlafen nicht, es liegt eine große Dynamik in dem Thema», sagte der CDU-Politiker. «Stück für Stück könnte, wenn wir es falsch machen, das Industrieland Deutschland und das Industrieland NRW hier verlieren.» Aus Sicht von Wirtschaftsminister Pinkwart hat NRW gute Voraussetzungen, um beim Thema Wasserstoff künftig eine führende Rolle zu spielen.

Offen ist, wie stark der Staat die Industrie bei ihrer Umwandlung unterstützen muss. Nach Darstellung von Pinkwart sind zunächst die EU und der Bund gefragt, zusätzlich dazu könnten zukünftig auch Landesmittel fließen. Am 9. November will die Landesregierung ihre Wasserstoff-Strategie vorstellen und ihre Haltung konkretisieren.

Klar ist, dass die Einführung von Wasserstoff in Produktionsabläufe viel Geld kostet. «Die Transformation ist sehr teuer, es kostet uns allein bei heutigem Volumen etwa 10 Milliarden Euro in den Jahren bis 2050», sagte Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz. Man brauche hierfür staatliche Unterstützung.

Wasserstoff ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende, da seine Herstellung aus Wasser mit Hilfe von Ökostrom die Atmosphäre nicht belastet. Dafür wird das Wasser mittels eines chemischen Prozesses - der Elektrolyse - in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. In der Industrie wird er bisher nur wenig genutzt. In der bisherigen Nische ist NRW aber gut vertreten: In dem Bundesland gibt es nach Angaben der Staatskanzlei 240 Kilometer lange Wasserstoff-Pipelines, zudem nutzen die hiesigen Firmen jährlich eine halbe Million Tonnen Wasserstoff und damit fast ein Drittel des industriellen Verbrauchs von ganz Deutschland.

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