Lockdown
Gut besucht, aber „Grabesstimmung“ in Gastronomie

Wer am Montag lecker Essen gehen will, der steht vor verschlossenen Türen: Die Gastronomie ist geschlossen wegen der Coronapandemie. Und wie war der Kundenandrang in den Lokalen am Wochenende davor?

Sonntag, 01.11.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 17:32 Uhr
Blick von Außen in eine leere Bar.
Ein Polizeiwagen fährt durch das Ausgehviertel Bermuda3eck in Bochum. Foto: Caroline Seidel/dpa

Viele Menschen sind am Wochenende in Nordrhein-Westfalen noch einmal in einem Restaurant oder einem Café eingekehrt, bevor die Lokale ab Montag wegen der Coronaregeln geschlossen bleiben. „Es war zum Abschied ein gutes Wochenende für viele Restaurants, Cafés und andere Gaststätten“, sagte Thorsten Hellwig vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ( Dehoga ) NRW am Sonntag in Neuss. „Die Reservierungsbücher waren häufig voll, das Wetter hat mitgespielt.“ Das Geschäft sei aber getrübt gewesen von einer „Abschiedsstimmung“ und der Ungewissheit, ob und wann es nach November weitergehen wird.

Wegen steigender Coronainfektionen sind die staatlichen Pandemiemaßnahmen verschärft worden, ab Montag muss die Gastronomie mit Ausnahme von Kantinen geschlossen bleiben. In Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisende schlafen und keine Touristen. 

In der Branche stieß der zweite Lockdown seit dem Frühjahr auf Unverständnis - die Gastronomen und Hoteliers verweisen darauf, dass sie viel investiert haben in Hygienekonzepte samt Plexiglasscheiben und Desinfektionsspendern.

Neue Einschränkungen ab dem 2. November

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  • Bund und Länder wollen angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen den gemeinsamen Aufenthalt in der Öffentlichkeit nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit maximal zehn Personen gestatten. Dies gelte verbindlich, Verstöße gegen diese Kontaktbeschränkungen würden von den Ordnungsbehörden sanktioniert, beschloss Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch (28. Oktober) in einer Video-Konferenz. Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen seien angesichts der ernsten Lage inakzeptabel.

    Foto: Paul Zinken
  • Schulen und Kindergärten sollen trotz der stark steigenden Corona-Zahlen auch im November verlässlich geöffnet bleiben. Die Länder sollten aber weitere Schutzmaßnahmen einführen. Auch Gottesdienste sollen nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) weiterhin erlaubt sein. Allerdings müssten die Hygienekonzepte unbedingt eingehalten werden.

    Foto: dpa
  • Trotz drastisch steigender Corona-Infektionszahlen sollen Groß- und Einzelhandel im November offen bleiben. In einer Videokonferenz einigten sich die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch (28. Oktober) aber darauf, dass sich in den Geschäften nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter aufhalten darf. In der Beschlussvorlage des Bundes war ursprünglich von 25 Quadratmetern die Rede gewesen.

    Foto: Kira Hofmann
  • Bund und Länder wollen wegen der Corona-Krise auch Veranstaltungen, die der Unterhaltung und der Freizeit dienen, im November deutschlandweit weitgehend untersagen. So sollen Theater, Opern oder Konzerthäuser vom 2. November an bis Ende des Monats schließen. Dies solle auch für Messen, Kinos, Freizeitparks, Spielhallen, Spielbanken und Wettannahmeeinrichtungen gelten. Auch Bordelle und andere Prostitutionsstätten sollen geschlossen werden.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Freizeit- und Amateursportbetriebe auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen sollen ebenfalls im November schließen, Individualsport soll von dieser Regelung ausgenommen werden. Der Profisport ist im November nur noch ohne Zuschauer zugelassen. Das gilt auch für die Fußballbundesliga.

    Foto: Alessandra Tarantino
  • Gastronomiebetriebe wollen Bund und Länder vom 2. November für den restlichen Monat ebenfalls schließen. Davon ausgenommen sein soll die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause, Kantinen sollen offen bleiben dürfen. Außerdem sollen touristische Übernachtungsangebote im Inland im November verboten werden. Diese dürften nur noch für notwendige Zwecke wie zwingende Dienstreisen gemacht werden. Die Bürger werden aufgefordert, generell auf private Reisen und auf Verwandtenbesuche zu verzichten.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Bund und Länder wollen wegen der sich verschärfenden Corona-Krise ebenso Betriebe im Bereich der Körperpflege wie Kosmetikstudios, Massagepraxen oder Tattoostudios im November schließen. Friseursalons bleiben aber - anders als im Frühjahr - unter den bestehenden Hygienevorgaben geöffnet. Auch medizinisch notwendige Behandlungen wie Physiotherapien sollen weiter möglich sein. Das geht aus der Video-Konferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch hervor.

