Fußball
Neustart nach dem Frust: Bayer spricht nicht vom Titel

Im Vorjahr ging Bayer Leverkusen als einer der Titel-Favoriten in die Endrunde der Europa League, scheiterte aber wieder, als es um etwas ging. Mit forschen Tönen halten sich die Leverkusener deshalb vor dem Start der neuen Europacup-Saison zurück.

Mittwoch, 21.10.2020, 15:10 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 15:22 Uhr
Leverkusens Trainer Peter Bosz hält den Ball.
Leverkusens Trainer Peter Bosz hält den Ball. Foto: Torsten Silz

Leverkusen (dpa/lnw) - Den Frust der vergebenen Chance vor der Haustür hat Bayer Leverkusen angeblich verarbeitet, vom erneuten Angriff auf den Titel in der Europa League spricht vor dem Start der neuen Saison aber noch niemand. «Wir freuen uns auf das Turnier», sagte Trainer Peter Bosz vor dem Auftaktspiel gegen OGC Nizza am Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN): «Letztes Jahr haben wir gesehen, dass es ein schönes Turnier ist. Und wir wollen so weit wie möglich kommen.»

Sein Team sieht der Niederländer aber selbst in der Vorrunde nicht als klaren Favoriten an. «Ich glaube, dass es in der Gruppe nicht wirklich einen Favoriten gibt», erklärte Bosz: «Slavia Prag und Nizza sind für mich Mannschaften auf Augenhöhe.» Auch Sportdirektor Simon Rolfes gab eine vorsichtige Zielsetzung aus und wollte noch nicht über die Gruppenphase hinausblicken. Diese zu überstehen, so Rolfes, sei freilich das Minimalziel.

Im Vorjahr schienen die Leverkusener im kleinen Europacup auf bestem Weg zum ersten Titel seit 27 Jahren. Doch erst bremste die Corona-Pause die formstarke Werkself, dann verlor sie bei der Endrunde in Nordrhein-Westfalen gleich zum Auftakt das Viertelfinale gegen Inter Mailand. Vor dem Finalturnier hatten die Leverkusener klar vom Titel als Ziel gesprochen, bei den Buchmachern waren sie die Nummer zwei der Setzliste. Die große Enttäuschung habe man aber beiseite gelegt, versicherte Bosz: «So etwas muss man im Top-Fußball abhaken.»

Die lauter werdende Kritik an den Leistungen seiner Mannschaft - die nach vier Bundesliga-Spielen noch ungeschlagen ist, aber auch erst ein Spiel gewonnen hat - ist für Bosz übertrieben. «Ich höre oft, dass es bis jetzt nicht gut war, aber damit bin ich nicht einverstanden», sagte er: «Offensiv haben wir sicher noch Luft nach oben, aber defensiv stimmt die Balance bei der Mannschaft. Wir haben in vier Spielen erst fünf Schüsse auf unser Tor zugelassen. Deshalb bin ich nicht so negativ wie der eine oder andere.»

Gegen Nizza muss Bosz auf den angeschlagenen Spielgestalter Charles Aranguiz verzichten, dafür könnte das 17 Jahre alte Ausnahme-Talent Florian Wirtz nach seiner bei der U21 erlittenen Bauchmuskelverletzung wieder dabei sein. Unabhängig davon erwartet Bosz gegen die Franzosen um den früheren Bayern-Profi Dante als Kapitän und Abwehrchef «einen wirklich starken Gegner, der richtig Qualität hat. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen.»

Dass er dabei nach den Verletzungen der Neuzugänge Santiago Arias und Patrick Schick mit der Mannschaft der Vorsaison ohne Kai Havertz und Kevin Volland antreten muss, frustriert Bosz nach eigener Aussage nicht: «Insgesamt bin ich zufrieden mit den Spielern, die da sind.»

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