Prozesse
Mord durch Bombenanschlag: Angeklagter widerruft Aussage

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein mutmaßlicher Kämpfer der als Terrorgruppe eingestuften tamilischen LTTE muss sich seit Mittwoch wegen sechsfachen Mordes in Düsseldorf vor dem Oberlandesgericht verantworten. Der Mann soll als 15-Jähriger in Sri Lanka vor einem Konvoi der sri-lankischen Armee eine Bombe ferngezündet haben, wie ihm die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Anklage vorwirft.

Mittwoch, 20.01.2021, 13:19 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 13:32 Uhr
Der Angeklagte hält sich im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts einen Aktenordner vor sein Gesicht. Neben ihm sitzt sein Rechtsanwalt, Christoph Wingerter.
Der Angeklagte hält sich im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts einen Aktenordner vor sein Gesicht. Neben ihm sitzt sein Rechtsanwalt, Christoph Wingerter. Foto: Federico Gambarini

Das hatte der inzwischen 27-Jährige beim Bundesamt für Flüchtlinge selbst berichtet, als er seinen Asylantrag begründete. Auf dieser Aussage fußt die Anklage. Doch am Mittwoch widerrief der 27-Jährige, der inzwischen in Werne bei Dortmund lebt, beim Prozessauftakt seine Selbstbezichtigung. Die Angaben beim Bundesamt seien unwahr gewesen.

Bei dem Anschlag sollen im September 2008 sechs Menschen getötet und viele weitere verletzt worden sein. Dem Angeklagten droht damit die Jugend-Höchststrafe von zehn Jahren Haft. Die tamilischen «Befreiungstiger» LTTE kämpften jahrzehntelang für einen eigenen Staat der tamilischen Minderheit auf Sri Lanka.

Ihre Einstufung als Terrorgruppe ist nicht unumstritten. Inzwischen ist der Bürgerkrieg beendet und die LTTE gilt seit 2009 als besiegt und zerschlagen. Das Gericht hat für den Fall acht Verhandlungstage vorgesehen.

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