    Foto: Angelika Warmuth
  • Industrie, Handwerk und Mittelstand solle sicheres Arbeiten umfassend ermöglicht werden, heißt es. Die Arbeitgeber müssten ihre Mitarbeiter vor Infektionen schützen. Bund und Länder fordern die Unternehmen angesichts hoher Corona-Infektionszahlen eindringlich auf, Heimarbeit zu ermöglichen - wo immer dies umsetzbar ist.

    Foto: Sebastian Kahnert
  • Der Bund plant milliardenschwere Nothilfen für Unternehmen, die von den vorübergehenden Schließungen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen sind. Dazu gehören auch die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft. Erstattet werden sollen Umsatzausfälle, die Finanzhilfe soll ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro haben.  Außerdem soll der Schnellkredit der staatseigenen KfW Bankengruppe für Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten geöffnet und angepasst werden.

    Foto: imago stock&people
  • Für Angehörige einer Risikogruppe wie Kranke, Pflegebedürftige, Senioren oder Behinderte solle es zügig und prioritär Corona-Schnelltests geben. Der besondere Schutz in diesem Bereich dürfe aber nicht zu einer vollständigen sozialen Isolation führen.

    Foto: María José López
  • Zur Einhaltung der Maßnahmen sollen flächendeckend die Kontrollen verstärkt werden. Zudem sollen Bund und Länder sollen Bürgerinnen und Bürger verstärkt über die Corona-Maßnahmen informieren «und durch möglichst einheitliche Maßnahmen die Übersichtlichkeit erhöhen», heißt es in dem Papier.

    Foto: Oliver Werner

„Unsere Läden waren voll am Wochenende“

„Unsere Läden waren voll am Wochenende“, sagt Christian Bickelbacher, Geschäftsführer der Gastronomiegruppe BJW und Vorstand der Standortgemeinschaft Bermuda3Eck Bochum. Das Bermuda3Eck ist eine Ausgehmeile in der Ruhrgebietsstadt. Einige Stammgäste seien aus Vorsicht zwar nicht gekommen, andere treue Kunden hätten hingegen noch einmal die Möglichkeit zum Ausgehen genutzt. „Niemand weiß, wann die Lokale wieder offen sein werden.“ Wirklich ausgelassen sei es nicht hergegangen. „In einem Restaurant war die Stimmung besonders gedämpft, man könnte sogar von einer Grabesstimmung reden - als ob die Anwesenden befürchteten, dass eine ganze Branche zu Grabe getragen wird.“

Branche fordert Perspektiven

Bickelbachers BJW-Gruppe betreibt ein Hotel, drei Restaurants und drei Bars in Bochum, Oberhausen und Bielefeld. Seine rund 100 Festangestellten schickt er nun in Kurzarbeit, die acht Azubis kümmern sich um das Bochumer Hotel und die dortigen Geschäftsreisenden. Der Gastronom hält es für „illusorisch“, dass die Politik die Lokale schon im Dezember wieder aufmacht. „Es ist nun mal Winter, die Infektionswerte werden nicht so deutlich sinken wie beim ersten Lockdown im Frühjahr.“ Dass er seine Standorte nun dichtmachen muss trotz umfangreicher Hygieneinvestitionen, findet er ungerecht.

Der Dehoga NRW appelliert an die Politik, der Branche Perspektiven aufzuzeigen. „Das Gastgewerbe kann nicht mehr tun als in der Vergangenheit“, sagte Verbandssprecher Hellwig. Die Politik müsse dafür sorgen, dass nach der bisher für Dezember geplanten Wiedereröffnung das Infektionsgeschehen nicht wieder so rasant zunehme „und wir durch erneute Schließungen wieder die Leidtragenden sind“, so Hellwig. Zu Infektionen komme es vor allem im privaten Bereich und eben nicht in der Gastronomie, die strenge Hygienestandards habe.

Illegale Rave-Party aufgelöst

Am letzten Wochenende vor der Gastroschließung wurde Halloween gefeiert. Dies hatte in der Politik zu Sorgen geführt, dass viele Menschen über die Stränge schlagen könnten und es zu zahlreichen Neuinfektionen kommen könnte. Doch nach Polizeiberichten aus den verschiedenen Landesteilen war es ein insgesamt eher ruhiger Gruseltag, mancherorts gab es Ärger über Eierwürfe gegen Häuserwände und anderen Unfug. Viele Kinder hatten wohl tatsächlich darauf verzichtet, von Tür zu Tür zu ziehen und um Süßigkeiten zu bitten.

Nicht überall verlief das Wochenende glimpflich. So löste die Polizei in Pulheim bei Köln in der Nacht zu Sonntag eine Hochzeit aus, auf der rund 100 Leute feierten - es hätten nur maximal 50 sein dürfen. Im benachbarten Frechen lösten Einsatzkräfte eine illegale Rave-Party auf. Laut der Polizei hatten dort in einer Bahnunterführung im Waldgebiet 40 Menschen zusammen gefeiert.

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