Verfassung
Philosoph Gabriel: Geimpften die Freiheiten zurückgeben

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Bonner Philosophie-Professor Markus Gabriel hat sich für schrittweise Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens für gegen Covid-19 geimpfte Menschen ausgesprochen. Diesen Menschen müsse die Politik «Zug um Zug Freiheiten vollumfänglich zurückerstatten», sagte Gabriel am Donnerstag im Radiosender WDR 5. Allerdings seien dafür geeignete Hygiene-Konzepte notwendig, weil auch geimpfte Menschen unter Umständen ansteckend sein könnten. Konkret bedeute das: Konzerte, Restaurant- und Kinobesuche spezifisch für geimpfte Menschen müssten ermöglicht werden. Gabriel ist Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie NRW an der Universität Bonn und Autor des Buches «Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten».

Donnerstag, 04.02.2021, 12:42 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 12:53 Uhr
Markus Gabriel spricht sich für schrittweise Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens für gegen Covid-19 geimpfte Menschen aus.
Markus Gabriel spricht sich für schrittweise Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens für gegen Covid-19 geimpfte Menschen aus. Foto: Christoph Hardt

Der Deutsche Ethikrat hält es dagegen für falsch, die Corona-Einschränkungen für Geimpfte früher zu beenden. Ohnehin müsse erst geklärt werden, ob von geimpften Menschen weiterhin eine Ansteckungsgefahr ausgehe oder nicht, sagte die Vorsitzende des Ethikrates, Alena Buyx , am Donnerstag in Berlin.

Gabriel argumentierte, die Politik habe ein Jahr die Einschränkung von Freiheit zum Gesundheitsschutz «höher bewertet hat als die Ausübung von Freiheit». Jetzt sei es «an der Zeit, die Freiheit auch wieder herzustellen». Viele Menschen fühlten sich «massiv unterdrückt» durch die Lockdown-Maßnahmen». Es müsse ein Ausgleich gesucht werden, «indem man moralisch akzeptable und ethisch vertretbare Öffnungskonzepte entwickelt». Diese könnten einschließen, «dass man Geimpften Dinge erlaubt, die man Nicht-Geimpften nicht erlaubt». Ein «Neidgefühl» dürfe dabei in einer aufgeklärten Gesellschaft keine Rolle spielen.

© dpa-infocom, dpa:210204-99-300212/2

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