Kriminalität
Serbe soll Frau getötet haben: Auslieferung zuvor misslang

Ein gesuchter Mann wird nicht nach Serbien ausgeliefert, weil die nötigen Dokumente einen Tag zu spät eintreffen. Er wird freigelassen und tötet - so der Verdacht - seine Freundin in Hagen. Der NRW-Justizminister berichtet.

Montag, 02.11.2020, 18:32 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 18:40 Uhr
Peter Biesenbach (CDU), Justizminister von Nordrhein-Westfalen, spricht.
Peter Biesenbach (CDU), Justizminister von Nordrhein-Westfalen, spricht. Foto: Federico Gambarini

Hagen (dpa/lnw) - Ein Serbe, dessen Auslieferung Anfang Juni scheiterte, soll wenige Tage nach seiner Freilassung seine Lebensgefährtin in Hagen getötet haben. Das geht aus einem Bericht von NRW-Justizminister Peter Biesenbach mit dem Titel «Tötungsdelikt in Hagen - Versäumnisse der Justizbehörden?» für eine Sitzung des Rechtsausschusses im Landtag am Donnerstag hervor. Danach war der Mann am 24. April in seiner Wohnung in Hagen festgenommen worden, ein Abgleich seiner Fingerabdrücke ergab, dass gegen ihn in Serbien seit Ende 2018 Haftbefehl bestand.

Da die erforderlichen Unterlagen für eine Auslieferung aus Serbien dem Bericht des CDU-Politikers zufolge einen Tag zu spät eintrafen, habe man den Mann am 2. Juni wieder auf freien Fuß setzen müssen. Am 15. Juni wurde in seiner Wohnung eine weibliche Leiche gefunden. Am 16. Juni nahm die Polizei den Mann erneut fest. Eine Mordkommission ermittelte, dass die Frau am 8. oder 9. Juni gewaltsam ums Leben gekommen sei. Gegen den Serben wurde vor dem Landgericht Hagen Mitte September Anklage wegen Totschlags erhoben.

Biesenbach schilderte die Abläufe so: Am 5. Mai habe das Oberlandesgericht Hamm Auslieferungshaft angeordnet und darauf verwiesen, dass diese gemäß einem europäischen Abkommen nach 40 Tagen zum 2. Juni zwingend enden müsse. Laut Minister wurde unter anderem das Bundeskriminalamt gebeten, die serbischen Behörden via Interpol über Festnahme und Auslieferungshaft zu informieren. Zunächst sei der 3. Juni als Frist genannt worden. Danach habe man beim BKA erbeten, die serbischen Behörden sollten über den korrekten Fristablauf am 2. Juni informiert werden.

Das Bundesamt für Justiz meldete dem NRW-Ministerium am 2. Juni, dass beim Auswärtigen Amt die erforderlichen Unterlagen aus Serbien nicht eingegangen seien. Daraufhin habe man den Mann am selben Tag freigelassen. Am 3. Juni bestätigte das AA, dass alle Dokumente eingetroffen seien. Nach sofortigem Antrag sei am 9. Juni vom OLG Hamm erneut ein Auslieferungshaftbefehl erlassen worden, hieß es im Biesenbach-Bericht.

Am 12. Juni wurde dem Polizeipräsidium Hagen ein Festnahme-Ersuchen übermittelt. Die Polizei habe den Gesuchten am 15. Juni dann aber nicht unter seiner Wohnanschrift angetroffen, stattdessen den weibliche Leichnam entdeckt, der sich bereits im Verwesungszustand befand. Der Mann wurde zur Fahndung ausgeschrieben und am Tag darauf in Iserlohn gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft.

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