Prozesse
Mutter sah Misshandlung ihres Sohnes zu: Bewährung

Düsseldorf (dpa/lnw) - Weil sie der brutalen Misshandlung ihres eigenen Sohnes tatenlos zugeschaut hat, ist eine Mutter in Düsseldorf zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht sprach die 47-jährige Pädagogin am Mittwoch wegen Beihilfe zur Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen schuldig. Außerdem muss die Düsseldorferin 2000 Euro an das Raphael-Haus in Dormagen zahlen, das sich um misshandelte Kinder kümmert.

Mittwoch, 03.02.2021, 15:54 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 16:02 Uhr
Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.
Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener

Der 17-jährige Sohn war im Juli 2019 über sechs Stunden lang vom Verlobten der Frau schwer misshandelt, gedemütigt und gequält worden. Der 37-Jährige hatte einen Teil der Demütigungen mit dem Mobiltelefon aufgenommen und dem gequälten und weinenden Jugendlichen gedroht, dieses Video ins Netz zu stellen.

Anlass für den Gewaltexzess sollen Fotos gewesen sein, die der Junge heimlich von seiner leicht bekleideten zwölfjährigen Schwester aufgenommen hatte, als diese schlief. Der 37-Jährige ist bereits zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

«Sie hätten eingreifen können, haben es aber nicht getan habe, um ihrem Verlobten nicht im Weg zu stehen und ihre Beziehung zu retten», sagte Richterin Kirsten Hartmann. «Sie haben sich ganz klar gegen ihren Sohn gestellt.»

Die Mutter hatte im Prozess zugegeben, ihrem Sohn nicht geholfen zu haben. Sie sei nach der Entdeckung der Fotos in eine «Schockstarre verfallen». Außerdem habe sie nur einen kleinen Teil der Misshandlungen mitbekommen. Der Sohn hatte erklärt, nicht gegen seine Mutter aussagen zu wollen.

© dpa-infocom, dpa:210203-99-285431/4

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