Corona-Krise
Dortmund schlägt Flughafen-Kooperation mit FMO und PAD vor

Kaum Flüge, noch weniger Passagiere und riesige Löcher in der Kasse. Corona hat die seit langem bestehenden Probleme der Regionalflughäfen in Nordrhein-Westfalen noch verstärkt. Aus Dortmund kommt eine neue Idee, wie es wieder aufwärts gehen könnte. Die Reaktionen von den beteiligten Flughäfen Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt sind verhalten.

Montag, 21.12.2020, 17:20 Uhr aktualisiert: 21.12.2020, 19:24 Uhr
Corona-Krise: Dortmund schlägt Flughafen-Kooperation mit FMO und PAD vor
Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) will die Corona-Krise nutzen, um die westfälischen Airports Dortmund, Münster/Osnabrück (Bild) und Paderborn/Lippstadt näher aneinander zu rücken. Foto: dpa

Düsseldorf (dpa/lnw) - Wenige Bereiche der Wirtschaft sind von den Folgen der Corona-Pandemie so stark betroffen wie der Flugverkehr. «Viele Flughäfen sind am Limit und in ihrem Fortbestand gefährdet», hatte der Flughafenverband ADV bereits im November gewarnt. Alle deutschen Airports zusammen müssten in den Jahren 2020 und 2021 einen Verlust von rund 3 Milliarden Euro verkraften, so dass rund ein Viertel der 180 000 direkten Arbeitsplätze gefährdet sei.

Im Corona-Schock sind auch die Flughäfen in Nordrhein-Westfalen. Nach ADV-Angaben wurden an den sechs Airports von Jahresbeginn bis Ende November nur 11,1 Millionen Passagiere bei An- und Abflügen gezählt. Das sind etwa 29,6 Millionen Fluggäste weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Paderborn/Lippstadt schon in Insolvenz geflüchtet

Die Krise trifft die Regionalflughäfen im Land besonders heftig, denn sie waren schon vorher auf finanzielle Hilfen ihrer öffentlichen Eigentümer angewiesen. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt (PAD) hat als erster Konsequenzen gezogen und sich in eine Insolvenz in Eigenverwaltung geflüchtet. Statt für eine Million Passagiere im Jahr werden jetzt nur noch Abfertigungs- und andere Kapazitäten für 300 000 Passagiere im Jahr vorgehalten. Die Zahl der Beschäftigten wird von 170 auf rund 65 reduziert. «Bei uns können aber weiterhin rund um die Uhr Maschinen landen», versicherte der Geschäftsführer des Flughafens, Marc Cezanne.

Nicht alle Eigner des nach Passagierzahlen kleinsten NRW-Airports sind offenbar von der neuen Strategie überzeugt. Die Stadt Bielefeld ist bereits ausgestiegen , die beiden Kreise Gütersloh und Lippe streiten noch mit dem Mehrheitseigentümer Kreis Paderborn über die finanziellen Bedingungen des Ausstiegs. Der Umweltverband BUND zählt Paderborn/Lippstadt und Weeze zu den Regionalflughäfen, die aus seiner Sicht wegen dauerhafter Defizite sofort geschlossen werden müssten.

Dortmund profitiert von Flügen nach Osteuropa

Der Flughafen in Dortmund ist bisher etwas besser durch die Krise gekommen als andere kleine NRW-Airports. In Dortmund betrug der Rückgang des Passagieraufkommens bis Ende November rund 53 Prozent. Paderborn hatte ein Minus von gut 86 Prozent zu verkraften, in Weeze und Münster/Osnabrück waren es etwa 77 Prozent .

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Fluggastzahlen im Vergleich Foto: Jürgen Christ (Grafik)

Der Chef der Dortmunder Stadtwerke, Guntram Pehlke, die drei Viertel der Anteile an der Flughafengesellschaft halten, führt dies auf den hohen Anteil von Flügen nach Osteuropa zurück. Das sei ein «sehr tragfähiges Alleinstellungsmerkmal», dass die anderen Flughäfen in der Region nicht hätten. Pehlke ist deshalb mit Blick auf die Zeit nach Corona optimistisch: «Wir waren der am stärksten wachsende Regionalflughafen in ganz Deutschland und wir werden es wieder.»

