Messerstiche nach Telefonat
Angeklagter schweigt vor Gericht zu Mordvorwurf

Münster -

Ein zu lautes Telefongespräch auf der Straße vor seiner Wohnung soll einen Münsteraner derart in Rage gebracht haben, dass er den Anrufer niederstach. Beim Prozessauftakt blieben viele Fragen offen.

Freitag, 30.10.2020, 13:08 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 13:10 Uhr
Vor einem Gerichtsgebäude steht u.a. eine Statue der Justitia.
In Münster hat der Prozess gegen einen 62-Jährigen begonnen, der einen Mann wegen eines zu lauten Telefonats getötet haben soll. Foto: Pjer Biederstädt

Als der Angeklagte am Freitagmorgen den Saal A 10 im Landgericht Münster betritt, hält er sich einen Aktenordner vors Gesicht. Zahlreiche Kameras sind auf den großen Mann im Anzug gerichtet. Der Andrang ist so groß, dass nicht alle Zuschauer in den coronabedingt platzreduzierten Saal gelassen werden können. Sie alle wollen verstehen, wie aus einer Lappalie ein tödlicher Messerangriff werden konnte.

Am 9. Mai dieses Jahres soll der 62-jährige Angeklagte laut Staatsanwaltschaft einen 33-jährigen Mann aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch mit einem Messer ermordet haben. Das Motiv laut Anklage: Der Beschuldigte soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür in Roxel laut telefoniert hat.

Was war passiert? Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte, der Geschäftsführer eines Software-Unternehmens ist, weder zu dem Vorwurf noch zu seiner Person. Seine Verteidiger stellten aber in Aussicht, dass sich ihr Mandat zu einem späteren Zeitpunkt des Prozesses äußern werde.

Telefonat störte beim Film

Details zum Tathergang gab es dennoch: Bei einer audiovisuellen Vernehmung durch die Polizei nach der Tat, die am Freitag vor dem Schwurgericht abgespielt wurde, hatte der Angeklagte ausgesagt. Demnach habe er am besagten Abend mit seiner Frau in der gemeinsamen Wohnung einen Film angesehen, als er einen Mann sehr laut telefonieren hörte. Er sei auf den Balkon gegangen und habe ihn darauf angesprochen. Das spätere Opfer habe freundlich geantwortet.

Später, als er ins Bad ging, so gab es der Angeklagte bei der Polizei zu Protokoll, habe er das laute Telefonieren erneut gehört. Als er seiner Frau davon erzählte, sei sie nach draußen gegangen, um die Sache zu klären.

Details der Tat bleiben offen

Von der Dachterrasse, so der Angeklagte, habe er plötzlich laute Stimmen gehört und Angst um seine Frau bekommen. Er habe sich auf dem Weg nach draußen ein Küchenmesser gegriffen. Seine Frau habe ihm gesagt, dass sich der Mann weigere und beleidigend gewesen sei. Weiter gab der Angeklagte an, dass er sich nicht an die Details der Tat erinnern könne. „Ich wollte ihn zurückhalten“, heißt es in der polizeilichen Vernehmung.

Den aufgezeichneten Angaben des Angeklagten zufolge sei der 33-Jährige aufgesprungen und habe zu einem Schlag ausgeholt. Dass der Mann verletzt worden ist, will der 62-Jährige erst bemerkt haben, als er Blut auf dessen Hemd gesehen habe. Das sei schwer nachzuvollziehen, so der Polizeibeamte bei der Befragung, schließlich sei der Stich durch den ganzen Brustkorb gegangen. Zudem sollen Nachbarn den Tatverlauf anders geschildert haben.

Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt.

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