Krankheiten
Corona-Mutanten aufspüren: NRW startet Projekt mit Laboren

Bei der Frage nach Coronavirus-Mutationen rückt das Grenzgebiet zu den Niederlanden in den Blickpunkt: Denn im Nachbarland ist die als ansteckender geltende britische Variante verbreitet. Deshalb sollen positive Proben aus der Grenzregion schnell untersucht werden.

Mittwoch, 27.01.2021, 13:27 Uhr aktualisiert: 27.01.2021, 13:30 Uhr

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalen hat ein Projekt gestartet, um die Verbreitung von Corona-Mutationen im Bundesland zu erfassen. Damit solle die Verbreitung «möglichst schnell und umfassend» geklärt werden, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch in Düsseldorf mit. Bisher sei weitgehend unklar, wie weit sich Virusmutationen in NRW verbreitet hätten. Dabei geht es auch um die britische Mutation, die als ansteckender gilt als der bisher verbreitete Stamm, und eine Variante aus Südafrika. Das Projekt wird geleitet von Prof. Alexander Mellmann vom Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster. Es wird mit 200 000 Euro gefördert.

In NRW sind bislang elf Fälle einer Infektion mit der britischen Virusvariante und drei Fälle einer Infektion mit der zuerst in Südafrika aufgetretenen Mutation bekannt. Zudem gibt es Verdachtsfälle, die untersucht werden.

Am Mittwoch teilte die Stadt Aachen mit, dass es einen konkreten Verdacht auf Infektionen mit der britischen Virusvariante in Aachener Studentenwohnungen gibt. Die Kontaktpersonen dort müssten zwei Wochen in Quarantäne. Der Nachweis der britischen Virusvariante sei sehr aufwendig und dauere zwei bis drei Wochen.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, ein besonderes Anliegen sei zu untersuchen, ob die Varianten in Nordrhein-Westfalen unterschiedlich verbreitet sind. Dies gelte auch für die Grenzregionen zu den Niederlanden, wo die britische Coronavirus-Variante bereits verbreitet ist. «Noch diese Woche wird damit begonnen, rund 1000 positive Sars-CoV-2-Proben insbesondere aus dieser Region zu sammeln und auszuwerten», erklärte Laumann. Mit den Niederlanden hat NRW seine längste Grenze, sie ist 395 Kilometer lang.

Das Projekt soll vor allem die Frage beantworten, in welchem Umfang in NRW bereits Virusvarianten zu einem bestimmten Zeitpunkt vorkommen. «Zudem soll geklärt werden, ob es neben den bekannten noch weitere Virusvarianten gibt», teilte das Ministerium mit.

In Solingen etwa wird derzeit systematisch auf die mutierte britische Virusvariante getestet, um ein genaues Lagebild zu bekommen. Alle positiven Testungen, die eingingen, würden darauf getestet, und es gebe auch Treffer, hatte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) erklärt.

Der Städtetag NRW wies darauf hin, dass die Labore in der Regel jede 20. positive Corona-Probe auf Mutationen untersuchen. «Bei Verdacht auf Viren-Mutationen beauftragen die Gesundheitsämter weitere Untersuchungen», sagte Helmut Dedy, der Geschäftsführer des Städtetages Nordrhein-Westfalen. Sie wollten Klarheit über das Infektionsgeschehen vor Ort und die Verbreitung möglichst zügig eindämmen.

© dpa-infocom, dpa:210127-99-187547/3

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