Prozesse
Gericht in Istanbul hält an Ausreisesperre gegen Örs fest

Istanbul/Köln (dpa/lnw) - Die in der Türkei wegen Terrorvorwürfen angeklagte Kölnerin Gönül Örs darf das Land weiter nicht verlassen. Das Gericht in Istanbul hielt am Donnerstag an einer Ausreisesperre gegen Örs fest. Die wöchentliche Meldepflicht bei der Polizei wurde aufgehoben - der Prozess wurde auf den 6. April vertagt.

Donnerstag, 21.01.2021, 10:43 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 10:52 Uhr
Die Kölnerin Gönül Örs steht im Gericht Caglayan.
Die Kölnerin Gönül Örs steht im Gericht Caglayan. Foto: Linda Say

Ihre Anwältin Ayse Celik hatte die Aufhebung der Ausreisesperre beantragt. «Ihr Leben ist in Deutschland», sagte sie. Örs habe in der Türkei kein Einkommen und müsse mit ihren Verwandten leben. Sie sei einsam und depressiv. Örs reagierte niedergeschlagen auf die Entscheidung. «Das ist reine Schikane, das kann einfach nicht wahr sein», sagte sie nach der Verhandlung. Sie habe die Hoffnung gehabt, dass sie ausreisen könne. «Jetzt muss ich weitere vier Monate hier ausharren. Was soll ich denn hier machen, wie solle ich denn hier überleben?»

«Der Horror muss endlich ein Ende haben», teilte der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe mit. «Gönül Örs hat kein Verbrechen begangen, das wird das Gericht beim nächsten Prozesstag feststellen müssen.»

Örs ist die Tochter der ebenfalls unter Terrorvorwürfen angeklagten Sängerin Hozan Cane , die im Oktober nach zwei Jahren Haft in Istanbul entlassen wurde. Cane war am Donnerstag ebenfalls anwesend, durfte aber nicht in den Gerichtssaal. Ein Mitarbeiter des deutschen Konsulats beobachtete den Prozess. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Montag bei einem Besuch in Ankara gesagt, er habe «Konsularfälle» mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu besprochen. Auf Örs ging er nicht ein.

Örs wird Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung oder Täuschung sowie «Entführung oder Beschlagnahmung» von Beförderungsmitteln vorgeworfen.

Hintergrund ist eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. In Deutschland wurden Ermittlungen gegen Örs nach Angaben der Anwältin eingestellt. Die Kölnerin saß drei Monate in der Türkei in Untersuchungshaft und stand sechs Monate unter Hausarrest - seit Juni gilt eine Ausreisesperre. Der Prozess gegen die Sängerin Hozan Cane geht am 9. Februar weiter.

© dpa-infocom, dpa:210120-99-104663/3

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