Debatte im Landtag
Wirkung von Corona auf Schulen: Distanzunterricht nur letzter Ausweg

Düsseldorf -

Die Zahl der in Quarantäne geschickten Schüler hat sich in NRW vergangene Woche binnen sieben Tagen auf mehr als 50.000 verdreifacht. Bei der Debatte im Landtag ging es auch um Präsenz- und Distanzunterricht in Schulen.

Mittwoch, 11.11.2020, 19:50 Uhr
Unterricht soll nach Willen der Schulministerin nur als letzte Möglichkeit in geteilten Klassen erlaubt sein.
Unterricht soll nach Willen der Schulministerin nur als letzte Möglichkeit in geteilten Klassen erlaubt sein. Foto: Matthias Balk/dpa

Einen Überblick über die unverändert ernste Corona-Lage im Land wollte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Landtag geben. Über hohe Infektionszahlen, überlastete Gesundheitsämter, belastbare Kliniken und die Hoffnung auf einen Impfstoff sprach er am Mittwoch in einer Unterrichtung des Landtags. Dass er damit das Parlament besser einbinde, erkannte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Josefine Paul noch an.

Doch sowohl sie als auch SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty nutzten die anschließende Debatte zu einer erneuten Abrechnung mit Schulministerin Yvonne Gebauer ( FDP ). Deren Weigerung, der von hohen Infektionszahlen getroffenen Stadt Solingen ein hybrides Unterrichtsmodell in kleinen Gruppen — teils in Klassen und teils digital zuhause — zu erlauben, sei das Gegenteil des von einer Landesregierung propagierten „vorausschauenden und verantwortungsvollen Strategie, beklagte Kutschaty.

Gebauer weist Forderungen nach kleinen Lerngruppen zurück

Die Kommunen bräuchten aber Handlungsoptionen, wenn die Corona-Infektionen weiter ansteigen. So habe sich die Zahl der in Quarantäne geschickten Schüler vergangene Woche binnen sieben Tagen auf mehr als 50 000 verdreifacht. Fast ähnlich die Entwicklung bei nunmehr fast 3500 betroffenen Lehrkräften. Rund 550 Teilschließungen stünden 68 in der Vorwoche gegenüber. Für solche Fälle müsse die Landesregierung Vorsorge treffen, forderte er. Und Paul ergänzte, die von Schwarz-Gelb ausgesprochene Bildungs- und Betreuungsgarantie „ist doch nichts wert, wenn sie nicht mit vorausschauenden Maßnahmen unterlegt ist“.

Gebauer selbst wies die die Forderungen nach kleinen Lerngruppen zurück. Ein genereller Wechsel aller Schulen in einer Kommune entspreche nicht der Linie der Landesregierung, stellte sie klar. Dieses von ihr untersagte Solinger Modell sei auch innerhalb der Stadt umstritten. Demgegenüber habe das Land den Schulen und ihren Trägern viele Handlungsoptionen gegeben, um auf steigende Infektionszahlen zu reagieren. Dazu gehöre etwa der zeitlich versetzte Unterrichtsbeginn. Hybridunterricht bleibe nur die letzte Möglichkeit in Einzelfällen, bekräftigte Gebauer: „Wenn das alles ausgeschöpft ist, dann ist es selbstverständlich, dass Schulen in ein Wechselmodell von Präsenz- und Distanzunterricht gehen können.“

„Sie verdrehen fahrlässig oder bewusst die Tatsachen“

Das sei auch schon so praktiziert worden. Es könne aber nur eine Einzelfallentscheidung bleiben.

Die Ministerin wie auch Familienminister Joachim Stamp (FDP) warfen ihrerseits der Opposition vor, diese wolle die Hälfte der Kinder ins Homeoffice schicken. „Sie verdrehen fahrlässig oder bewusst die Tatsachen“, erwiderte Kutschaty. Das Solinger Modell sei bei steigenden Infektionszahlen der Weg, Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten zu können. „Dazu müssen heute die Vorkehrungen getroffen werden.“ Indes: Von seinem Werben um eine Kooperation von Regierung und Opposition blieb nach dieser heftigen Debatte nur die Worthülse übrig.

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