Der neu gewählte Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) will die Corona-Krise nutzen, um die westfälischen Airports Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt näher aneinander zu rücken. Es sei jetzt «genau der richtige Zeitpunkt, sich Gedanken zu machen, wie man sich im Verbund für die Zeit nach der Corona-Pandemie aufstellt», sagte er auf Anfrage.

Kooperation des FMO mit Dortmund?

Die drei Flughäfen teilten sich dasselbe Einzugsgebiet. Deswegen liege der Gedanke nahe, aus ihnen einen leistungsfähigen «Westfälischen Flughafen» zu schaffen.

Ein solches Flughafensystem wäre für die Wirtschaft und auch für die Urlaubsreisenden eine deutliche Verbesserung, so Westphal. In einer Kooperation bei der Bodenabfertigung und in der Flugsicherung steckten zudem «sehr viele Synergien», um die drei Airports zu entlasten. Gemeinsam sei man «vielleicht auch in der Lage, gegenüber Airlines andere Preisverhandlungen zu führen». Es müsse aber niemand «um den Fortbestand der einzelnen Flughäfen bangen».

Skepsis beim Flughafen Münster/Osnabrück

Westphals Ideen stießen an den beiden anderen Airports auf Skepsis. «Natürlich stehen wir allen Gesprächsangeboten immer offen gegenüber», sagte ein Sprecher des Flughafens Münster/Osnabrück. Es sei aber unklar, worin die Vorteile eines solchen Zusammenschlusses liegen sollten. «Die Kosten eines jeden Standortes entstehen ja durch die Existenz der Infrastruktur.»

Der Flughafen Münster/Osnabrück musste in den vergangenen Jahren bereits manche Turbulenz überstehen – darunter die Pleiten der stark vertretenen Fluggesellschaften Air Berlin und Germania. Dann nahm Corona dem sich erholenden Grevener Airport den Auftrieb: Die Passagierzahlen brachen um knapp 80 Prozent ein. Prompt melden sich FMO-Gegner allerorten verstärkt zu Wort und fordern eine Schließung, um Umwelt und öffentliche Gelder zu schonen.

Ich glaube nicht, dass Flughäfen in der Situation sind, dass sie einem Reiseveranstalter oder einer Airline sagen können, wo sie abzufliegen haben.

Marc Cezanne, Chef des Flughafens Paderborn/Lippstadt

Der Paderborner Flughafenchef Cezanne teilt diese Bedenken. «Durch Kooperation ändern sich die Passagierzahlen und die Einnahmen nicht.» Die Kosten ließen sich auch nicht senken, weil ja drei Standorte bestehen blieben. Er glaube auch nicht, «dass Flughäfen in der Situation sind, dass sie einem Reiseveranstalter oder einer Airline sagen können, wo sie abzufliegen haben».

Verkehrsminister begrüßt Vorstoß für «Westfälischen Flughafen»

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) begrüßte den Dortmunder Vorstoß: «Im Interesse einer vielfältigen Flughafen-Landschaft in Nordrhein-Westfalen können wir jedes kreative Nachdenken nur gutheißen.» Die beiden größten Airports des Landes, Düsseldorf und Köln/Bonn, wollten auch bestimmte Dinge zusammen machen. «Warum soll das nicht auch in Westfalen möglich sein?»

Jetzt komme es darauf an, dass alle Flughäfen gut durch die Corona-Pandemie kommen, betonte Wüst. «Fakt ist: Ein einmal geschlossener Flughafen kann später nicht einfach wieder geöffnet werden.» Das Ziel müsse sein, dass Flughäfen, die vor der Pandemie wirtschaftlich funktionierten, auch in Zukunft zur Verfügung stünden. Für den Mittelstand in NRW sei «die dezentrale Flughafenstruktur ein wichtiger Standortfaktor».

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