Gesundheit
Drei Kommunen um das Doppelte über höchster Warnschwelle

Keine Entwarnung in Sicht in der Corona-Krise: Eine Kommune nach der anderen reißt in NRW die bislang höchste Warnschwelle - einige liegen inzwischen schon um das Doppelte darüber. Unterdessen müssen sich die Bürger an die verschärfte Coronaschutzverordnung noch gewöhnen.

Sonntag, 18.10.2020, 16:35 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 16:42 Uhr
Ein Wattestäbchen eines Corona Abstriches wird im Labor untersucht.
Ein Wattestäbchen eines Corona Abstriches wird im Labor untersucht. Foto: Oliver Berg

Düsseldorf (dpa/lnw) - In Nordrhein-Westfalen überschreiten immer mehr Kommunen die Corona-Warnschwellen. In drei Kommunen lagen die Infektionsquoten nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag sogar schon um das Doppelte über dem Grenzwert, der die bislang schärfsten Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben vorsieht: Herne (111,2), Solingen (109,9) und Wuppertal (103,1).

Bei 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gilt in NRW seit dem Wochenende eine Sperrstunde in der Gastronomie und ein Alkoholverkaufsverbot bis 6.00 Uhr morgens. Millionen Menschen sind davon schon in zahlreichen Städten und Regionen des Landes betroffen.

Auch Krefeld sowie die Kreise Warendorf und Düren sprangen am Wochenende über die 50er-Schwelle. Gütersloh (49,6) und der Rhein-Erft-Kreis (49,1) standen am Sonntag kurz davor. Wenn eine Region nach zehn Tagen immer noch über 50 liegt, haben die Kommunen zusätzliche Schutzmaßnahmen zu treffen.

Schon ab einem Wert von 35 gilt jetzt in NRW eine erweiterte Maskenpflicht auf allen Plätzen und Straßen, wo eine regelmäßige Unterschreitung des Mindestabstands zu erwarten ist - etwa in Fußgängerzonen und auf Märkten. Wo konkret überall Maske getragen werden muss, haben die einzelnen Kommunen im Internet veröffentlicht.

Bei vielen Bürgern war diese Neuerung aber am Wochenende offenbar noch nicht angekommen. Zwar meldeten die Städte keine Probleme mit der frühen Sperrstunde. In der Düsseldorfer Altstadt etwa strömten allerdings Tausende ab 23.00 Uhr aus den Kneipen, Restaurants und Bars gleichzeitig auf die Straßen und in die U-Bahn-Stationen - die allermeisten ohne Maske.

In NRW dürfen sich maximal zehn Personen unterschiedlicher Haushalte im öffentlichen Raum treffen - unabhängig von der Infektionslage. In den 50er-Regionen dürfen sich maximal fünf treffen. Das ist strenger als in der jüngsten Bund-Länder-Konferenz verabredet.

Die Grenzwerte gelten nicht für Gruppen, die innerhalb desselben Haushalts leben - Familien oder Wohngemeinschaften etwa. Außerdem dürfen sich grundsätzlich Personen aus zwei häuslichen Gemeinschaften treffen - auch über fünf beziehungsweise zehn Personen hinaus.

NRW lag am Sonntag laut RKI-Statistik mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 54,7 weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 42,9. Nur Hessen lag unter den großen Flächenländern mit 55,1 noch etwas höher - Bayern (43,8) und Baden-Württemberg (42,7) dagegen etwa im Schnitt. Die Stadtstaaten Berlin (83,8) und Bremen (72,4) sind weit darüber.

Gegenüber dem Vortag kletterte die Zahl der Neuinfektionen in NRW demnach um 1477. An den Wochenenden sind die amtlich gemeldeten Zahlen auf Grund der Personalkapazitäten in den Laboren und Gesundheitsbehörden meist niedriger. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben in NRW fast 90 000 von bundesweit rund 362 000 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 18.10., 0.00 Uhr).

Aus Sicht von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) haben die Behörden die Lage noch im Griff. Bundes- und landesweit gebe es noch sehr viele Kapazitäten im Gesundheitssystem, sagte er am Samstag im Deutschlandfunk. «Wir haben derzeit in unseren Krankenhäusern in erheblichem Umfang Kapazitäten frei.» Obwohl mit dem Anstieg der Infektionszahlen auch die intensivmedizinische Versorgung etwas gestiegen sei, sei das Ausmaß «nicht dramatisch».

Laut Corona-Statistik der Landesregierung (Stand: 16. Oktober) sind in NRW noch über 1400 von insgesamt rund 5700 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeiten verfügbar. Falls die Zahl der Covid-19- Patienten auf den Intensivstationen stark steigen sollte, müssten planbare Eingriffe in den Krankenhäusern verschoben werden, sagte Laumann dem WDR-TV-Magazin Westpol.

Seinen Angaben zufolge sind in NRW schon rund 70 000 Menschen wegen Corona in Quarantäne. Trotz Personallücken in den Gesundheitsämtern seien die nötigen Tests und Nachverfolgungen der Infektionsketten grundsätzlich aber gewährleistet, versicherte er. NRW teste rund 350 000 Menschen pro Woche auf eine Infizierung mit dem Coronavirus - möglich seien derzeit sogar 400 000 pro Woche.

NRW sieht sich noch in der Lage, Nachbarländer zu unterstützen: Derzeit stehen hier laut Landesregierung in 48 Krankenhäusern 80 Betten zur intensivmedizinischen Versorgung niederländischer Covid-19-Patienten bereit. «Mit Stand heute ist keines davon belegt», berichtete das Gesundheitsministerium am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Nach Informationen des Ministeriums habe es aus anderen EU-Ländern bislang noch keine Anfragen gegeben.

Seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr seien durch die Landesregierung bereits rund 50 Covid-19-Patienten aus den Niederlanden vermittelt worden sowie 10 aus Italien und 8 aus Frankreich. Hinzu kämen weitere durch direkte bilaterale Kontakte der Krankenhäuser.

Am diesem Montag tritt in NRW eine weitere Verschärfung für private Feste in Kraft: Bei 35 oder mehr Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen dürfen an Festen aus herausragendem Anlass außerhalb der eigenen vier Wände höchstens 25 Personen teilnehmen. In 50er-Regionen sind dann nur noch höchstens zehn Teilnehmer erlaubt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7637292?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F
Nachrichten-Ticker