Bahn
Kölner Hauptbahnhof bei Drogen-Kriminalität vorn

Bahnhöfe sind ein Tor zu Ferne, Ausgangspunkt für Geschäfts- oder Urlaubsreisen. Sie sind aber auch attraktiv für Taschendiebe - und Gewalttaten sind an großen Knotenpunkten keine Seltenheit.

Mittwoch, 03.02.2021, 16:27 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 16:40 Uhr
Der Kölner Hauptbahnhof.
Der Kölner Hauptbahnhof. Foto: Oliver Berg

Berlin (dpa) - Die Hauptbahnhöfe Köln, Essen und Düsseldorf hatten im vergangenen Halbjahr die bundesweit höchsten Zahlen an erfassten Drogendelikten. Das geht aus einer Auskunft des Bundesinnenministeriums an die AfD-Fraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach verzeichneten die Behörden zwischen Juli und Dezember 2020 am Kölner Hauptbahnhof 272 Delikte mit Betäubungsmitteln, gefolgt von 235 Fällen am Essener Hauptbahnhof und 206 Fällen am Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Bei den Verstößen gegen das Waffengesetz steht demnach der Kölner Hauptbahnhof ebenfalls bundesweit an der Spitze mit 15 Delikten, gefolgt vom Essener Hauptbahnhof mit 14 Delikten.

Bei Eigentumsdelikten wie Diebstahl führt der Frankfurter Hauptbahnhof die Negativ-Statistik mit 744 Vorfällen an, gefolgt von Hamburg (572 Taten) und Köln (504 Taten).

Bei Gewaltdelikten liegt der Hamburger Hauptbahnhof im vergangenen Halbjahr vorn. Insgesamt 300 Fälle verzeichneten die Behörden dort zwischen Juli und Dezember 2020. Hinter dem Hamburger liegen der Frankfurter mit 238 und der Nürnberger Hauptbahnhof mit 189 Gewaltdelikten.

Sicherheit sei für die Deutsche Bahn (DB) «oberstes Gebot», betonte eine Sprecherin des Unternehmens. «Bundesweit investieren wir jährlich mehr als 170 Millionen Euro für die Sicherheit unserer Mitarbeitenden und Reisenden», sagte sie. 4000 Sicherheitskräfte der Bahn unterstützten die mehr als 5000 Beamten der Bundespolizei in Zügen und an Bahnhöfen. Zudem sollte gemeinsam mit dem Bund die Videotechnik ausgebaut werden: «Wir erhöhen die Anzahl der aktuell 8000 Kameras an Bahnhöfen in den nächsten vier Jahren um rund ein Drittel auf circa 11 000 Kameras.»

Auf die Frage nach Gemeinsamkeiten zwischen den genannten Bahnhöfen und nach Ursachen für das Auftauchen in der Statistik schreibt das Ministerium, es handle sich um «Großbahnhöfe in urbanen Ballungszentren mit Anbindung auch an Schienennetze benachbarter Länder». Große Bahnhöfe in städtischen Ballungszentren entfalteten eine «Sogwirkung auf Kriminelle», was vor allem an deren ständigem Betrieb, ihrer «Betriebsamkeit», Möglichkeiten zur Ver- und Entsorgung und zur An- und Abreise liege. In der Nähe lägen zentrale Omnibusbahnhöfe, Sozialstationen und Drogenkonsumräume.

Ein vergleichsweise hoher Anteil an Verdächtigen hat bei den abgefragten Taten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit: Im Bereich Gewaltdelikte sind es mehr als 40 Prozent, bei Drogendelikten ist es rund ein Drittel, bei Eigentumsdelikten sogar mehr als die Hälfte. In der Statistik zu Gewalttaten tauchen Polen, Syrer, Türken und Afghanen vergleichsweise häufig als Verdächtige auf.

Insgesamt 198 Bundespolizisten wurden im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres im Dienst bei gewaltsamen Auseinandersetzungen in Bahnhöfen oder Zügen verletzt, 35 von ihnen waren zunächst dienstunfähig. Die Bundespolizei kümmert sich um die Sicherheit an Bahnhöfen.

«Die Gewalt an deutschen Bahnhöfen betrifft nicht nur die Metropolen, sondern praktisch jeden größeren Bahnhof», erklärte der AfD-Abgeordnete Martin Hess. «Bund und Länder, Städte und Kommunen müssen die Verwahrlosung unserer Bahnhöfe und Bahnhofsviertel gemeinsam stoppen - mit einer konsequenten Nulltoleranz-Strategie und mit umsichtiger Stadtplanung», verlangte er. «Es darf nicht sein, dass Bürger nur noch mit berechtigter Angst zur Arbeit fahren oder auf Reisen gehen können.»

© dpa-infocom, dpa:210203-99-278850/3

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